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3:1 bei Energie Cottbus : Bayern-Beweis von Stärke bleibt aus

Routinierte Siegtorschützen: Bayern Münchens Robert Lewandowski (r) und Kingsley Coman Bild: dpa

Pokalverteidiger Bayern München hat seine Erstrundenaufgabe ohne Mühe, aber auch ohne Glanz gegen aufopferungsvoll kämpfende Cottbuser gewonnen. Perisic steht vor dem Wechsel zu den Bayern.

          Einen Pele hatte nicht mal der ruhmreiche FC Bayern, aber Energie Cottbus hat ihn. Claus-Dieter Wollitz, der durch mitunter brasilianische Anwandlungen als Spieler den Rufnamen des großen Ballkünstlers erhielt und auch als Trainer behielt, hatte sich am Montag vorgenommen, „alles zu genießen“ und ein „schönes Fußballfest“ zu feiern. Und weil er den Traum, dass dieses Fest auch noch mit einem Sieg enden würde, von vornherein als „unrealistisch“ abgetan hatte, fand Pele Wollitz wohl wirklich allen Grund, den Abend zu genießen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Bei der letztlich unvermeidlichen 1:3-Niederlage gegen die Bayern in der letzten Partie der ersten Pokalrunde nach Treffern von Robert Lewandowski (32.), Kingsley Coman (65.) und Leon Goretzka (84.) – der Cottbuser Berkan Taz verwandelte einen Strafstoß (90.+2) – bot seine nach dem Abstieg aus der Dritten Liga zerstückelte, durch viele Verletzungen gebeutelte und mit zahlreichen Jugendspielern aufgefüllte Notmannschaft den 20.500 feiernden Zuschauern im Stadion der Freundschaft eine aufopferungsvolle Darbietung.

          DFB-Pokal
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          Vor allem der 19-jährige Torwart Lennart Moser frustrierte über weite Strecken die Bayern-Stars, vor allem in der ersten Halbzeit. Eine Direktabnahme von Lewandowski lenkte er an die Latte (14. Minute), hielt auch einen Kopfball von Coman aus kürzester Entfernung mit phantastischer Reaktion, war dann zwar machtlos, als Lewandowski den Abpraller zur Pausenführung der Bayern ins leere Tor drücken konnte (32.). Mit starker Parade verhinderte er einen zweiten Treffer des polnischen Torjägers, dessen Volleyschuss er aus dem kurzen Eck fischte (35.), und hatte dann Glück, als ein Kopfballheber von Coman an die Latte flog (39.).

          Trainer Niko Kovac wirkte verspannt auf dem Weg in die Pause, zu wenig Zwingendes hatte seine Mannschaft aus ihrer drückenden Überlegenheit gemacht. „Der springende Punkt im DFB-Pokal ist, gleich von der ersten Runde, der ersten Minute an da zu sein und die sogenannten kleinen Mannschaften nicht zu unterschätzen“, hatte Kovac vor Anpfiff seine Serie von bis dahin 17 Siegen in 18 Pokalspielen als Trainer erklärt und gefordert: „Wir müssen uns wieder neu beweisen – jeder einzelne: der Trainer, die Mannschaft, der Verein. Wir haben am Montag die erste Möglichkeit dazu.“

          Der Sieg geriet nie wirklich in Gefahr, doch der erwünschte Beweis von Stärke blieb eine Woche nach der Supercup-Niederlage gegen Dortmund und vier Tage vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Hertha BSC weitgehend aus. Auch nach der Pause fehlte dem Spiel der Bayern, deren Gefahrenpotential fast ausschließlich auf dem Suchen nach Lewandowski und Coman beruhte, oft die nötige Phantasie, um die tapfere, aber spielerisch limitierte Jungtruppe des unermüdlichen Antreibers Wollitz aus den Angeln zu heben – ein Team mit dem 36-jährigen Sturmveteranen Dimitar Rangelov und zehn Grünschnäbeln mit einem Altersdurchschnitt von 21. In den ersten drei Spielen der Regionalliga Nordost hatten die Cottbuser neun Tore kassiert, gegen den deutschen Meister aber ließen sie nicht viel zu.

          Um ihren Trainer ein wenig aufzulockern, brauchten die Bayern schließlich eine Einzelleistung von Coman, der aus zwanzig Metern mit einem scharfen Flachschuss ins lange Eck das 0:2 erzielte, ehe der eingewechselte Goretzka kurz vor Ende mit einem abgefälschten Schuss auf 0:3 erhöhte – und Taz noch der Ehrentreffer für Energie gelang.

          Doch Kovac konnte nicht entgehen, wie sehr seinem Team kurz vor Liga-Beginn noch spielerische Lösungen gegen tiefstehende, kompakt verteidigende Gegner fehlen. Vor Anpfiff hatte er bestätigt, dass sein kroatischer Landsmann Ivan Perisic, bei den Bayern als kurzfristige Verstärkung am Flügel nach dem vorerst geplatzten Sané-Transfer ins Auge gefasst, am Montag in München war, zum medizinischen Check, wie es hieß. Von Einwänden der Ärzte wurde nichts bekannt. Der sportliche Bayern-Check am Abend in Cottbus fiel da schon etwas kritischer aus.

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