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Zur Ethik-Kommission : Der DFB will die Kontrolle behalten

  • -Aktualisiert am

Präsident Reinhard Grindel stellt auf dem Bundestag die erste Ethik-Kommission des DFB zur Wahl. Bild: dpa

Der bald 80 Jahre alte frühere Justiz- und Außenminister Klaus Kinkel soll Vorsitzender der DFB-Ethik-Kommission werden. Das Alter ist nicht das Problem dieser Auswahl. Es ist das Auswahlverfahren selbst.

          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) möchte auf seinem Bundestag an diesem Freitag (10.00 Uhr im Livestream bei FAZ.NET) in Erfurt die Vergangenheit hinter sich lassen, abschließen mit dem düsteren Kapitel um die wundersame Geldverschickung rund um das Sommermärchen. Als Zeichen für den Wandel und eine saubere Zukunft wird DFB-Präsident Reinhard Grindel den Delegierten die erste Ethik-Kommission des Verbandes zur Wahl stellen – mit namhafter Führung: Klaus Kinkel, der ehemalige Justiz- und Außenminister der FDP, soll ihr vorsitzen. Das ist auf den ersten Blick eine kluge Entscheidung. Die DFB-Führung präsentiert einen ehrenwerten Prominenten mit juristischem Hintergrund und diplomatischem Geschick. Keine Frage, diese Wahl ist schon entschieden. Gratulation.

          Aber was haben Grindel und sein DFB mit dieser Entscheidung gewonnen? Die Ethikkommission soll keine Versammlung kluger Berater sein, denen der Präsident in heiklen Fällen sein Ohr leiht und dann ein weises Urteil fällt. In der Satzungsänderung (Paragraph 45a) ist von einer Ermittlungseinheit die Rede. Sie muss also „in Fällen illegaler oder unethischer Verhaltensweisen aktiv werden, sobald die der Integrität und dem Ansehen des DFB schaden“.

          Und zwar von sich aus, bissig, zupackend, hartnäckig. Ist das ein Job für einen bald Achtzigjährigen? Vielleicht. Das Alter von Kinkel mag einen Hinweis darauf geben, dass der DFB lieber auf Erfahrung und Bekanntheit setzt als auf einen jugendfrischen Jagdtrieb in einem schwierigen Revier. Womöglich glaubt man in der Zentrale auch, die schweren Zeiten seien vorbei. Aber das Alter ist nicht das Problem dieser Auswahl. Es ist das Auswahlverfahren selbst.

          Am Freitag werden die Delegierten, allein um Grindel und sein Präsidium nicht im Regen stehen zu lassen, die Bestellung mit großer Mehrheit bestätigen. Von einer Wahl im eigentlichen Sinne kann also keine Rede sein. Es kommt eher zu einem Abnicken handverlesener Kandidaten. Was aber, wenn dieser noch so erlauchte Kreis in nächster Zeit auf ein ethisch fragwürdiges Verhalten eines Präsidiumsmitgliedes oder gar Grindels stößt und die Ermittlungen einstellt? Zum Beispiel nach Hinweisen in Zusammenhang mit der Aufklärung der WM-Affäre.

          Dieser Fall ist frei konstruiert, aber doch nicht auszuschließen. Insofern besteht schon vor dem ersten Amtstag der Ethikkommission der Anschein einer zu großen Nähe zur DFB-Führung. Das hätten die Strategen in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise vermeiden müssen und auch können. Warum sind sie nicht einen Schritt weiter gegangen und haben eine weitgehend unabhängige Institution gebeten, für sie die Auswahl der Ethik-Kommission zu treffen? Das Deutsche Sportschiedsgericht oder die Bundesanwaltskammer wären gute Adressen gewesen. So bleibt der Eindruck zurück, der DFB wolle die Kontrolle behalten - über seine Kontrolleure.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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