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Scholz in Frankfurt beim DFB : Keine Einigung mit dem Kanzler zu „Equal Pay“

Besichtigte unter anderem die neue DFB-Akademie: Bundeskanzler Olaf Scholz Bild: AFP

Olaf Scholz fordert, das Frauen-Team des Deutschen Fußball-Bundes solle so honoriert werden wie die Männerauswahl. Der Verband reagiert mit Hinweis auf die Marktlage zurückhaltend.

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          Olaf Scholz geht es wie Millionen seiner Landsleute: Er ist allenfalls in Ansätzen mit der Materie vertraut, was ihn aber nicht daran hindert, in Fachfragen des Fußballs Stellung zu beziehen. Was in seinem Fall, als Bundeskanzler, den Statements eine besondere Bedeutung verleiht. So geschehen während der Europameisterschaft der Frauen in England, bei der die deutschen Spielerinnen bis zum Schluss um den Titel mitspielten, sich erst im Finale der Auswahl des Turniergastgebers 1:2 geschlagen geben mussten und darüber hinaus mit ihren Auftritten als unermüdliches Team alte Freunde zurückgewannen und neue für sich einnehmen konnten.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Einer davon ist nach eigenem Bekunden Scholz, der im Endspiel in Wembley unter den 89.000 Zuschauern zu den Ehrengästen zählte und am Dienstag das neue Hauptquartier des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) besuchte, um sich zum Gedankenaustausch mit der Verbandsführung zu treffen.

          „Mein Standpunkt ist bekannt“

          Zuletzt hatten beide Seiten übereinander gesprochen, nun folgte auf dem Campus ein einstündiger Dialog, den Scholz als „guten Ausgangspunkt“ für weitere Zusammenkünfte bezeichnete; bereits für den September wurde im Kanzleramt in Berlin eine Fortsetzung vereinbart. Der Bundeskanzler sagte, dass er „sehr dankbar“ sei, dass er während den Unterredungen mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Vizepräsidentin Celia Sasic und Direktor Oliver Bierhoff die Bereitschaft signalisiert bekam, eine gerechtere Honorierung für das Frauen-Nationalteam in Erwägung zu ziehen.

          Es gehe „um die Frage: Wie kann man mehr Mädchen für Fußball begeistern? Und dabei spielen die Prämien eine Rolle“, sagte der SPD-Politiker: „Mein Standpunkt ist bekannt. Das ist aus meiner Sicht etwas Politisches und etwas anderes als bei Gehaltsverhandlungen. Es macht Sinn, über gleiche Prämien zu diskutieren.“ Für einen EM-Triumph hätten die Frauen vom DFB 60.000 Euro pro Spielerin bekommen, die Männer hätten im Vorjahr pro Person 400.000 Euro erhalten.

          Der Bundeskanzler hatte sich im Juli, als die DFB-Auswahl mit ihrer Einsatzbereitschaft die Fans in den Arenen auf der britischen Insel genauso wie die Zuschauer daheim vor den Bildschirmen verzückte, in die Debatte über „Equal Pay“ eingeschaltet und eine gleichberechtigte Bezahlung vom DFB verlangt. Die Hälfte der 16 an der EM teilnehmenden Nationen verpflichtete sich vorab, ungeachtet weit auseinander liegender Vermarktungserlöse, keine Unterschiede mehr bei den Prämien zwischen den Geschlechtern vorzunehmen – Deutschland zählte nicht dazu. „Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders für Nationalmannschaften“, hatte Scholz dazu vor dem Anstoß der Vorrunden-Partie gegen Spanien getwittert, woraufhin es nicht lange dauerte, bis der Konter von Bierhoff kam: „Mich wundert jetzt ein bisschen die Aussage, ich lade ihn aber gerne mal ein und kläre ihn ein bisschen besser über die Zahlen auf.“

          Gemeinsam im Gespräch: Bundeskanzler Olaf Scholz (links) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf
          Gemeinsam im Gespräch: Bundeskanzler Olaf Scholz (links) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf : Bild: via REUTERS

          Gesagt, getan. Aber Scholz Forderung kam der DFB am Dienstag noch nicht nach. DFB-Präsident Neuendorf sprach vor allem von „der Bereitschaft“, eine interne Debatte anzustoßen, ob es künftig anders weitergehen solle: „Ich bin zumindest bereit, in unseren Gremien mit den Vertretern und Vertreterinnen der A-Nationalmannschaften darüber zu reden, ob unser über Jahrzehnte gewachsenes Prämiensystem noch zeitgemäß ist und es gegebenenfalls auch angepasst werden kann.“

          Es müsse aber auch „zur Kenntnis“ genommen werden, sagte Neuendorf, „dass trotz gleicher Tätigkeit die Märkte immer noch sehr unterschiedlich sind“. Er ließ grundsätzlich Verständnis für die Argumentation des Bundeskanzlers erkennen, die sich in Meinungsumfragen mit einer Mehrheit unter den Fußballfans deckt. Dem „Ansatz, dass derselbe Wettbewerb den gleichen Wert“ haben muss, könne er einiges abgewinnen, sagte Neuendorf – der Kraft seines Amtes innerhalb des DFB eigentlich etwas bewegen können sollte.

          Scholz dankte dem Frauen-Nationalteam für „die Begeisterung“, die es in Deutschland in den vergangenen Wochen ausgelöst habe. Bei ihren Auftritten hätten die Menschen „mitgefiebert“. Auch er sei von dem, was die Spielerinnen in den sechs Partien zeigten und wie sie füreinander einstanden „tief berührt gewesen“. Deutschland könne stolz auf die Taten der Truppe von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sein. Die Leistung werde „hoffentlich noch lange nachwirken“, fügte Scholz hinzu und hob hervor, dass das vorbildliche Engagement des Teams Bedeutung über das Fußballstadion hinaus besaß: „So etwas hält die Gesellschaft zusammen.“

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