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Fall Abraham : Anspruch und Wirklichkeit

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Rote Karte für Abraham: nicht die Erste für den Kapitän der Eintracht in der jüngeren Vergangenheit. Bild: dpa

Soll die Eintracht im Fall Abraham Berufung einlegen? Eher wäre der Verzicht darauf angemessen. Denn ganz so günstig ist Abrahams Sozialprognose auch wieder nicht.

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          Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz hat in einer öffentlichen Verhandlung die Strafe gegen David Abraham bestätigt, die im Einzelrichterverfahren auf sieben Wochen Sperre und einer Geldbuße in Höhe von 25.000 Euro festgesetzt worden war.

          Christoph Schickhardt, Anwalt der Frankfurter Eintracht neigt dazu, noch einmal in die Berufung zu gehen. Er vertritt die Meinung, Abraham sei während der Verhandlung der Vorsatz nicht nachgewiesen worden, als er den Freiburger Trainer Christian Streich beim Versuch, den Ball zu holen, umrannte. Außerdem besitze Abraham den Anspruch darauf, dass das Gericht einen Teil der Sperre auf Bewährung verbüße.

          Richter Lorenz dagegen waren die Fernsehaufnahmen Beweis genug für dessen absichtliches Handeln. Abraham habe auch in hohem Tempo und trotz der plötzlichen Richtungsänderung, die der Ball durch den Aufprall gegen die Freiburger Trainerbank genommen hatte, um den Trainer herum laufen können.

          Ob das Bundesgericht sich der Eintracht-Sicht der Dinge anschließen würde, ist ungewiss, aber möglich. Und das gute Recht, in die Berufung zu gehen, steht dem Bundesligaklub ohnehin zu. Dennoch bliebe bei vielen ein ungutes Gefühl, wenn die Eintracht eine weitere Instanz bemühen würde. Denn das Strafmaß wird eher als zu niedrig, nicht als zu hoch angesehen. Was wäre es für ein Zeichen, wenn für den bisher einmaligen Vorgang eines tätlichen Angriffes gegen den gegnerischen Trainer eine Strafe verhängt worden wäre, die sich an einem Foul an einem Gegenspieler auf dem Platz orientiert? In den Amateurligen wird gerne nachgemacht, was die Profis vormachen.

          Streich und Abraham haben sich unmittelbar nach ihrem Zusammenprall und dem Massenauflauf, den er auslöste, vorbildlich verhalten. Der Trainer unterließ jegliche Dramatisierung, sondern tat alles für eine Deeskalation, der Spieler zeigte Reue und Einsicht. Der Verzicht auf einen weiteren Einspruch der Eintracht wäre ein weiterer Schritt bei der angemessenen Verarbeitung des Falles, wie ihn beide Klubs bisher betrieben haben.

          Denn auch Schickhardts Argumentation, mit der er eine Umwandlung eines Teils der Sperre zur Bewährung erwirken wollte, wirkt nicht zwingend. „Er ist geläutert, ich garantiere, er wird hier (vor dem Sportgericht) nicht wieder auftauchen.“ Nach vier Roten Karten in drei Jahren muss ein Gericht nicht zwingend eine günstige Sozialprognose stellen.

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