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DFB-Elf in der Krise : Löws Schwäche

Verkennt das Problem: Löw redetet den Unmut des Publikums damit klein. Bild: dpa

Wie kommen der DFB und seine erste Mannschaft aus der Imagekrise? Joachim Löw will Stärke signalisieren, in Wahrheit aber ist der Bundestrainer schwach wie nie. Im November hat er nochmal eine Chance.

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          221.000 Euro haben die deutschen Nationalspieler in der vergangenen Woche bei „Wer wird Millionär?“ für gute Zwecke eingespielt. Es war zugleich auch ein Versuch, für sich selbst etwas zurückzugewinnen: Relevanz, Nähe, Glaubwürdigkeit. Die wahre Millionenfrage für den deutschen Fußball im Corona-Herbst wurde bei Günther Jauch gar nicht gestellt: Wie kommen der Deutsche Fußball-Bund und seine erste Mannschaft aus der Imagekrise heraus, die längst weit über das hinausgeht, was man saisonales Nörgeln nennen könnte?

          Das Problem ist: Mancher scheint es immer noch als solches zu betrachten. Joachim Löw redete den Unmut des Publikums damit klein, dass das Interesse zwischendurch ja immer ein wenig schwinde, beim nächsten Turnier aber werde das Team „wieder das Wichtigste im Land sein“.

          Wenn er sich da mal nicht täuscht. Quer durch alle Lebensbereiche stehen die Institutionen in dieser Krise vor einer gewaltigen Prüfung. Bei der es durchaus etwas zu gewinnen gibt, Respekt und Anerkennung, die Menschen haben ein feines Sensorium dafür, ob jemand Verantwortung übernimmt. Aber andersherum ist es eben auch so: Wer es in diesen Zeiten nicht schafft, Orientierung zu stiften, erleidet einen Vertrauensverlust, der nur schwer zu reparieren ist. Beim DFB steht Präsident Keller mitten in einem gewaltigen Kampf.

          Löw wiederum wirkt in seiner eigenen Gedankenwelt verirrt, auch als er sagte: „Ich stehe über den Dingen, was die Kritik angeht.“ Das sollte Stärke signalisieren, in Wahrheit aber ist der Bundestrainer schwach wie nie. Das liegt nicht nur an alten Fehlern, die bleischwer auf ihm lasten. Die Nationalteams sind derzeit die Letzten in der Nahrungskette, Löw kann gar nicht anders, als auf die Interessen der Stars und der Klubs, die sie bezahlen, Rücksicht zu nehmen – bei Spielen, die die Welt noch weniger braucht als sonst.

          Und es kann sein, dass die Luft noch dünner wird, wenn das Virus sich weiter so rasant verbreitet. Umso wichtiger wäre es gewesen, im Hier und Jetzt zu leben, anstatt auf ein ungewisses Übermorgen zu schauen. Löw hätte als Allererster Energie, Freude und Klarheit ausstrahlen müssen, er hätte das ausgedehnte Experimentieren und Taktieren hintanstellen und Lust auf Siege vorleben müssen, statt in alten Mustern, auch von Selbstgefälligkeit, zu erstarren. Die November-Spiele in Leipzig bieten noch mal eine Chance. Die letzte vor einem langen und vermutlich harten Winter.

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