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Krise der DFB-Elf : Weltmeister des Aussitzens

Trotz des sportlichen Misserfolgs ist Joachim Löw weiter Bundestrainer. Bild: Picture-Alliance

Erst das WM-Debakel, dann der Abstieg in der Nations League: Doch beim DFB ist die Mission Postenverteidigung erfolgreich. Wie ist das nur möglich? Fünf Fragen und Antworten zur Lage der Fußballnation.

          7 Min.

          An diesem Montag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und in der ARD) trifft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im letzten Länderspiel des verkorksten Jahres 2018 auf die Niederlande. Michael Horeni beantwortet zuvor die fünf wichtigsten Fragen.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wie fest sitzen Bundestrainer Löw, Manager Bierhoff und Präsident Grindel im Sattel, nachdem die Nationalelf fünf Monate nach dem Vorrunden-Aus bei der WM nun auch noch vorzeitig in die B-Gruppe der Nations League abgestiegen ist?

          Fest, überraschend fest. Wenn unmittelbar nach der WM allen klargewesen wäre, dass in der Nations League gleich der nächste Absturz als abgeschlagener Tabellenletzter mit fünf Punkten Rückstand schon einen Spieltag vor Schluss bevorsteht, wäre das wohl das endgültige K.-o.-Kriterium gewesen. Schon im Spätsommer hatte in Umfragen ohnehin eine große Mehrheit der Fans, die je nach Zeitpunkt und Fragestellung zwischen 75 und 90 Prozent lag, dem Bundestrainer und dem DFB einen erfolgreichen Neuanfang nicht zugetraut. Nun aber ist nach dem Abstieg rein gar nichts von Konsequenzen zu hören. Zumindest der Plan der DFB-Führung in eigener Sache geht trotz des fortgesetzten Scheiterns auf: die Krise aussitzen. Der Fußball-Weltmeister als Weltmeister des Aussitzens – zumindest auf diese Auszeichnung hätte der deutsche Fußball in seinem schwarzen Jahr gut und gerne verzichten können.

          Nations League

          Warum konnte der Plan gelingen – und der Bundestrainer es schaffen, trotz des Abstiegs aus der Nations League seine Position zu stabilisieren? Zum einen, weil die DFB-Führung weder im Sommer noch heute ein Interesse an einer vorzeitigen Ablösung eines Trainers hat, mit dem sie den Vertrag noch kurz vor der WM bis 2022 verlängert hatte. Zum anderen ist es Löw und dem DFB in den vergangenen Wochen, als der Abstieg immer wahrscheinlicher wurde, mit einer Sprachregelung und Prioritätenverschiebung gelungen, den Druck herauszunehmen. Demnach kommt es nun gar nicht mehr auf den echten Wettbewerb in der Nations League an. Stattdessen wurden seit den Niederlagen in Amsterdam gegen die Niederlande (0:3) und in Paris gegen Frankreich (1:2) die EM-Qualifikation und die ferne EM-Endrunde zum entscheidenden Kriterium aufgewertet – und die Nations League zum Nichtereignis umgedeutet.

          Ein Abstieg, so Löw, sei doch kein Weltuntergang. Auf ähnliche Weise reagierte der Bundestrainer am Freitagabend dann auch in seiner Stellungnahme, als der Abstieg des deutschen Fußballs nach dem 2:0 der Niederländer gegen den Weltmeister nicht mehr zu leugnen war: „Das müssen wir akzeptieren. Unser Blick richtet sich aber nach wie vor klar in Richtung der EM 2020, für die wir uns qualifizieren werden und bei der wir wieder eine starke Mannschaft ins Turnier schicken wollen. Auf diesem Weg werden wir weiter Räume für unsere jungen Spieler schaffen und sie nach und nach an die Nationalmannschaft heranführen.“ In ähnlicher Weise äußerte sich am kommenden Tag auch Manager Bierhoff gegenüber den Medien, ebenso einige Spieler.

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