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Nationalmannschaft : Erst als Weltmeister legt Mustafi richtig los

Verteidiger mit Torjäger-Qualitäten: Mustafi (l.) trifft für den FC Valencia Bild: dpa

Ein Aufstieg, der nicht enden will: Shkodran Mustafi hat den FC Valencia auch mit seinen Treffern auf Platz drei geführt. Vor dem Spiel gegen Australien (20.30 Uhr) ist der Verteidiger mittlerweile ein Mann für die Dreierkette im DFB-Team.

          „Gut siehst du aus!“ Die Begrüßung durch Teammanager Oliver Bierhoff fiel ausgesprochen freundlich aus für Shkodran Mustafi. Und nicht selbstverständlich für einen Weltmeister des vergangenen Sommers. Von denen machen einige schließlich auch ein Dreivierteljahr nach dem Turnier noch einen ziemlich ramponierten Eindruck. Mustafi nicht. Der Verteidiger ist am Montag voller Tatendrang und mit allerbesten Referenzen von seinem neuen Arbeitgeber, dem FC Valencia, zum Treffpunkt der Fußball-Nationalmannschaft in Frankfurt angereist.

          Alle Welt mag über den spanischen Clásico vom Sonntagabend reden und seinen Auswirkungen auf den Zweikampf zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Doch dass hinter diesen beiden Global Playern Valencia den dritten Rang erobert hat, ist eigentlich sogar die größere Geschichte in der Primera División – und sie hat eben auch eine Menge mit Mustafi zu tun.

          Den Weg zum Titel frei gemacht

          „Es greift ein Rad ins andere“, sagte der 22 Jahre alte Nationalspieler am Montag, sichtlich zufrieden, über seine Karriereschritte seit dem Sommer. Der Wechsel nach Valencia schien auf den ersten Blick nicht das ganz große Los zu bedeuten für den Verteidiger, schließlich hatte der Klub in der vergangenen Saison nur den achten Platz belegt - nicht einmal Europa League. Aber auch der letzte Eindruck von Mustafi bei der WM war ja nicht der allerglücklichste gewesen. Die These, erst seine Verletzung im Achtelfinale gegen Algerien habe den Weg frei gemacht für personelle Umstellungen und damit auch den Weg zum Titel, wird sich so leicht nicht aus der Fußball-Geschichtsschreibung tilgen lassen.

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          Doch alles, was Mustafi sich vorgenommen hatte, ging auf. Die Verletzung, ein Muskelbündelriss, habe sich dafür gewissermaßen als „Glück im Unglück“ erwiesen. Weil er so die Zeit bekam, sich systematisch und gut dosiert auf die neue Herausforderung vorzubereiten. Am fünften Spieltag spielte er das erste Mal in der Liga, und mit nur einer Ausnahme (wegen Gelb-Sperre) stand er auch danach stets in der Startelf. Wie beim 4:0 in Elche am Freitag. Oder vor drei Wochen, im Verfolgerduell bei Atlético Madrid, als er beim 1:1 im Vicente Calderón den Ausgleich erzielte. Mustafis viertes Saisontor erhob ihn zugleich in den Rang des torgefährlichsten Verteidigers der Liga.

          Bei seiner Stippvisite in Frankfurt präsentierte sich Mustafi als heimatverbundener Weltenbummler. Wobei man meinen könnte, dass Heimat eine schwierige Kategorie sein müsste für einen, der als Sohn albanischer Eltern zwar in Bad Hersfeld geboren und in Bebra aufgewachsen ist, die letzten sechs Jahre aber in drei verschiedenen europäischen Ländern und Ligen verbracht hat. Er freue sich jedenfalls über den Besuch bei der Familie, sagte Mustafi, vermittelte ansonsten aber den Eindruck, als genieße er das Leben in der Fremde mehr als manch anderer.

          Die Lust aufs Neue reduziert sich bei ihm offenkundig nicht auf ein andersfarbiges Trikot oder den besseren Vertrag: Mustafi berichtete am Montag recht lebendig von seiner Neugier auf die spanische Kultur und Geschichte sowie den frischen Erlebnissen bei den „Falles“, dem valencianischen Frühlingsfest mit jahrhundertealter Tradition. „Was man da alles sieht, ist unglaublich“, sagte Mustafi. Er wolle aber eben auch wissen, was dahintersteckt.

          Doch selbst wenn sich in dieser Woche vieles um Integration dreht im deutschen Fußball und Mustafi daher auch in dieser Hinsicht als Musterprofi ins Schaufenster gestellt wurde - seine vordringliche Rolle ist natürlich eine andere. Das Testspiel am Mittwoch gegen Australien in Kaiserslautern (20.30 Uhr / Live im ZDF und im Länderspielticker auf FAZ.NET) sei eine gute Gelegenheit, „das eine oder andere auszuprobieren“, sagte Bierhoff am Montag. Und das betrifft nicht zuletzt Mustafis Revier, die Abwehr. Die Verfestigung einer Dreierkette im taktischen Repertoire steht hoch auf Joachim Löws Agenda; schließlich gilt sie als mögliches Mittel, mehr Offensivkraft gegen sehr defensiv eingestellte Gegner zu entwickeln.

          Bierhoff steuerte zu diesem Thema eine launige Anekdote aus dem Jahr 1996 bei: als er mit Udine bei Juventus Turin angetreten sei und sein Trainer nach einer Roten Karte nach nur drei Minuten auf ein 3-4-2-System umgestellt habe - mit dem Resultat eines 3:0-Sieges in Unterzahl. Da trifft es sich, dass in deutlich jüngerer Vergangenheit auch Mustafi schon (italienische) Erfahrungen mit dieser Formation gesammelt hat, bei seiner vorigen Station in Genua. Und auch wenn er sich diesbezüglich diplomatisch äußerte und darauf verwies, dass „jedes System Vor- und Nachteile hat“, vorstellen kann man sich auf jeden Fall, dass Mustafi trotz starker Konkurrenz eine Rolle in Löws Überlegungen spielt. Einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert. Und das hätte sicher nicht jeder so gesehen am Abend jenes glücklichen - und für Mustafi so unglücklichen - 2:1 gegen Algerien.

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