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Nationalspielerin Nüsken : Unorthodox wie Thomas Müller

  • -Aktualisiert am

Einst ein Tennis-Ass, nun eine Fußball-Nationalspielerin: Sjoeke Nüsken (r.) Bild: dpa

Rotschopf mit besonderem Werdegang: Sjoeke Nüsken ist bei der Eintracht aufgrund einer Verletzung noch nicht recht angekommen. In der Nationalelf steht sie in der Startelf – und überzeugt sofort.

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          Kurz und impulsiv fiel ihr Jubel aus. Die Gratulationen der Kolleginnen nahm sie dann schon westfälisch gelassen an. Und doch wird Sjoeke Nüsken wohl ein (Fußballerinnen-)Leben lang an diesen Moment zurückdenken. Nach dem Motto: Weißt du noch, mein erstes Länderspieltor damals im April 2021 in der Wiesbadener Arena, als Corona diese sterile Stadionatmosphäre schuf.

          Das Match der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Australien am Samstag bedeutete den vorläufigen Höhepunkt der aufstrebenden Karriere von Sjoeke Nüsken. Zweites Länderspiel, erster Einsatz über 90 Minuten, zumal in zentraler Position im defensiven Mittelfeld, erstes Tor. Es war sogar der Treffer zum 1:0 beim 5:2-Erfolg der DFB-Auswahl. Bei einem Angriff über die rechte Seite spurtete Sjoeke Nüsken mit vor. Und als ein Abpraller vor ihren Füßen landete, schoss sie den Ball geistesgegenwärtig flach ins Netz. „Es war ein super Spiel, das echt Spaß gemacht hat“, sagte die 20-Jährige von der Frankfurter Eintracht.

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          Unverhofft stand sie in der Startelf von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Denn ein positives Coronavirus-Testergebnis der Spielerin Felicitas Rauch am Spieltag hatte die Abläufe und die Startaufstellung gehörig durcheinandergewirbelt. Neben den symptomfrei infizierten Spielerinnen mussten sich drei weitere Akteurinnen des Kaders, die als Kontaktpersonen eingestuft wurden, ebenfalls in Quarantäne begeben. Sjoeke Nüsken, die sich Hoffnungen auf einen Kurzeinsatz machte, fand sich kurz vor dem Anpfiff plötzlich in der Startformation wieder. Und nach elf Spielminuten auch verewigt in der Liste der Torschützinnen für Deutschland.

          Rotschopf mit besonderem Werdegang

          „Ich war ziemlich nervös. Als wir dann aber gleich so eine Spielfreude entwickelt haben, hab ich gar nicht mehr gemerkt, dass ich in der Startelf stehe“, erzählte Sjoeke Nüsken, die auch verletzungsbedingt bei der Eintracht in der Bundesliga noch keine dominante Rolle eingenommen hat. Beim DFB hält man aber große Stücke auf den Rotschopf mit dem besonderen Werdegang. Die aus Hamm stammende Athletin gehörte einst zu den größten deutschen Tennistalenten, ehe sie sich für den Teamsport Fußball entschied und mit Ausnahmegenehmigung noch bis zur A-Jugend mit den Jungs von Westfalia Rhynern kickte.

          Im Sommer 2019 heuerte sie beim damaligen 1. FFC Frankfurt an, musste aber zunächst lange einen kurz zuvor erlittenen Wadenbeinbruch kurieren. Die Bundestrainerin, die Sjoeke Nüsken noch zu ihrer Zeit in Rhynern einmal zu einem Lehrgang zur A-Nationalmannschaft einlud, rechnet ihr hoch an, welche Entwicklung sie seither genommen hat. „Sie ist nach ihrer Verletzungsphase als Persönlichkeit und Spielerin gereift“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. Im Spiel gegen Australien habe sie es „sehr, sehr gut gemacht“.

          Die Eintracht-Spielerin ist schon mal mit Thomas Müller verglichen worden, weil sie in ihrem Spiel auch mitunter ungewöhnliche Wege geht und unorthodox agiert. Gegen Australien hatte sie viele Ballkontakte, einige gute Balleroberungen, aber auch den ein oder anderen Ballverlust. Die Schuld am australischen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:4 teilte sich Sjoeke Nüsken mit Freundin und Eintracht-Teamkollegin Sophia Kleinherne.

          Nach der Einwechslung von Innenverteidigerin Kleinherne in der 73. Minute standen bis zum Schlusspfiff gleich vier Frankfurterinnen auf dem Platz. So etwas hat es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben. Und dass es ein Wiesbadener Länderspiel mit Frankfurter Prägung wurde, lag daran, dass neben Sjoeke Nüsken auch die zur Pause eingewechselte Laura Freigang (64. Minute) einen Treffer beisteuerte. Die SGE-Torjägerin kommt nun in der DFB-Elf auf die formidable Quote von sechs Toren in fünf Länderspielen.

          Merle Frohms’ Status als deutsche Nummer eins im Tor ist am Samstag nicht erodiert. Die 26-jährige Eintracht-Torhüterin zeigte sich umsichtig wie lautstark, löste eine knifflige Aufgabe weit außerhalb des Strafraums stark und war bei beiden Gegentreffern chancenlos.

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