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DFB-Pokal : Aogo rettet Fink vor Blamage

Zugehört und reingezirkelt: Schütze Aogo trifft nach Rücksprache mit Trainer Fink in den Torwinkel Bild: REUTERS

Eintracht Trier hat im DFB-Pokal schon für manche Überraschung gesorgt, der HSV schon oft die Rolle des trotteligen Goliaths übernommen. Auch diesmal hätte es klappen können.

          2 Min.

          Die Beschwörungen des Stadionsprechers von Eintracht Trier hatten letztlich keinen Erfolg: Schon lange vor dem Spiel der zweiten DFB-Pokalrunde gegen den HSV erzählte Martin Köbler immer wieder die Geschichten von den Trierer Wundertaten der Vergangenheit. Künftig wird er seiner Vereinshistorie indes kein weiteres Kapitel hinzufügen können, nachdem der Tabellenzweite der Regionalliga West gegen den Siebzehnten der Bundesliga trotz tapferer Gegenwehr nach Toren von Ahmet Kubalas (9.) für Trier sowie Marcus Berg (63) und Dennis Aogo (110.) mit 1:2 nach Verlängerung verloren hat. Thorsten Fink hat derweil im zweiten Pflichtspiel als Trainer des Hamburger SV eine erste bittere Niederlage nur knapp vermieden.

          Pokalschreck gegen Pokaltrottel

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Duell schien wie geschaffen für ein DFB-Pokalspiel, wie es das Fußball-Märchenbuch verlangt. Der HSV hat sich schon vor Jahrzehnten den Ruf erworben, bei Pokalsensationen allzu gerne die Rolle des trotteligen Goliath zu übernehmen, der sich von den Zwergen nur allzu gerne demütigen lässt. 1974 hatte er im Spiel beim VfB Eppingen, sozusagen der Urgroßmutter aller Pokalsensationen, als Tabellenführer der Bundesliga mit einer 1:2-Niederlage bei einem nordbadischen Amateurverein verloren. Ähnliche Kunststücke wiederholte der Klub später so oft wie kaum ein weiterer Erstligaverein.

          Für die Rolle des Pokalschrecks hatte sich Eintracht Trier unterdessen im vergangenen Vierteljahrhundert wie kein anderer fast durchweg im Amateurfußball beheimateter deutscher Verein beworben. Schon 1985 sorgten die Moselaner mit einem Sieg gegen den damaligen Pokalsieger Uerdingen für Aufsehen. 1998 scheiterten sie in ihrem erfolgreichsten Pokaljahr gar erst im Elfmeterschießen des Halbfinals am MSV Duisburg, nachdem der Drittligaklub zuvor unter anderem Borussia Dortmund und Schalke 04, den Champions-League-Sieger und den Uefa-Pokalgewinner der Vorsaison, besiegt hatte.

          Sieben Änderungen in der Startelf

          Für die Aufgabe gegen den HSV empfahlen sie sich in Runde eins mit einem 2:1-Sieg gegen dessen Lokalrivalen St. Pauli. Die Chancen auf ein ähnliches Ergebnis hatte HSV-Trainer Fink schon vor dem Spiel im mit 10.300 Zuschauern ausverkauften Moselstadion mit sieben Änderungen in der Startformation erhöht. Im Sturm durfte beispielsweise der seit Monaten nicht mehr berücksichtigte Schwede Marcus Berg sein Können beweisen, während der leicht angeschlagene Torjäger Mladen Petric wie seine Teamkameraden Gökhan Töre und Gojko Kacar die Reise nach Rheinland-Pfalz erst gar nicht antrat.

          Die von Trainer Roland Seitz bestens eingestellten Trierer nutzten diese Großzügigkeit bereits nach neun Minuten zur Führung durch Ahmet Kulabas. Wenngleich HSV-Coach Fink, trotz ungemütlicher Kälte wie an einem Champions-League-Abend allein im feinen Zwirn samt Krawatte gekleidet, anschließend mit wildem Gestikulieren an der Seitenlinie mehr Einsatz von seinen Spielern forderte, war Trier auch danach dem zweiten Treffer näher. Torschütze Kulabas hatte nach einer Flanke von Alon Abelski dann gar die Chance zum 2:0 für die Eintracht auf dem Fuß, das HSV-Schlussmann Jaroslav Drobny mit einer Glanztat verhinderte (62.). Fast im Gegenzug fiel der Ausgleich durch Marcus Berg. Der Mittelstürmer köpfte nach einer Flanke des eingewechselten Per Ciljan Skjelbred ein.

          Für das für Trier so bittere Ende eines unterhaltsamen Pokalabends sorgte Nationalspieler Dennis Aogo mit einem sehenswerten Freistoßtor aus rund 18 Metern.

          Eintracht Trier - Hamburger SV 1:2 n.V. (1:1,1:0)

          Schiedsrichter: Hartmann (Wangen)
          Zuschauer: 10 300 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Kulabas (9.), 1:1 Berg (63.), 1:2 Aogo (110.)
          Gelbe Karten: Abelski, Drescher, Karikari / Berg, Jarolim

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