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DFB-Pokal : 1860 verteidigt löwenhaft

Das neue Dortmunder Erfolgsduo: Mchitaryan (rechts) und Aubameyang Bild: AFP

Gegen die Sechser-Abwehrkette von 1860 München findet Borussia Dortmund im DFB-Pokal lange kein Mittel. Erst spät in der Verlängerung gelingen zwei Tore - wobei zunächst ein Elfmeter herhalten muss.

          2 Min.

          Noch Minuten nach dem Ende feierten die Fans von 1860 ihr Team – für einen großen Pokalabend und eine heroische Niederlage. 105 Minuten lang trotzte der Zweitligaklub dem mit 39:2 Torschüssen, davon vier ans Torgestänge, drückend überlegenen Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund. Erst ein Elfmeter brachte dann die Entscheidung. Kurz vor Ende der ersten Hälfte der Verlängerung holte Dominik Stahl Nationalspieler Marco Reus von den Beinen, erhielt die Rote Karte, und Pierre-Emerick Aubameyang nutzte den fälligen Strafstoß. Zwei Minuten später schloss Henrich Mchitarjan einen Dortmunder Konter zum 0:2-Endstand ab.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          „Das war ein schweres Spiel gegen einen tiefstehenden Gegner, der aufopferungsvoll gekämpft hat“, sagte der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp. Sein Kollege Friedhelm Funkel hofft nach der tollen Atmosphäre vom Dienstag auf „einen Stimmungsaufschwung“ bei dem oft mit internen Querelen beschäftigten Traditionsklub: „Heute zeigte sich, was Kampfgeist und Leidenschaft ausmachen gegen einen total überlegenen Gegner“. Es war das ungleiche Duell zweier Teams, die bei ihren Fans an dasselbe Gefühl appellieren. „Echte Liebe“, so lautet der Motto der Dortmunder, „Münchens große Liebe“ das der Sechziger, das der Stadionsprecher vor Anpfiff hinausschrie. Die Arena, zum ersten Mal seit 2007 bei einem Löwen-Heimspiel ausverkauft, bebte wie nur an den größten Abenden der großen Bayern. 120 Minuten lang feierten die 71.000 Zuschauer die unerbittliche Abwehrschlacht, in der sich meist zwanzig Spieler dicht geballt um den Löwen-Strafraum drängten.

          Zähes Pokal-Spiel seiner Mannschaft und weit und breit kein Schiedsrichter zum Anschreien: Jürgen Klopp am Spielfeldrand
          Zähes Pokal-Spiel seiner Mannschaft und weit und breit kein Schiedsrichter zum Anschreien: Jürgen Klopp am Spielfeldrand : Bild: AFP

          Vom Altmeister Funkel glänzend eingestellt, versperrte der Außenseiter mit starker Lauf- und Zweikampfleistung dem Favoriten die Räume. Ein Solo von Reus, der knapp daneben schoss (17. Minute), blieb die einzige Dortmunder Chance der ersten Halbzeit. Vor allem die insgesamt 18 Ecken der Borussen waren von ausgesuchter Harmlosigkeit und blieben es. Die einzige Ecke der Sechziger dagegen bescherte ihnen prompt ihre einzige Torchance im gesamten Spiel, als Kraft frei zum Kopfball kam, aber das Tor verfehlte (36.).

          Als die Dortmunder Chancen sich dann doch häuften in der zweiten Hälfte, schien der Ball aus lauter Sympathie für den Außenseiter einfach nicht hinein zu wollen ins löwenhaft verteidigte Tor. Blaszczykowski traf die Latte (49.), Lewandowski verstolperte den Ball vor dem leeren Tor (56.), Reus scheiterte nach Solo an Gabor Kiraly (65.), und dann, in der Verlängerung, schien der Ungar mit den stets ausgebeulten Torwarthosen geradezu einen Pakt mit dem Fußballglück geschlossen zu haben. Erst konnte er einen leicht abgefälschten Schuss von Reus mit der Fußspitze an den Pfosten lenken (92.). Dann traf Reus mit einem Freistoß aus 25 Metern die Latte (96.). Und schließlich hämmerte auch Aubameyang einen Freistoß aus dreißig Metern an die Latte (116.).

          Klopp im Kreisverkehr: Einstimmung auf die Verlängerung
          Klopp im Kreisverkehr: Einstimmung auf die Verlängerung : Bild: AFP

          Doch nach eindreiviertel Stunden war die Löwen-Defensive mürbe geworden. Nach Doppelpass mit Lewandowski wurde Reus von Stahl rücklings gefoult. Die zwingende Folge: Elfmeter und Platzverweis – und damit Rückstand und Unterzahl. Zwei Minuten später umkurvte Mchitarjan den Torwart und nahm den Sechzigern die letzte Hoffnung – aber nicht die Hochstimmung eines großen Abends. „Hey, hey, Superlöwen“, feierten die nimmermüden Fans ihr Team.

          TSV 1860 München - Borussia Dortmund 0:2 n.V. (0:0)

          TSV 1860 München: Kiraly - Volz (112. Tomasov), Schindler, Bülow, Wojtkowiak - Stark, Stahl, Wannenwetsch - Stoppelkamp, Adlung - Lauth (112. Friend)
          Borussia Dortmund: Langerak - Großkreutz, Sokratis, Hummels, Durm - Bender, Sahin (69. Hofmann) - Blaszczykowski (99. Aubameyang), Mchitarjan, Reus - Lewandowski (105.+3 Schieber)
          Schiedsrichter: Weiner (Ottenstein)
          Zuschauer: 71 000 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Aubameyang (105./Foulelfmeter), 0:2 Mchitarjan (107.)
          Gelbe Karten: Stark, Volz / Blaszczykowski
          Rote Karten: Stahl (104./Notbremse) / -

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