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Probleme in Corona-Krise : Der DFB ist ein schwacher Riese

Selbstfindungsprozess: Der DFB und sein Präsident Fritz Keller Bild: dpa

Kleiner hat sich der einst fast allmächtige DFB in seiner langen Geschichte selten gemacht. In der Krise wird sichtbar, dass nicht Präsident Fritz Keller den Ton im deutschen Fußball angibt. Woran liegt das?

          4 Min.

          Einen Tag, nachdem die Bundesliga unter Führung der DFL ihren weltweit beachteten ersten Spieltag in der Corona-Krise hinter sich gebracht hatte, meldete sich auch der Deutsche Fußball-Bund zu Wort. Doch bevor Präsident Fritz Keller seinen 5-Punkte-Plan präsentierte, der die deutsche Fußballwelt verändern soll, und Generalsekretär Friedrich Curtius gleichzeitig händeringend darum bemüht war, wenigstens irgendeinen Ausweg aus dem real existierenden Chaos um die dritte Liga zu skizzieren, ergriff der Medienchef das Wort. Dem DFB war es wichtig, gleich zu Beginn noch eine andere Botschaft loszuwerden. Und die lautete: dass das vielzitierte, hochgelobte „DFL-Konzept“ zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Wahrheit gar kein DFL-Konzept sei – sondern eines von DFB und DFL. Der für das Hygienekonzept zuständige Arzt der Nationalelf, Tim Meyer, sei, so wurde betont, ganz klar ein „DFB-Mann“. Aber immer sei nur vom DFL-Konzept die Rede. Da habe sich „etwas verselbständigt“, klagte der DFB-Medienchef. Das sei nicht in Ordnung.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das war es also, was der DFB in seiner ersten Presserunde während der Corona-Krise als erste Nachricht glaubte der Fußballwelt mitteilen zu müssen: dass die DFL nicht den ganzen Ruhm abbekommt – und der DFB womöglich übersehen wird. Kleiner als in diesem Augenblick hat sich dieser einst fast allmächtige Verband in seiner langen Geschichte nur selten gemacht. Keine Frage: Der DFB ist mit seinen über sieben Millionen Mitgliedern noch immer ein Riese. Aber er ist ein schwacher Riese.

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