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DFB-Präsident Niersbach : „Ein einziges PR-Desaster“

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„Boykottiert man etwas oder geht man ins Exko rein“: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach Bild: dpa

DFB-Präsident Niersbach findet für den Fifa-Skandal klare Worte. Im Interview spricht er über die Chancen von Prinz Ali und eine schwere Frage, die er bald beantworten muss.

          2 Min.

          DFB-Präsident Wolfgang Niersbach lässt sich die Übernahme eines Fifa-Amtes bei einer Wiederwahl des Weltverbandschefs Joseph Blatter offen. Für die neuen Skandale findet Niersbach deutliche Worte. Fragen an Niersbach vor dem Fifa-Kongress mit der Wahl des Weltverbandspräsidenten am Freitag in Zürich.

          Welche Entscheidungen gab es beim Treffen der Mitglieder der Europäischen Fußball-Union Uefa?

          Ich brauche nicht zu betonen, dass es eine sehr schwierige, komplizierte Situation ist. Die Stimmung bei der Uefa ist so, dass man mehrheitlich eindeutig für den Wechsel an der Fifa-Spitze eintritt. Das bedeutet, dass entgegen der Option, die gestern in Warschau diskutiert wurde, die Uefa an dem Kongress teilnimmt und sich an der Wahl beteiligt und mehrheitlich für Prinz Ali stimmt.

          Sehen Sie dafür eine realistische Chance?

          Was ist realistisch? Ich kann nicht einschätzen, wie die Ereignisse von gestern sich auf das Stimmverhalten der Repräsentanten der anderen Konföderationen auswirkt. Jeder der einigermaßen, ich hätte fast gesagt, geradeausdenken kann, muss doch realisieren, dass es ein einziges PR-Desaster für den Fußball schlechthin ist. Letztlich reduziert sich das auf die Frage, wie bekommen wir jenseits der nötigen Aufklärung die berühmte Kurve. Das ist nach meiner persönlichen Einschätzung nicht möglich, wenn es an der Spitze der Fifa keinen Wechsel gibt.

          Der Engländer David Gill hat gesagt, dass er nicht ins Fifa-Exekutivkomitee geht, sollte Blatter wiedergewählt werden. Sehen Sie ähnliche Schritte für sich selbst?

          David ist ein guter Freund von mir. Das sind auch innere Kämpfe, die auch bei mir jetzt stattfinden. Das ist ein Abwägen: Boykottiert man etwas oder geht man ins Exko rein und hat die Chance auch wirklich etwas zu verändern. Die Frage stellt sich schon am Samstag, wenn wir im neuen Exko beraten müssen, ob Europa die WM-Plätze künftig behält, konkret für Russland: 13 plus Russland. Da brauchen wir jede Stimme. Es ist ein Abwägen, und wie immer diese Wahl und dieser Kongress ausgehen, haben wir auch verabredet, dass wir uns rund um das Champions-League-Finale auch mit der Uefa sondieren.

          Ist das auch ein bisschen Feigheit?

          Feigheit... (schüttelt mit dem Kopf). Die Frage (des Verzichts) stellt sich, die habe ich mir selber gestellt. Stand jetzt sage ich: Was ist damit gewonnen, wenn ich heute schon sage, ich nehme die Wahl nicht an, ich trete das Mandat nicht an. Ganz offen: Schwierige Frage, die bewegt mich, ich will sie sacken lassen, und sie mit meinen Leuten beim DFB besprechen.

          Wird Europa geschlossen gegen Blatter stimmen?

          Europa hat 53 stimmberechtigte Nationalverbände. Heute ist gesagt worden, man ist mehrheitlich für den Wechsel. Aber letztlich darf man nicht naiv sein: Jeder geht alleine in seine Kabine und macht sein Kreuzchen.

          Ist es ein Ziel der Uefa, jetzt noch andere Länder umzustimmen?

          Prinz Ali geht durchaus optimistisch in die Wahl, weil er sagt, dass ihn nicht nur die europäischen Verbände unterstützen, sondern ihn auch andere Länder von anderen Kontinenten unterstützen. Das werden wir morgen Nachmittag ungefähr 17, 18 Uhr wissen. In meinen Augen bleibt Blatter Favorit, aber die Unbekannte ist, wie reagieren die anderen, auf die Dinge, die am Mittwoch passiert sind.

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