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Akademie in Frankfurt am Main : Das Jahrhundertprojekt des DFB

Zahlen der Gegner scheinen stark übertrieben

Man könne eigentlich nur etwas dagegen haben, hat Bierhoff einmal gesagt, „wenn man ein Pferd dort stehen hat“. Die Reitsportfreunde indes haben zuletzt weit mehr Alarm gemacht, als man das in Frankfurt und wohl auch beim DFB für möglich gehalten hatte. Für sie kommt der städtische Beschluss, ausgerechnet dieses Gelände dem Fußballbund zur Erbpacht für 99 Jahre anzubieten (und nicht etwa ein anderes der 22 vorher geprüften), der Vertreibung aus dem Paradies gleich. In dem sie es sich freilich sehr komfortabel eingerichtet hatten - unter großem Entgegenkommen der Stadt, was sie offenbar nicht immer zu schätzen wussten.

Die Zahlen, mit denen die Akademie-Gegner in ihrer aggressiven Kampagne operieren, erscheinen bei sachlicher Betrachtung stark übertrieben - von einem 84-Millionen-Geschenk kann beim besten Willen keine Rede sein. Gleichwohl ist nicht nur die Entscheidung pro DFB eine politische gewesen, sondern letztlich auch der Preis.

Pferdestärken beim DFB: Die Gegner des Projekts sind genervt von den Zukunftsplänen
Pferdestärken beim DFB: Die Gegner des Projekts sind genervt von den Zukunftsplänen : Bild: Bernd Kammerer

Schließlich will man den werbewirksamen Weltmeister-Verband unbedingt in der Stadt halten. 46 Euro Erbpacht pro Quadratmeter wurden angesetzt, macht insgesamt 6,8 Millionen Euro, ein Schnäppchen für den DFB - zumal in einer exponierten Lage in City-, Stadion- und Flughafennähe, wie sie das aus allen Nähten platzende Frankfurt sonst nirgendwo mehr zu bieten hat.

Die Grundlage für den Pachtpreis ist die Ausweisung als „Sonderfläche Sport“. Und da werden die Kritiker sich mit einigem Interesse anschauen, was sonst noch so los sein wird auf der Anlage. Denn auch wenn Bierhoff eher zurückhaltend darüber spricht: Geld verdient werden soll mit der Akademie auch. „Unsere Ausgangsmotivation sind nicht kommerzielle Zwecke“, sagt er, „aber natürlich wird man darüber nachdenken, das Wissen weiterzugeben: national an unsere Fußballfamilie, aber auch international.“ In Form von Kongressen etwa oder mit einem „Beraterteam von uns, das in andere Verbände geht, um beim Aufbau zu helfen.“ In Branchenkreisen wird über Kooperationen und Lizenzvereinbarungen mit verschiedenen Partnern gesprochen. Bierhoff deutet an, dass es ein breites Feld mit vielen Möglichkeiten sei.

Um 20 Uhr am Sonntag gibt es das Ergebnis

Neue Heimat, Thinktank und Geschäftsmodell - klar, dass diese Akademie ein Fall für Bierhoff ist, den Ideen- und Objektentwickler. Am 1. Juli steigt er offiziell in den Rang des Projektleiters auf, zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben als Teammanager der Nationalmannschaft. Vorher gilt es jedoch, diese letzte Hürde zu nehmen. Ein Viertel der rund 500.000 Wahlberechtigten, also rund 125.000 Stimmen, braucht es, um das Vorhaben zu kippen (sofern das zugleich auch die Mehrheit ist) - unwahrscheinlich, aber eben auch kein Selbstläufer für den DFB. Der Verband hat sich in den vergangenen Tagen noch einmal merklich ins Zeug gelegt, unter anderem mit einem offenen Brief von Joachim Löw.

Einen Plan B, sagt Bierhoff, gebe es nicht. „Und ich möchte ihn mir auch überhaupt nicht vorstellen.“ Er selbst wird nicht in der Stadt sein, wenn gegen 20 Uhr, das Ergebnis bekanntgegeben wird. Dass er es ziemlich doof von den Frankfurtern fände, diese Gelegenheit auszuschlagen - davon kann man getrost ausgehen.

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