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WM-Qualifikation der WM-Frauen : Die Zeit der Experimente ist endlich vorbei

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„Der Konkurrenzkampf ist eröffnet“: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg Bild: Imago

Die DFB-Frauen und Bundestrainerin Voss-Tecklenburg bereiten sich allmählich auf die Europameisterschaft vor. Auch ein Filmteam ist dabei – und es soll nicht nur um Fußball gehen.

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          Das Wörtchen „endlich“ sagte sie zwar nicht, aber man durfte es sich hinzudenken. „Etwas Großes steht an am Saisonende“, hob Monika Voss-Tecklenburg hervor. Und man merkte ihr deutlich an, wie viel frisches berufliches Vergnügen ihr diese Perspektive bereitet. Nach zwei turnierlosen Sommern sind die Europameisterschaften 2022 in England kein Fernziel mehr, sondern geraten in Sichtweite. Und die Themen bei der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft sollen sich verschieben. Weg von experimenteller Rotation und möglichst viel Spielzeit für alle, weg vom Schwerpunkt Belastungssteuerung für im Klub vielbeschäftigte Akteurinnen.

          Hin zu einer Auslese, welche einen Stammkader gebiert, der in England die mageren Jahre der deutschen Mannschaft beenden kann. „Der Konkurrenzkampf“, so Voss-Tecklenburg, „ist eröffnet.“ Sie halte zwar „vom Begriff erste Elf nicht viel, weil wir in einem Turnier mehr als elf Spielerinnen benötigen“, aber einen Block aus sieben bis acht gesetzten Stammkräften strebe sie schon an.

          Vor dem Turnier in England, dem Land, in dem der Frauenfußball aktuell die rasanteste Entwicklung nimmt, hat der Spielplan der DFB-Auswahl aber die Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaften 2023 in Australien und Neuseeland gesetzt. Den Auftakt dafür bilden zwei Heimspiele, welche der Bundestrainerin mehr Erkenntnisse liefern dürften als den Zuschauern sportlichen Reiz. Denn die international zweitklassigen Gegner Bulgarien an diesem Samstag (16.05 Uhr, live in der ARD) in Cottbus und Serbien am Dienstag (16 Uhr) in Chemnitz werden aller Voraussicht nach mit einer destruktiven Defensivtaktik auf reine Schadensbegrenzung aus sein. Voss-Tecklenburg hat die beiden Partien schon in den Rang von Pflichtsiegen gehoben.

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          Was aber nicht heißen soll, dass das „Wie“ aus dem Blickpunkt gerät. „Hartnäckig, präzise und mit viel Tempo zu spielen, liegt in unserem Fokus. Da hatten wir zuletzt Defizite“, sagt die Bundestrainerin. Die WM-Qualifikation will sie angesichts der weiteren Gruppengegner Portugal, Israel und Türkei „eindeutig gestalten“. Aufschlussreichere Prüfungen mit Blick auf die EM soll im Februar ein Turnier mit drei weiteren Topgegnern liefern. Entgegen wird der 53-jährigen Voss-Tecklenburg kommen, dass neben den Wolfsburger und Münchner Nationalspielerinnen nun auch die Hoffenheimerinnen auf Vereinsebene internationale Erfahrungen sammeln können in der reformierten Champions League. Alle drei deutschen Klubs haben die Gruppenphase erreicht.

          Doku über Doppelbelastung

          Etwas Sorgen bereitet der langfristige Ausfall von Kapitänin Alexandra Popp, der den Blick darauf lenkt, dass neben der Wolfsburger Angreiferin sich im Sturmzentrum keine weiteren Spielerinnen von Topformat aufdrängen. Am ehesten Lea Schüller, die in der Bundesliga für den FC Bayern verlässlich trifft, aber gegen starke Gegner auch Grenzen aufgezeigt bekommt. Die Frankfurterin Laura Freigang hat zuletzt eine steile Entwicklung genommen, steht aber erst bei sieben Länderspielen. Frankreich-Legionärin Lena Petermann ist nach längerer Ausfallzeit wieder zum Team gestoßen. Das gilt auch für die immer noch technisch beste deutsche Spielerin Dzsenifer Marozsan. Die 29-Jährige vom mehrmaligen Champions-League-Sieger Olympique Lyon hatte die letzten Lehrgänge verpasst, weil sie sich noch bis Jahresende in einem Auslandssemester beim Lyoner Partnerklub OL Reign in der amerikanischen Profiliga befindet.

          Auch Maroszan wird die neuen Gesichter im DFB-Tross registriert haben. Schon seit April begleitet ein Filmteam die deutsche Mannschaft. Produziert werden soll eine sechsteilige Doku-Serie, welche nicht nur das Leben der Protagonistinnen als Fußballspielerinnen in Szene setzen will, sondern auch darstellen will, wie Spielerinnen mit der Doppelbelastung mit Studium, Schule, Beruf oder Muttersein (Torhüterin Almuth Schult) umgehen. „Wir freuen uns über das tolle Projekt und können damit zeigen, wer wir sind“, sagt Martina Voss-Tecklenburg.

          Weil bei den letztlich gezeigten Bildern aber Spielerinnen und Verband das letzte Wort haben werden, bleibt abzuwarten, wo sich die Doku einsortieren wird. Ob authentische Innenansichten zu sehen sein werden oder ob es ein weiterer Fußball-Film wird, der vorrangig weichgespülten Marketinganforderungen genügt. Den Frauenfußball über die Szene hinaus sichtbarer zu machen und besser zu vermarkten, bleibt jedenfalls ein großes Thema. „Wir haben nichts zu verschweigen. Wir wollen zeigen, dass wir cool sind“, sagt die Bundestrainerin. Eine erfolgreiche EM mit lange nicht mehr erlebten Jubelbildern dürfte ebenfalls zum Gelingen des Filmprojekts beitragen.

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