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DFB-Pokal-Sieg über Leverkusen : Bayern entscheidet Nervenschlacht vom Punkt

  • -Aktualisiert am

Kollektiver Jubel: Die Bayern stürmen ins Halbfinale. Bild: AP

Der Titelverteidiger rettet sich ins Pokal-Halbfinale. Thiago verwandelt nach 120 nervenaufreibenden und hart umkämpften Minuten den entscheidenden Elfmeter. Beide Teams hadern mit umstrittenen Schiedsrichter-Urteilen.

          Der DFB-Pokal bot im Viertelfinale einen hochspannenden Mehrteiler mit Überlänge. Wie in Dortmund und Bielefeld reichten auch in Leverkusen neunzig Minuten nicht aus, einen Sieger zu ermitteln. Bayer Leverkusen und Bayern München unterhielten das Publikum zwar mit Fußball auf gehobenem Niveau, sahen sich aber, trotz einiger guter Chancen auf beiden Seiten, hundertzwanzig Minuten lang außerstande, ein Tor zu erzielen.

          Im Elfmeterschießen nahm das Drama dann zugunsten der Bayern seinen Lauf. Zwölf Minuten nach 23 Uhr liefen alle Münchner auf Thiago zu, um ihm zum entscheidenden Treffer zu gratulieren. Thiago konnte von Glück sprechen, dass er überhaupt noch auf dem Platz stand – so mancher Schiedsrichter hätte ihm in der 90. Minute nach einem Foul an Kießling die Rote Karte gezeigt. Nationaltorhüter Manuel Neuer verschaffte dem Titelverteidiger dann einen Vorteil, in dem er gleich den ersten Elfmeter von Drmic famos parierte, am Ende stand es 5:3.

          Die Bayern mussten auf vier Stammkräfte verzichten. Neben Arjen Robben, Franck Ribery und David Alaba fiel auch Bastian Schweinsteiger verletzt aus, der beim Bundesligaspiel in Dortmund eine Blessur am Sprunggelenk erlitten hatte. Als Alibi wollte Trainer Pep Guardiola den personellen Engpass aber nicht gelten lassen, zumal er als Ersatz für Scheinsteiger in Mario Götze einen Weltmeister aufbieten konnte, der zuletzt nur einen Kurzeinsatz absolviert hatte.

          In solchen Situationen sei gerade er gefordert, „Lösungen zu finden“, sagte Guardiola. Dieses Erfordernis erschien ihm nach einer guten halben Stunde noch dringlicher als ohnehin schon. Der Bayern-Trainer nahm Verteidiger Benatia vom Feld, der sich an den Oberschenkel gefasst hatte, und ersetzte ihn durch Mittelfeldspieler Sebastian Rode. Jerome Boateng rückte in der Abwehrkette nach rechts raus, Xabi Alonso bezog im Abwehrzentrum Position.

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          Bevor er diesen Wechsel vornahm, hatte Guardiola schon deutlich gemacht, dass er von seinem Ensemble mehr erwartete, als die Münchner Profis zeigten. Leverkusen hatte den besseren Start erwischt, aber nicht genug Durchschlagskraft entwickelt, um den Rekordpokalsieger in ernste Bedrängnis zu bringen. Immerhin reichte es, um Guardiola in Bewegung zu bringen. Der spanische Fußball-Lehrer versuchte, mit wild rudernden Armen seinen Spielern Orientierung zu geben.

          Anders als jüngst in Dortmund legten die Bayern wieder mehr Wert auf Ballbesitz, doch produktiv stellten sie sich dabei nicht an. Im ersten Durchgang gelang ihnen nur ein Angriff, den sie gefährlich zum Abschluss brachten. Juan Bernat nutzte den Platz, der sich ihm auf dem linken Flügel bot, flankte in den Strafraum und fand dort in Thomas Müller einen Empfänger, der völlig frei stand, die beste Chance der gesamten ersten Hälfte aber nicht zu nutzen wusste. Bayer-Torwart Bernd Leno reagierte prächtig.

          Nach dem Seitenwechsel wirkten die Bayern, die zeitweise siebzig Prozent Ballbesitz hatten, zielstrebiger, verliehen ihren Vorstößen mehr Schwung, aber immer noch nicht den nötigen Nachdruck. Götzes Kopfball verfehlte knapp das Ziel, Robert Lewandowski setzte sich in der Luft durch und beförderte die Kugel ins Netz; in den Augen des Schiedsrichters verhielt er sich dabei jedoch nicht regelkonform. Felix Zwayer ahndete ein angebliches Schubsen des Polen mit einem Freistoß für Bayer. Die Werkself geriet zwar einige Male in Bedrängnis, dachte aber nicht daran, den Bayern das Feld zu überlassen. Dafür war das Selbstvertrauen dann doch zu groß, das die Leverkusener zuletzt gefasst hatten. Ab und zu besannen sie sich sogar auf ihre zuweilen beachtliche Spielkunst.

          Wie Karim Bellarabi erst mit Stefan Kießling und dann mit Julian Brandt Doppelpass spielte, das zeugte schon von gehobenem Format. Als der Angreifer frei vor Neuer auftauchte, brachte er den Ball aber nicht am Nationaltorwart vorbei. Es blieb ein offenes, spannendes Spiel, in dem beide Parteien ihre Möglichkeiten hatten. Die wären für Leverkusen noch größer geworden, wenn der Schiedsrichter nach einem bösen Tritt des für Lahm eingewechselten Thiago nicht äußerste Milde hätte walten lassen; Zwayer beließ es bei der Gelben Karte.

          So konnten die Bayern in voller Mannschaftsstärke die Extraschicht angehen. Kießling wurde durch Thiagos Kung-Fu-Angriff außer Gefecht gesetzt. In der Verlängerung hatten wieder die Bayern die erst Chance. Trotz seiner sonst so starken Technik brachte Götze es nicht fertig, den Ball aus drei Metern Entfernung im Tor unterzubringen. Möglichkeiten dieser Kategorie bieten sich nicht oft in so einer Phase. Auf der anderen Seite verpasste Brandt kurz vor Ultimo die Chance, die Partie zu entscheiden. So kam es wie zuvor in Bielefeld zum Showdown vom Elfmeterpunkt – mit dem besseren Ende für die Bayern.

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