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Neue Bundestrainerin : Eine Frau will das „i-Tüpfelchen“

Bei ihrer Vorstellung gut gelaunt: die neue Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg Bild: EPA

Sie ist kein DFB-Zögling und gilt als höchst unabhängig. Die neue Frauenfußball-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg startet mit guten Voraussetzungen – und einem großen Ziel.

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          Da saß Martina Voss-Tecklenburg nun, eingerahmt von vier Herren des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) und am Morgen frisch frisiert für einen besonderen Anlass, wie sie betonte, und sagte: „Jetzt können wir loslegen.“ Mehr als ein halbes Jahr hatte der DFB auf seine im April verpflichtete neue Trainerin des deutschen Frauenfußball-Nationalteams warten müssen, ehe am Freitag die offizielle Vorstellung den Beginn einer neuen Ära einläuten sollte. Voss-Tecklenburg musste erst noch die letztlich erfolglose WM-Qualifikation mit der Schweiz abschließen, bis sie die Verantwortung für die deutsche Auswahl zu übernehmen bereit war.

          „Wir haben ganz bewusst auf sie gewartet, weil wir vom ersten Gespräch an voll überzeugt waren“, sagte Panagiotis Chatzialexiou, der als Koordinator für die Nationalmannschaften maßgeblich an der Auswahl der Bundestrainerin beteiligt war. Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel wie Oliver Bierhoff als für die Nationalteams zuständiger DFB-Direktor trugen ihre pflichtschuldigen Worte zum „neuen Elan“ oder der so wünschenswerten Laufbahn von Voss-Tecklenburg mit der Erfahrung aus 125 Spielen als Nationalspielerin, vielen Jahren als Trainerin im Verband und in der Bundesliga und zuletzt sechs Jahren als Nationaltrainerin der Schweiz vor, ehe dann nach fast einer halben Stunde auch die seit dem 15. November beim DFB unter Vertrag stehende Bundestrainerin das Wort erteilt bekam.

          Kein DFB-Zögling

          Voss-Tecklenburg, bis zum Abschluss der Europameisterschaft 2021 an den DFB vertraglich gebunden, zeigte sich dabei dem Anlass gemäß höflich und verwies auf grundsätzlich gute Strukturen wie Trainerinnen im Nachwuchsbereich. Ihre Andeutungen bezüglich einer „Hinterfragung und Optimierung“ dürften aber vermutlich mehr den Geist offenlegen, mit dem die temperamentvolle und ehrgeizige Trainerin ihre Aufgabe angehen wird. Sie wird den deutschen Frauenfußball, der in den so erfolgreichen Jahrzehnten zu einem von früheren Nationalmannschaftskolleginnen entwickelten geschlossenen System wurde, von Grund auf umkrempeln wollen, statt sich in einer Tradition zu sehen, wie es Hannelore Ratzeburg, die am Freitag nicht bei der Vorstellung weilende einzige Frau im DFB-Präsidium, in einem etwas irritierenden Statement zur Verpflichtung nahelegte: „Das entspricht unserer Philosophie, unsere Spielerinnen nach ihrer aktiven Karriere weiter im Frauenfußball einzubinden.“

          Voss-Tecklenburg neben DFB-Präsident Grindel

          Voss-Tecklenburg entspricht gerade nicht einer solchen Kontinuität nach zuvor drei Trainerinnen, die aus dem DFB-System heraus zur Bundestrainerin wurden. Die 50 Jahre alte gebürtige Duisburgerin war vielmehr zum Abschluss ihrer bemerkenswerten Länderspielkarriere kurz vor der WM 2003 in Ungnade gefallen. Auch deshalb musste sie ihren eigenen Weg gehen, dem sie nach Jahren beim Fußballverband Niederrhein, zwei Pokalsiegen und einem Europapokal-Triumph mit dem FCR Duisburg sowie der erfolgreichen Zeit beim Schweizer Verband nun einen Erfahrungsschatz zu verdanken hat, den beinahe niemand sonst im Frauenfußball vorweisen kann.

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