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Bierhoff sorgt sich : „Dem Fußball wird nicht mehr blind hinterhergerannt“

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„Volle Stadien sind keine Selbstläufer“: Oliver Bierhoff. Bild: dpa

Oliver Bierhoff redet im Interview in der Sonntagszeitung über spürbare Übersättigung von Fans beim DFB-Team. Zudem übt der Teammanager Kritik – und spricht mit Blick auf die Zukunft des Fußballs eine Warnung aus.

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          Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff sorgt sich um die Zukunft des Fußballs. „Man merkt, dass immer mehr starke Player da sind, und immer mehr ausschließlich nur an die Profitmaximierung denken. Darin besteht ein Risiko, irgendwann knallt es dann mal“, sagt er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (ab 20.00 Uhr am Vortag bereits in der F.A.S.-App und als E-Paper) im Rahmen der Serie „Wohin rollt der Ball?“ über die Zukunft des Fußballs.

          „Ich habe kürzlich mit einem Bankvorstand gesprochen, der sagte, das fühlt sich ein bisschen so an wie das Investmentbanking 2005. Jeder marschiert, schaut, wo geht noch ein bisschen mehr rauszuholen, was können wir machen, um es noch größer und bedeutender zu machen. Eine so eingeschränkte und reduzierte Sicht ist natürlich ein Problem, weil am Ende die Entwicklung und Qualität des Fußballs darunter leidet.“

          Er spüre Anzeichen einer Übersättigung bereits bei der deutschen Nationalmannschaft. „Wir waren von 2005 bis 2014 eigentlich immer ausverkauft bei Heimspielen, jetzt sehen wir, dass volle Stadien keine Selbstläufer sind“, sagt Bierhoff der F.A.S. „Die Merchandising-Erlöse stagnieren oder sinken, nicht nur bei der Nationalmannschaft, sie sind immer noch auf einem hohen Niveau, aber sie gehen zurück. Ich spüre auch, wenn ich mit Sponsoren spreche, da wird nicht mehr blind hinter dem Fußball hergerannt.“ Bierhoff fordert deshalb: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Unterstützung der Fans für selbstverständlich zu halten.“

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          Neue Formate wie die Nations League, die zur Saison 2018 starten soll und bei der die 55 europäischen Mitgliedsverbände gegeneinander antreten sollen, sieht er Bierhoff deshalb kritisch. „So richtig habe ich den Nutzen auch noch nicht verstanden, zumindest nicht aus der Sicht der großen Fußball-Nationen. Man hat am Ende das Gefühl, die Uefa muss nochmal Geld erwirtschaften und macht deshalb den Wettbewerb“, sagt er. Es gehe deshalb künftig auch darum, Glaubwürdigkeit bei den Fans zurückzugewinnen, dem ständigen Gewinnstreben und der damit verbundenen Entwertung der Wettbewerbe entgegen zu treten.

          Bierhoff nimmt diesbezüglich neben den Verbänden auch die nationalen Ligen in die Pflicht: „Die englische, spanische, deutsche oder italienische Liga könnte auch entscheiden, das Feld jeweils auf 16 Mannschaften zu reduzieren. Und jeder einzelne Verein muss überlegen, ob er noch den dritten Sponsorencup spielen muss.“ An diesem Sonntag (18.00 Uhr / Live bei RTL, Sky und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) tritt die deutsche Nationalmannschaft zum WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan an.

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