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7:0 gegen Gibraltar : Im Endspurt zum Kantersieg

Andre Schürrle (links) war beim Spiel in Gibraltar treffsicher Bild: AFP

In der ersten Halbzeit wächst Fußballzwerg Gibraltar über sich hinaus – und Schweinsteiger verschießt einen Elfmeter kläglich. Am Ende gewinnt die urlaubsreife Fußball-Nationalelf doch standesgemäß. Ein Stürmer sticht hervor.

          3 Min.

          Die letzte, lästige Pflichtaufgabe dieser Saison hat die deutsche Nationalmannschaft erst enttäuschend und dann entschlossen hinter sich gebracht. Nach einem in der ersten Halbzeit äußerst schwachen Auftritt rissen sich die Weltmeister auf der Zielgeraden dann doch noch einmal zusammen und siegten 7:0 in Faro gegen Gibraltar. Erst nach dem Wechsel war das Team von Bundestrainer Joachim Löw mit der nötigen Entschlossenheit und Durchsetzungskraft aufgetreten, nachdem sich die Weltmeister zuvor gegen die ganz Kleinen dieser Fußballwelt extrem schwer getan hatten.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          André Schürrle mit drei Treffern (28., 65. und 71. Minute) sowie Max Kruse (47. und 81.), Ilkay Gündogan (51.) und Karim Bellarabi (57.) trafen schließlich zum erwartet hohen Sieg für den großen Favoriten, der sich nun endlich in den ersehnten Sommerurlaub verabschieden darf. „Wir haben in der ersten Halbzeit vier, fünf große Chancen vertan und uns das Leben selbst schwer gemacht“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. „In der Halbzeit bin ich ein bisschen deutlicher geworden. Wir gehen zu fahrlässig mit den Möglichkeiten um.“

          Der dritte Sieg im sechsten Gruppenspiel auf dem Weg zur Europameisterschaft war dann aber dank der Unterstützung der Konkurrenz schon ziemlich hilfreich für die restlichen Qualifikationsspiele im Herbst. Da die Schotten am Samstag nur ein 1:1 in Irland erreichten, rückten die Deutschen in Gruppe D nun auf den direkten Qualifikationsrang zwei vor. Nur die Polen, die durch drei Treffer von Lewandowski 4:0 gegen Georgien siegten, liegen nun noch einem Punkt vor Joachim Löws Team.

          Um die Dimensionen dieses ungleichen Duells in Faro noch einmal kurz klar zu machen: In Gibraltar leben rund 30.000 Menschen, und selbstverständlich spielt auch nur ein Bruchteil von ihnen Fußball, während der Deutsche Fußball-Bund in seinem Verband knapp sieben Millionen Mitglieder versammelt. Und das einzige Tor, das dem Fußballzwerg in der EM-Qualifikation bisher gelungen war, hatte gegen Schottland ein Polizist nach Vorarbeit eines Anwalts erzielt.

          Torwart Perez hielt nach wenigen Minuten einen Elfmeter von Schweinsteiger Bilderstrecke

          Und diese Truppe, irgendwo angesiedelt zwischen Hobbykickern und Halbprofis, hatte nach einer halben Stunden die Riesenchance den 1:1-Ausgleich gegen die Auswahl aus dem 80-Millionen-Land zu erzielen. Aber die Deutschen hatte es in diesem Moment allein Roman Weidenfeller in dessen vermutlich letzten Länderspiel zu verdanken, der den Schuss von Jake Gosling aus fünf Metern gerade noch abwehren konnte, dass ihrem schlampig-gelangweilte Auftritt der unangenehmste Höhepunkt des Abends erspart blieb.

          Aber auch ohne den möglichen, und zu diesem Zeitpunkt gar nicht mal unverdienten Ausgleich, bot das Team von Löw in der ersten Halbzeit einen Auftritt zum Vergessen. Schon nach wenigen Minuten hatten sich Boateng, Schweinsteiger und Götze mit Schludrigkeiten und Fehlpässen überboten – und lagen damit ganz im lustlosen deutschen Trend.

          Irgendwie und irgendwann würden die Superstars den Fußballzwergen schon noch ein paar Tore einschenken, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen. Nichts anderes sagte bis zur Pause die Körpersprache und die Spielanlage des DFB-Teams. Nach zehn Minuten verschenkte dann auch noch Schweinsteiger einen Elfmeter mit einem Schüsschen, das Torhüter Perez locker abwehren konnte. „Das darf nicht passieren“, sagte der Kapitän selbstkritisch.

          Ähnlich unentschlossen wie Schweinsteiger beim Elfmeter zeigte sich kurz vor der Pause Mesut Özil als er alleine vor dem Torwart die beste Chance ganz lässig nutzen wollte, aber somit einfach liegen ließ. Es war einer jener Momente, in denen der Auftritt der Weltmeister nicht nur urlaubsreif, sondern auch überheblich wirkte.

          Gibraltar besaß neben der großen Chancen zum Ausgleich aber auch ansonsten einige Gelegenheiten, die zwar nicht besonders zwingend waren, aber von den Weltmeister viel zu einfach gestattet wurden. Nach knapp einer halben Stunde mit deutschem Fußball zum Wegschauen erlöste dann Schürrle sein Team mit dem Treffer zum 1:0 von den größten Qualen gegen den Fußballzwerg, der sich aber auch danach leidenschaftlich der Nummer eins der Welt erwehrte. Und sich nebenbei auch mal den Spaß gönnte, Gündogan ganz locker mit einem Beinschuss auszuspielen.

          In der Halbzeitpause wurden den deutschen Fußball-Urlaubern dann offenbar klar, dass sie die letzten 45 Minuten dieser Saison nicht auch noch vertrödeln sollten. Innerhalb von fünf Minuten erhöhten dann Max Kruse (47.) und Gündogan (51.) auf 3:0. Damit nahm die Partie zumindest vom Ergebnis die erwartete Richtung – wenngleich auch Gibraltar immer wieder gefährlich vor Weidenfellers Tor auftauchte. Während seine Mannschaft nach dem Wechsel ihre Sinne schärfte, machte sich der Bundestrainer auf der Bank die Nägel. Am Spiel seiner Mannschaft hatte es an diesem Abend, den vor allem mit Schürrle mit weiteren zwei Toren noch ein vergnügliches Ende bereitete, allerdings lange mehr als genug zu feilen gegeben.

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