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Bundestrainer bleibt : Weiter so – mit Löw

Seit 14 Jahren Bundestrainer: Joachim Löw coacht das deutsche Team auch bei der EM 2021 Bild: dpa

Der DFB hält auch nach dem Debakel in Spanien am Bundestrainer fest. Er werde nun alle nötigen Maßnahmen ergreifen, „um mit der Mannschaft eine begeisternde EM 2021 zu spielen“.

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          Knapp zwei Wochen nach einem 0:6-Debakel gegen Spanien hat das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) seinem Bundestrainer Joachim Löw das Vertrauen ausgesprochen. Ursprünglich hatte der Verband geplant, eine Entscheidung über den seit Sommer 2004 im Amt befindlichen Bundestrainer erst am kommenden Freitag im DFB-Präsidium zu fällen, vor dem DFB-Direktor Oliver Bierhoff auch im Namen des Bundestrainers eine Analyse der sportlichen Entwicklung mit Blick auf die Europameisterschaft 2001 sowie die Weltmeisterschaft 2022 hatte vorlegen sollen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Doch stattdessen fanden schon an diesem Montag, angeblich wegen des große öffentlichen Drucks, verschiedene Besprechungen mit unterschiedlichen Teilnehmern statt. Auch in Anwesenheit von Joachim Löw, der „die Beteiligten über seine Einschätzungen, Vorstellungen und die weiteren Planungen informiert“ hat, wie es später in einer Erklärung des DFB hieß.

          Die Konsequenz aus der Vorstellung des Bundestrainers im Haus des DFB fiel dann ganz im Sinne von Joachim Löw aus. „Die Mitglieder des Präsidialausschusses stellten übereinstimmend fest, dass die hochqualitative Arbeit des Trainerstabes, das intakte Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer sowie ein klares Konzept für das bisherige und weitere Vorgehen zählen“, teilte der DFB in einer Erklärung mit. In einer anschließenden Telefonkonferenz nahm das DFB-Präsidium eine entsprechenden Empfehlung des Präsidialausschusses und von Bierhoff als Direktor für Nationalmannschaften und Akademie an. Rein formell liest sich die Sache am Montag so: Das DFB-Präsidium hält daran fest, „den seit März 2019 eingeschlagenen Weg der Erneuerung der Nationalmannschaft mit Bundestrainer Joachim Löw uneingeschränkt fortzusetzen“.

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          Der Bundestrainer darf nun wie schon nach dem WM-Debakel in Russland, als Deutschland zum ersten Mal in seiner langen Geschichte in der Vorrunde ausgeschieden war, weitermachen. Auch im Sommer 2018 hatte Löw ein Konzept und eine Analyse vorlegen müssen, damals auch vor der Öffentlichkeit. Am Montag gab der Bundestrainer keine Erklärung in eigener Sache ab. Er verließ die DFB-Zentrale, nach dem offiziellen „Weiter so“, durch einen Nebeneingang.

          Am Vormittag hatten sich zunächst die Mitglieder des Präsidialausschusses mit Löw und Bierhoff getroffen. Bierhoff hatte dem Bundestrainer schon unmittelbar nach der 0:6-Niederlage in Sevilla sein Vertrauen ausgesprochen. An der Unterredung nahmen für den Präsidialausschuss Fritz Keller als DFB-Präsident teil, zudem die Vizepräsident Rainer Koch und Peter Peters sowie Schatzmeister Stephan Osnabrügge. Generalsekretär Friedrich Curtius, seit Wochen krankgeschrieben, nahm an dem Treffen nicht teil.

          Das Duo bleibt zusammen: Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Direktor Oliver Bierhoff (rechts)
          Das Duo bleibt zusammen: Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Direktor Oliver Bierhoff (rechts) : Bild: sampics / Stefan Matzke

          In der Verlautbarung des DFB hieß es nach der Entscheidung, den dienstältesten Nationaltrainer der Welt weiter im Amt zu belassen, dass es dem Bundestrainer „wichtig“ gewesen sei, „in einem offenen, konstruktiven und intensiven Austausch die aktuelle Lage, die Niederlage gegen Spanien und die bevorstehenden Monate bis zur Europameisterschaft zu erörtern“. Dabei habe Löw die Beteiligten über seine Einschätzungen, Vorstellungen und weiteren Planungen informiert. „Ein einzelnes Spiel kann und darf nicht Gradmesser für die grundsätzliche Leistung der Nationalmannschaft und des Bundestrainers sein“, erklärte der DFB.

          Das DFB-Präsidium hat sich vom Bundestrainer davon überzeugen lassen, dass auf dem Weg zur EM 2021 bereits wichtige sportliche Ziele erreicht worden seien, „darunter die EM-Qualifikation, der Verbleib in Liga A der Nations League und die Positionierung im ersten Lostopf bei der WM-Qualifikation“, hieß es in der Erklärung. Aufgrund dieser Ergebnisse habe „Joachim Löw weiterhin das Vertrauen des DFB-Präsidiums“. Es besteht demnach beim Verband die feste Überzeugung, dass Löw und sein Trainerteam trotz einer für alle herausfordernden Situation „erfolgreiche Spiele und Ergebnisse liefern werden“. Der Bundestrainer werde, so der DFB, alle nötigen Maßnahmen ergreifen, „um mit der Mannschaft eine begeisternde EM 2021 zu spielen“. Zustimmung unter den Fußballfunktionären hat der Bundestrainer auch mit seiner Einschätzung erhalten, wonach die auf die EM im Sommer 2021 folgenden Turniere – die WM 2022 in Qatar sowie die EM 2024 in Deutschland – „als Perspektiven und sportliche Ziele bereits zum jetzigen Zeitpunkt in den weiteren sportlichen und personellen Überlegungen eine Rolle spielen müssen“.

          Das 0:6-Debakel in Sevilla, das die DFB-Spitze dazu bewogen hatte, ein Analyse und ein Konzept von Löw einzufordern, sei in der nachfolgenden Telefonkonferenz des DFB-Präsidiums ebenfalls diskutiert worden. Zur ursprünglich auf den 4. Dezember terminierten Aufarbeitung würden nicht nur „die Erfahrungen“ aus dem 0:6 gehören, sondern auch „die Gesamtentwicklung der Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren“. Der Fahrplan des DFB-Präsidiums sah vor, „dem Bundestrainer die zeitliche und emotionale Distanz zu geben, die aktuelle Situation grundlegend aufzuarbeiten“. Auch aus persönlichen Gründen, „um die eigene große Enttäuschung zu verarbeiten“. Das Debakel in Spanien bewertete das DFB-Präsidium knapp zwei Wochen später nun als längst nicht mehr so gravierend. „Für alle – die Spieler, den Bundestrainer, den DFB, die Fans und die fußballinteressierte Öffentlichkeit – war das 0:6 gegen Spanien eine Enttäuschung“, heißt es nun beim DFB.

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