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Fußball-Nationalmannschaft : „Jogi Löw hat einen gewissen Kredit verspielt“

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„Jogi muss Ergebnisse liefern“: DFB-Direktor Bierhoff (rechts) über den Bundestrainer Bild: dpa

Nach Kritik an den Leistungen der Nationalelf wählt DFB-Direktor Bierhoff klare Worte – auch in Richtung des Bundestrainers. Zudem spricht Oliver Bierhoff über Hummels’ Rückkehr sowie den Wirbel um Can und Gündogan.

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          Kurz vor den letzten Spielen in der EM-Qualifikation sieht DFB-Direktor Oliver Bierhoff Bundestrainer Joachim Löw nach den zuletzt mäßigen Leistungen der Fußball-Nationalmannschaft in der Pflicht. „Natürlich weiß auch Jogi, dass er natürlich jetzt einen gewissen Kredit verspielt hat und dass er da Ergebnisse bringen muss“, sagte Bierhoff in einen Interview der Sendung „Wontorra on Tour“, das an diesem Montag (19.00 Uhr) bei Sky Sport News HD und Sky Bundesliga 1 HD gesendet wird.

          Einen besonderen Druck verspürt Bierhoff beim Bundestrainer allerdings nicht. „Aber ich sehe ihn immer sehr entspannt. Ich habe ihn in vielen Situationen erlebt, auch in Drucksituationen während der Turniere und auch bei Personalentscheidungen“, sagte Bierhoff, der in der neuen DFB-Struktur Löws direkter Vorgesetzter ist.

          In der Diskussion um eine mögliche Rückkehr von Mats Hummels in die Fußball-Nationalmannschaft will sich Bierhoff nicht festlegen. „Ich habe immer gesagt, wir haben noch keinen Spieler verabschiedet. Wenn wir das gemacht hätten, hätten wir eben Blumenstrauß und ein Geschenk zum Länderspiel gegeben.“ Löw hatte trotz der schweren Verletzung von Abwehrchef Niklas Süle und der öffentlichen Forderung vieler Experten für ein Comeback des BVB-Verteidigers klargemacht, dass er keine Notwendigkeit sieht, den von ihm im März aussortierten Hummels zum DFB-Team zurückzuholen. Das sei zumindest „im Moment kein Thema.“

          Die Nationalmannschaft tritt am 16. November in Mönchengladbach gegen Weißrussland und drei Tage später in Frankfurt gegen Nordirland zu den letzten beiden EM-Qualifikationsspielen an. Möglicherweise reicht schon ein Sieg gegen Weißrussland für das Turnier-Ticket 2020. Nach einem vielversprechenden Jahresbeginn mit dem 3:2 in den Niederlanden im März hatte es im September und Oktober eher mäßige Auftritte der von Löw stark verjüngten Nationalmannschaft gegeben. Kritik gab es besonders für das 2:4 gegen Oranje in Hamburg.

          Nach dem Wirbel um den Social-Media-Like von Ilkay Gündogan und Emre Can für den türkischen Salut-Jubel hat Bierhoff von den Nationalspielern mehr Eigenverantwortung gefordert. „Man kann nicht alle Dinge im Griff haben, zumal wenn die Spieler nicht bei uns sind, aber gerade in Zeiten der Social Media muss sich jeder Spieler deutlich machen, dass er als Nationalspieler auch Repräsentant dieser Nationalmannschaft ist und in seinem Handeln und seinen Aktivitäten viele Dinge berücksichtigen muss“, sagte Bierhoff.

          Die Aktion der Nationalspieler hatte um das EM-Qualifikationsspiel im Oktober in Estland (3:0) für Aufregung gesorgt. Gündogan und Can hatte bei Instagram ein Foto geliked, das türkische Fußballer zeigt, die nach dem Siegtor von Cenk Tosun beim 1:0 gegen Albanien mit der Hand an der Stirn salutieren. Die türkischen Fußballer wollten damit ihre Solidarität mit den Soldaten demonstrieren, die an der international verurteilten „Operation Friedensquelle“ gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien im Einsatz waren. Gündogan und Can zogen ihre Likes anschließend zurück und beteuerten, dass sie keine politische Aussage treffen, sondern ihrem ehemaligen Mitspieler Tosun gratulieren wollten.

          In einer ersten Reaktion hatte Bierhoff im Oktober noch um Nachsicht für das DFB-Duo gebeten. „Dass das so eine Dimension annimmt, konnte keiner erwarten“, sagte er damals. Bierhoff verlangt nun von den deutschen Nationalspielern beim Umgang mit Social-Media-Kanälen „mehr Vorsicht als Wagemut“. Junge Menschen könnten dies „in manchen Aktivitäten“ vielleicht nicht, meinte der DFB-Direktor.

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