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Alexandra Popp : Reif für die „riesige Ehre“

Schon erfahren als Stellvertreterin mit der Kapitänsbinde: Alexandra Popp (rechts) ist nun zur Spielführerin bestimmt. Bild: dpa

Alexandra Popp ist die neue Spielführerin des deutschen Fußball-Nationalteams. Vorgängerin Dzsenifer Marozsan reicht die Kapitäns-Binde drei Monate vor der WM aus freien Stücken weiter.

          Erfahrung mit der Binde am Arm hat Alexandra Popp schon reichlich. Im vergangenen halben Jahr führte sie das deutsche Frauenfußball-Nationalteam stets aufs Feld, wenn ein Länderspiel anstand. Dzsenifer Marozsan musste in dieser Zeit stets passen wegen der Nachwirkungen einer Lungenembolie. Interimsbundestrainer Horst Hrubesch übertrug in dieser Zeit Alexandra Popp das Kapitänsamt, der er ohnehin als Sturmführerin vertraute. So ging Popp auch vorneweg, als Deutschland im September in einem „Endspiel“ auf Island die gefährdete WM-Qualifikation mit einem 2:0-Sieg gesichert hatte.

          Nachfolgerin Martina Voss-Tecklenburg veränderte so betrachtet nichts, als sie nun mit der Nominierung des Kaders für das bevorstehende Länderspiel in Frankreich am Donnerstag der kommenden Woche (21.00 Uhr) den Wechsel im Kapitänsamt bestätigt hat. Popp soll die deutschen Fußballfrauen entsprechend auch bei der mit dem Spiel gegen China am 8. Juni beginnenden Weltmeisterschaft in Frankreich aufs Feld führen.

          „Ich freue mich sehr, und es ist eine riesige Ehre, diese Mannschaft als Spielführerin anzuführen. Das ist für mich keine Selbstverständlichkeit, und ich bedanke mich für das Vertrauen“, sagt Popp gemäß einer Pressemitteilung des DFB. „Mir ist auch klar, welch große Verantwortung damit einhergeht, aber der stelle ich mich gerne. Ich werde so, wie ich es immer versucht habe, alles für das Team tun und vorneweggehen.”

          Marozsan verzichtet freiwillig

          Die Entscheidung ist keine Überraschung, da Marozsan nach Genesung bereits angedeutet hatte, nicht am Kapitänsamt zu hängen. Die einzige deutsche Spielerin von Weltklasseformat hatte die Binde am Arm stets als Last empfunden, seit Steffi Jones sie ihr 2016 übertragen hatte. Nun hat sie nach Worten von Martina Voss-Tecklenburg um die Entlassung aus diesem Amt gebeten. Marozsan wird sich nun auf ihre Rolle als Spielgestalterin konzentrieren wollen.

          „Dzseni ist im Trainingslager in Marbella auf mich zugekommen und hat mich über ihre Entscheidung informiert. Unabhängig davon: Dzseni war, ist und bleibt eine wichtige Spielerin. Sie wird ihre Rolle innerhalb des Teams mit der gleichen großen Leidenschaft ausfüllen wie zuvor”, ließ Voss-Tecklenburg mitteilen. „Wir haben uns im Trainerteam dafür entschieden, Alexandra Popp zur neuen Spielführerin zu machen. Sie wird das in enger Zusammenarbeit mit Svenja Huth ausüben. Beide haben ein sehr gutes Standing im Team, sind unterschiedliche Charaktere, aber jede für sich hat in den vergangenen Jahren eine hervorragende Entwicklung genommen. Sie sind echte Führungspersönlichkeiten auf und neben dem Platz, die sich gut ergänzen und vorangehen werden.”

          In Wolfsburg sehr geschätzt

          Nicht nur wegen ihres Alters von nun bald 28 Jahren und der bereits stolzen Zahl von 93 Länderspieleinsätzen ist Popp reif genug für die Spielführerbinde, In Wolfsburg, wo die ausgebildete Tierpflegerin seit acht Jahren für den VfL auf Torejagd geht, gilt sie seit jeher als Führungsspielerin. Dort hatte sie lange mit der Nationalmannschafts-Assistentin Britta Carlson zusammengearbeitet. Zudem kennt Popp aus jungen Jahren in Duisburg Martina Voss-Tecklenburg als Trainerin.

          Im Nationalteam war sie zudem in den vergangenen Jahren bereits eine der Wortführerinnen, in ihrer Entwicklung zur Führungsspielerin wurde sie allerdings immer mal wieder von Verletzungen gebremst. So verpasste sie auch die Europameisterschaft 2017, bei der der deutsche Frauenfußball den Tiefpunkt mit dem Ausscheiden nach einer 1:2-Niederlage gegen Dänemark im Viertelfinale erreicht hatte.

          Als sie dann im folgenden Spätherbst vor dem 2:3-Debakel gegen Island in der WM-Qualifikation ins Nationalteam zurückkehrte, war Steffi Jones bereits auf der Abschussliste. Auch Popp konnte die Bundestrainerin nicht mehr retten, obgleich sie bereit dazu war, Verantwortung im Team zu übernehmen. „Ich sehe mich in der Pflicht, als Führungsspielerin so aufzutreten“, sagte sie damals gegenüber FAZ.NET. „Bei der EM hat vielleicht diese letzte Entschlossenheit gefehlt. Aber es wäre jetzt echt billig, zu denken, dass ich gefehlt hätte und genau das eingebracht hätte. Ich habe in den vergangenen Jahren auch nicht gerade viele Tore erzielt.“

          Spielplan, Ergebnisse, Termine der Frauenfußball-WM 2019

          Die einst bei der U-20-WM 2010 in Deutschland auf dem Weg zum Titelgewinn als treffsichere Mittelstürmerin mit zehn Toren in den damals sechs Turnierspielen auf dem internationalen Parkett wie eine Rakete aufgetauchte Offensivspielerin ist aber tatsächlich nicht mehr allein auf ihre Tore zu reduzieren wie in früheren Jahren, als sie vor allem im Klub die Frau für die entscheidenden Momente war. In Wolfsburg muss sie in vorderster Front der Dänin Pernille Harder, der derzeit wohl weltbesten Spielerin ohnehin wegen deren Qualitäten den Vortritt lassen. Popp entwickelte sich in den vergangenen Jahren derweil immer mehr zur Allrounderin weiter, die sehr solide im zentralen defensiven Mittelfeld ihre Frau stehen kann und im Notfall auch einmal wie im Champions-League-Finale von 2014 als Linksverteidigerin aufs Feld geht.

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