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DFB-Elf vor EM-Qualifikation : Marco Reus will nachlegen

Wegweisend? Marco Reus will auch Kai Havertz nach Dortmund lotsen. Bild: dpa

Marco Reus lobt, dass die Stimmung im deutschen Nationalteam und das Auftreten auf dem Platz besser geworden sind. Die Entwicklung soll aber weitergehen.

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          Marco Reus kam dieser Ausflug zur Nationalmannschaft vermutlich ganz gelegen. Die Stimmung sei schließlich ganz ausgezeichnet, jeder freue sich auf diesen großen Klassiker gegen die Niederlande – aber die Stimmung innerhalb einer Mannschaft und in ihrem Umfeld sei eben immer vom Erfolg abhängig. Den hatte das Nationalteam schließlich zuletzt wieder, die Verjüngung hat für frischen Wind und „frisches Blut“ gesorgt.

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          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Für Reus bedeutet das, er muss nicht mehr alleine die Dortmunder Fahne innerhalb der Nationalmannschaft hochhalten, mit den Zugängen Nico Schulz und Julian Brandt hat er Verstärkung bekommen. Für ein paar Sticheleien mit den Spielern der Titelkonkurrenten aus München und Leipzig aber ist gerade nicht die rechte Zeit. „Sprüche müssen wir uns da wegen letztem Samstag eher verkneifen“, sagt Reus, der für seine launige Bemerkung, dass er nun auch noch Kai Havertz zum BVB lotsen werde, von seinem Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc zurückgepfiffen wurde. „Alle Beteiligten tun gut daran, sich auf die gerade laufende Saison zu konzentrieren“, mahnte er im „Kicker“.

          Vermutlich ist die generelle Stimmung rund ums Nationalteam gerade etwas entspannter als in Dortmund nach der überraschenden Niederlage bei Aufsteiger Union Berlin. Um sie zu erhalten oder gar noch zu verbessern, wäre ein Erfolg über die Niederlande am Freitag in Hamburg natürlich der sicherste Weg, aber eben auch keine leichte Aufgabe. Der kurze Schreckmoment am Mittwochnachmittag, als der komplette DFB-Tross wegen eines Fehlalarms für zehn Minuten das Teamhotel verlassen musste, dürfte im Zweifelsfall als Alibi allerdings nicht reichen.

          „Stetig verbessern“

          Die Erinnerung an den Erfolg im Hinspiel ist noch frisch, allerdings halten sich positive und negative Aspekte die Waage. Nach der 2:0-Führung war der 3:2-Sieg durchaus glücklich. Reus hatte seinen Teil dazu beigetragen. Wegen muskulärer Probleme zunächst geschont, leistete er nach seiner späten Einwechslung mit seinem Pass auf den damaligen Hoffenheimer und mittlerweile Dortmunder Kollegen und Torschützen Schulz die Vorarbeit. Solche positiven Erlebnisse können Entwicklungen zwar beschleunigen, aber Reus warnt davor, einen etwaigen weiteren Erfolg über die Niederlande zu überschätzen.

          „Wir müssen das, was wir begonnen haben, weiterführen und uns stetig verbessern. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen, und es werden auch wieder ein paar Tiefs dazwischenkommen“, sagt der Dortmunder Kapitän, dessen Rolle beim BVB sich in seinen Augen nicht allzu sehr gegenüber dem Nationalteam unterscheidet. „Es geht darum, jungen Spielern weiterzuhelfen, wenn sie Fragen haben, sie zu führen. Da sind erfahrene Spieler immer wichtig, auch wenn der Umgang bei der Nationalmannschaft immer 1a war.“

          Doch die Verjüngung hat nicht nur die Stimmung etwas aufgefrischt, auch auf dem Spielfeld scheint sich zuletzt das Erscheinungsbild verändert zu haben. „Wir haben jetzt Spieler dabei, die manche Situationen vielleicht etwas anders lösen und die manche Dinge etwas unbekümmerter angehen“, sagt Reus. Vor allem in puncto Geschwindigkeit, dem größten Manko bei der missratenen WM, hat sich einiges getan. Das deutsche Spiel ist schneller geworden, was dringend notwendig war, auch wenn mit Leroy Sané eine der „Raketen“ nun monatelang mit einem Kreuzbandriss ausfällt. Als leidgeprüfter Profi, der sowohl die WM 2014 als auch die EM 2016 verpasste, kann Reus mit dem Kollegen von Manchester City gut mitfühlen. „Ich hatte eine fast identische Verletzung.“

          Dortmunder Doppelpass im Nationalteam: Reus mit Teamkollege Julian Brandt.

          Aber er kam immer wieder zurück, und deshalb habe die EM 2020 einen besonderen Stellenwert für Reus. „Es ist immer ein Privileg, dort dabei zu sein“, sagt er – und mit dann 31 Jahren ohnehin: „So viele Turniere kommen dann ja nicht mehr“, sagt er. Bis es so weit wäre, müssen noch ein paar Entwicklungsschritte folgen und ein paar Aufgaben gelöst werden – die nächste verkörpert Virgil van Dijk exemplarisch. Der niederländische Abwehrchef ist zur absoluten Weltklasse aufgestiegen, und der Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“ und der Auszeichnung zum besten Akteur der vergangenen Champions League könnte nun auch noch die Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ folgen.

          „Von ihm kann man sich viel abschauen“, sagt Niklas Süle, mittlerweile zum deutschen Abwehrchef aufgestiegen. Den Offensiv-Kopfball des Kollegen konnte er zuletzt aus nächster Nähe beobachten, denn Süle war bei Standardsituationen als Gegner des niederländischen Hünen eingeteilt. Obwohl selbst 1,95 Meter groß, staunte er über dessen körperliche Präsenz. Die ist auch verbal vorhanden – vor allem da will Süle nachlegen. „Meine Kommunikation neben dem Platz ist gut. Auf dem Platz fehlt mir noch was, um ein richtiger Abwehrchef zu werden.“ Für die Stimmung ist beides wichtig.

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