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Probleme im deutschen Fußball : Erstaunliche Harmonie beim DFB-Bundestag

Auch am heftig angegriffenen Grundlagenvertrag wollte niemand mehr rütteln. Gegenrede? Nicht eine Wortmeldung vor der Bestätigung des Beschlusses von 2016. „Die echten, wahren Amateure haben entschieden“, sagte Grindel triumphierend. Der Grundlagenvertrag regelt Rechte wie Pflichten und damit auch die Geldflüsse zwischen DFB und DFL. Als besonderer Kern gilt die Bereitschaft der Bundesligaklubs, ihre Nationalspieler auch für die Werbeaktionen des DFB freizustellen. Ein Bayern-Profi könnte also trotz der Bindung des Rekordmeisters an Audi in einem DFB-Werbefilm mit Mercedes-Benz auftreten: „Nur so sind die Vermarktungserlöse für den DFB mit der A-Nationalmannschaft möglich“, sagte DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge, „das ist der wirtschaftliche Motor, eine Sicherung zur wirtschaftlichen Stabilität des deutschen Fußballs.“ Derzeit erwirtschaftet der DFB nach eigener Angabe mit der A-Mannschaft knapp 153 Millionen Euro im Jahr.

Nicht mal die ohne Enttäuschungen unlösbare Aufstiegsregelung der Regionalligen führte zu einer öffentlichen Diskussion. Nur elf Delegierte stimmten gegen einen Übergangs-Modus, 28 enthielten sich. Demnach wird es in den nächsten beiden Spielzeiten vier Aufsteiger aus den fünf Ligen in die 3. Liga geben. Der Meister der Regionalliga Südwest erhält ein direktes Aufstiegsrecht. Nur in der kommenden Saison gilt das auch für den Meister der Regionalliga Nordost. Der dritte direkte Aufstiegsplatz wird per Los zugespielt. Die beiden übrigen Ligen ermitteln den vierten Aufsteiger in Relegationsspielen. Sie erhalten dann in der folgenden Saison je einen Aufstiegsplatz. Beim Bundestag 2019 soll eine Reduzierung der Regional-Ligen auf vier beschlossen werden.

Komplexe Nebensächlichkeiten? Der Streit um die Regionalliga hat die DFB-Führung nicht nur in den vergangenen Tagen mehr Aufmerksamkeit, Kraft gekostet und Luft genommen als jedes andere Thema. Etwa die Vorbereitung auf die Herausforderungen der Zukunft, die Rauball skizzierte: Wie reagiert der Fußball auf den demographischen Wandel, auf die Veränderung des Freizeiterhaltens, die Individualisierung der Gesellschaft oder – ganz naheliegend – auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Vereine?

Grindel gab als Ziel die Wiederholung des WM-Sieges aus, bevor Lahm das Zuspiel der Delegierten aufnahm und elegant verwandelte in ein offensives Dribbling. Er freue sich darauf, das „Gesicht“ der Bewerbung für die Europameisterschaft 2024 sein zu dürfen. Das Gesicht eines DFB, der sich an Leib, Gliedern und vor allem Geist erneuert haben will zum Einzug in die Akademie 2021. Um endlich die immer noch nicht abgeschlossene Affäre um die WM 2006 hinter sich lassen zu können. Die Schlüsselworte dazu sprach der neue Ehrenspielführer aus: „Es geht mir um Glaubwürdigkeit, (...) dass alle Transparenz und Offenheit vorleben.“

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