https://www.faz.net/-gtl-ahp3u

9:0 gegen Liechtenstein : Deutsche Kunstschüsse und viel Spielfreude

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Gegen den großen Außenseiter Liechtenstein hat die DFB-Elf in der WM-Qualifikation keine Mühe. Im Gegenteil: Die deutsche Mannschaft trifft in Überzahl fast nach Belieben – und teilweise spektakulär.

          3 Min.

          Jogi Löw war auf der Tribüne sichtlich vergnügt, und nach dem Neun-Tore-Festival waren auch die hohen Ansprüche seines Nachfolgers Hansi Flick zufriedengestellt. Alle Neune hieß es zum Abschied von Weltmeister-Coach Löw, für Flick war der Startrekord perfekt. Unbeeindruckt vom Corona-Schreck hat die Fußball-Nationalmannschaft beim Abschiedsfest des früheren Bundestrainers Löw für Tore-Spaß gesorgt.

          Fußball-Länderspiele

          Gegen den nach einem Platzverweis für Jens Hofer (9. Minute) früh dezimierten Außenseiter Liechtenstein sorgten die beiden Doppel-Torschützen Leroy Sané (22. Minute/48.) und Thomas Müller (76./86.) sowie Ilkay Gündogan (11./Foulelfmeter), Marco Reus (23.), Ridle Baku (80.) und die beiden Eigentorschützen Daniel Kaufmann und Maximilian Göppel (20./89.) am Donnerstagabend in Wolfsburg für den standesgemäßen 9:0 (4:0)-Sieg der DFB-Auswahl im letzten Heimspiel der schon zuvor geschafften Qualifikation für die WM in einem Jahr in Qatar.

          „Natürlich bin ich zufrieden. Mich freut es, dass Jogi bei seinem Abschied neun Tore gesehen hat. Die Stimmung im Stadion war einfach fantastisch. Die Mannschaft, die Zuschauer, die Fans, das ist eine gute Kombination“, sagte Flick beim TV-Sender RTL und betonte: „Wir haben fast zwei Jahre die Pandemie gehabt und ohne Zuschauer gespielt. Ich bin happy und froh, dass wir vor Zuschauern spielen und sie begeistern. Die Freude wird auf den Platz getragen.“

          „Harmonischer und toller Abend“

          Bei konsequenterer Chancenverwertung hätte sogar der Rekordsieg des als Zuschauer bestens unterhaltenen Löw beim 13:0 gegen San Marino aus dem Jahr 2006 in Gefahr geraten können. Für den höchsten Sieg unter Nachfolger Flick und die alleinige Bundestrainer-Bestmarke mit nun sechs Siegen in den ersten sechs Spielen reichte es vor 25.984 Zuschauern in der unter Corona-Bedingungen ausverkauften VW-Arena aber locker. Diesen Rekord ist Löw nun los. Flick kann seine Quote bereits am Sonntag mit Sieg Nummer sieben in Armenien ausbauen. Fehlen wird beim Jahresabschluss der gelb-gesperrte Abwehrchef Antonio Rüdiger.

          „Man muss es ein bisschen relativieren, da wir keine extrem schwierigen Gegner in unserer Gruppe haben. Aber die Leute sind da und wir sind auch da. Man kann von einem harmonischen und tollen Abend sprechen“, sagte Müller und freute sich auch, Löw wiederzusehen: „Es ist immer schön, wenn man zusammenkommt. Bei all den sportlichen Erfolgen geht es immer um diese persönliche Momente. Die sind nicht immer farbenfroh. Die Begegnungen und Tischgespräche und all das Drumherum ist das, was man mit nach Hause nimmt. Da haben wir super Zeiten gehabt.“

          Bekam viel Applaus: Joachim Löw beim Länderspiel in Wolfsburg
          Bekam viel Applaus: Joachim Löw beim Länderspiel in Wolfsburg : Bild: EPA

          Bevor der Ball rollte, wurde es emotional. Mit lautem Applaus und „Jogi, Jogi“-Rufen wurde Löw offiziell verabschiedet. Doch diese stimmungsvolle Atmosphäre wich schnell einem Schreckmoment, als Liechtensteins Hofer mit hohem Bein Leon Goretzka am Hals traf. Der Kroatin Ivana Martincic, die als erste Schiedsrichterin ein Länderspiel der DFB-Auswahl leitete, blieb nichts anderes übrig, als Hofer wegen groben Foulspiels vom Platz zu stellen. Für Goretzka ging es nach kurzer Behandlungspause weiter. Den fälligen Strafstoß verwandelte Gündogan.

