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DFB-Bestechungsvorwurf : Dichtung und Wahrheit

Die Vorwürfe werden seinem Bild vorerst allenfalls Kratzer zufügen: Franz Beckenbauer Bild: Pressefoto ULMER/Claus Cremer

Hat Deutschland das WM-Sommermärchen 2006 gekauft? Fest steht, dass die Karriere von DFB-Präsident Niersbach in höchster Gefahr ist. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

          5 Min.

          Die Fußball-WM 2006, schreibt der „Spiegel“, hat Deutschland bekommen, weil eine „schwarze Kasse“ mit umgerechnet 6,7 Millionen Euro existierte. Das Geld stamme vom Adidas-Vorstandsvorsitzenden Robert Louis-Dreyfus und soll für den Kauf von vier asiatischen Fifa-Funktionären genutzt worden sein. Deutschland gewann die Abstimmung gegen Südafrika im Juli 2000 in Zürich 12:11. Dreyfus verlangte das Geld 2005 zurück. Auf geheimem Weg über die Fifa soll es zurückgeflossen sein.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Christoph Becker

          Von dem Darlehen oder der Zurückzahlung sollen unter anderem Franz Beckenbauer, damals Vorsitzender des WM-Organisationskomitees, und sein geschäftsführender Vizepräsident Wolfgang Niersbach, heute DFB-Präsident, gewusst haben. Eine handschriftliche Notiz („Honorar für RLD“, das Kürzel für Robert Louis-Dreyfus) auf einem Dokument vom November 2004, das die geplante Zahlung von 6,7 Millionen Euro beschreibe, weist „Der Spiegel“ Niersbach zu. Beckenbauer soll einen Schuldschein unterschrieben haben, Vizepräsident Horst R. Schmidt soll die Anmerkung „Schuldschein zurück“ per Hand auf dem Dokument hinzugefügt haben.

          Was sagt der DFB?

          Der größte Fußball-Verband der Welt erklärt am Freitag, Stunden vor der ihm teilweise bekannten Veröffentlichung der Vorwürfe, er habe im Frühjahr 2005 6,7 Millionen Euro an den Internationalen Fußball-Verband Fifa überwiesen, um ein Kulturprojekt während der WM zu finanzieren. Das Projekt ist abgesagt worden. Präsident Niersbach weist in einem am Samstag auf der DFB-Website mit dem DFB geführten Interview den Grund-Vorwurf zurück: „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine ,Schwarzen Kassen‘ beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat.“

          Es habe auch keinen Stimmenkauf gegeben. An den „handschriftlichen Vermerk“ könne er sich nicht erinnern. Konkrete Fragen, wo etwa die 6,7 Millionen Euro herkamen und warum erst nach zehn Jahren auffällt, dass es keine Kulturprogramm-Leistung für diese Zahlung gab, insofern Louis-Dreyfus kein Kulturbeauftragter war, ließ sich Niersbach nicht stellen. Entsprechende Fragen dieser Zeitung wollte der DFB nicht beantworten.

          Was ist bewiesen, was ist strafrechtlich relevant?

          Es lässt sich nicht zweifellos belegen, dass die deutschen Bewerber Stimmen von Mitgliedern der Fifa-Exekutive gekauft haben. „Wir haben nicht den finalen Beweis. Aber das Darlehen von Dreyfus kam kurz vor der Vergabe der WM“, sagte „Spiegel“-Redakteur Jörg Schmitt am Samstagmorgen im Deutschlandfunk. Fedor Radmann, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, sagte bei „Sky“: „Das Bewerbungskomitee hat niemals irgendjemanden bestochen. Ich bin bereit, dies sogar zu beeiden.“

          Nicht ausgeschlossen scheint, dass Staatsanwälte die Berichterstattung als Anfangsverdacht zur Einleitung eines Strafverfahrens nehmen könnten – allerdings werden etwaige Straftaten aus den Jahren 2000 und 2005 nach dem deutschen Strafgesetzbuch inzwischen verjährt sein. In der Schweiz dagegen verjährt zum Beispiel ein schwerer Fall von Geldwäsche erst nach 15 Jahren. Deshalb dürften die Vorwürfe auch für die laufenden Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft in Sachen Korruption bei der Fifa von Interesse sein.

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