          So war das Scheibenschießen eröffnet, ein zähes Geduldsspiel wie beim 2:0 im Hinspiel in St. Gallen war nicht mehr nötig. Reus, Ridle Baku und Jonas Hofmann vergaben zunächst noch große Chancen, ehe Daniel Kaufmann mit einem Eigentor drei schnelle Treffer für die deutsche Mannschaft einleitete. Mit ansehnlichem Tempo-Fußball kamen Sané und Reus zu ihren Toren. Der 190. der Weltrangliste, der sich mit der gesamten Mannschaft rund um den eigenen Strafraum verschanzte, war völlig demoralisiert. Löw klatschte dagegen auf der Tribüne freudig in die Hände.

          Hatte alles im Griff: Schiedsrichterin Ivana Martincic
          Hatte alles im Griff: Schiedsrichterin Ivana Martincic : Bild: dpa

          Dass sein Nachfolger Flick die Mannschaft nach dem Corona-Wirbel der vergangenen Tage auf einigen Positionen umbauen musste, hatte gegen den allenfalls drittklassigen Gegner keine Auswirkungen. Thilo Kehrer ersetzte den positiv auf Corona getesteten Niklas Süle als Innenverteidiger. Für Kehrer rückte Christian Günter auf die Position des Linksverteidigers. Gündogan spielte im Mittelfeld für Joshua Kimmich, der als eine von vier Kontaktpersonen nach Süles positivem Test in Quarantäne hatte abreisen müssen.

          Besonders spielfreudig – wie schon in den letzten Wochen – zeigte sich Sané, der auch gut nach hinten arbeitete. Angesichts der klaren Überlegenheit fehlte es dem deutschen Team aber nach dem schnellen Tore-Start an der nötigen Konsequenz, was auch Flick an der Seitenlinie nicht gefiel.

          Zur zweiten Halbzeit kam Lukas Nmecha zu seinem Debüt im DFB-Trikot, das Premieren-Tor verhinderte dabei der Pfosten (55.). Dafür erzielte Sané zum ersten Mal zwei Tore in einem Spiel im Trikot des viermaligen Weltmeisters. Es hätten aber noch deutlich mehr Treffer sein können. Dies lag auch an Benjamin Büchel. Der gute Keeper stand unter Dauerbeschuss und machte einige Chancen zunichte.

          Flick nutzte derweil das Spiel zu besonderen Gesten. Der Wolfsburger Maximilian Arnold kam an heimischer Stätte siebeneinhalb Jahre nach dem Debüt zu seinem zweiten Länderspiel. Insgesamt ließ Flick drei der vier nachnominierten Spieler im Zuge der Corona-Ausfälle – neben Arnold noch Baku und Kevin Volland – auch spielen. Und Baku trug sich sogar als Torschütze ein, genauso wie Müller, der mit seinen zwei Treffern sein Länderspiel-Torkonto auf 42 erhöhte.

          Länderspiel

          Weitere Themen

          Nur ein Punkt für Bochum

          2:2 gegen Köln : Nur ein Punkt für Bochum

          Anthony Modeste glänzt mit einem frechen Lupfer und bringt Köln in Führung. In der zweiten Hälfte gleicht Takuma Asano das Spiel für Bochum aus. Beide Mannschaften verweilen im Mittelfeld der Tabelle.

          Topmeldungen

          Ron DeSantis im August 2021 in Miami

          Ron DeSantis : Wie Trump – aber nicht Trump

          Ron DeSantis weigert sich, eine Präsidentschaftskandidatur 2024 auszuschließen. Dafür müsste er aber wohl erst an Donald Trump vorbei. Der fühlt sich von Floridas republikanischem Gouverneur verraten.
          Insulin-Fläschchen waren schon 1923, also ein Jahr nach den ersten Experimenten am Menschen, bereit zur Auslieferung.

          100 Jahre Insulin : Wie sieht die Diabetes-Behandlung der Zukunft aus?

          Als die Insulin-Therapie vor hundert Jahren erfunden wurde, sprachen viele von Magie: Seither rettete das Hormon Millionen Menschen. Dennoch haben viele Diabetiker haben keinen Zugang zur lebensrettenden Arznei. Was bringt die Zukunft?