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Deutsche U 21 im EM-Finale : „Für solche Momente lebt man“

  • Aktualisiert am

Nicht nur Doppel-Torschütze Nadiem Amiri (links) zeigte eine starke Leistung im Halbfinale. Bild: Reuters

Bei extremer Hitze kämpfen sich die DFB-Junioren ins EM-Finale. Beim Sieg über Rumänien hilft eine besondere Ansprache von Stefan Kuntz. Danach ist nicht nur Bundestrainer Joachim Löw begeistert.

          Nach dem Kraftakt im EM-Halbfinale waren Deutschlands Nachwuchs-Fußballer einfach nur froh über eine kleine Erholungspause. „Jetzt müssen wir schauen, dass wir gut regenerieren“, sagte U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz nach dem kräftezehrenden 4:2 (1:2) gegen Rumänien und dem zweiten Einzug ins EM-Endspiel in Serie. Zwei Jahre nach dem EM-Triumph ist am Sonntag wieder Spanien der Gegner. Dann will die U 21 ihren dritten Titel bejubeln. „Für solche Spiele, für solche Momente lebt man“, sagte Matchwinner Nadiem Amiri.

          U-21-EM 2019

          Der Weg ins Endspiel war für die deutsche U 21 aber alles andere als leicht: Temperaturen um die 40 Grad, ein bissiger und gut eingestellter Gegner und eine hitzige Atmosphäre mit zahlreichen rumänischen Fans machten dem Team vor allem in der ersten Halbzeit das Leben schwer. „Wir haben gedacht, es geht vielleicht doch mit ein paar Prozent weniger“, urteilte Kuntz. Doppeltorschütze Amiri sagte: „Es war einfach zu heiß. Rumänien ist von den Fans gepusht worden.“

          Der Hoffenheimer hatte die DFB-Auswahl zunächst in Führung gebracht 21. Minute), ehe Rumänien mit zwei Toren durch George Puscas das Spiel drehte (27./Foulelfmeter/44.). Luca Waldschmidt besorgte mit einem Elfmeter den Ausgleich (51.), zwei späte Freistoßtore von Waldschmidt (90.) und Amiri (90.+4) sorgten dann für die späte Entscheidung.

          Zu langsam, nicht konsequent genug, wenig spritzig: Die deutsche Mannschaft war den bissigen und aggressiven Rumänen in der ersten Halbzeit unterlegen und lag verdient zurück. „Es war eine sehr, sehr emotionale Ansprache vom Trainer“, sagte Amiri über Kuntz' Auftritt in der Pause, aus der die Mannschaft wie verwandelt kam. Der Coach selbst berichtete: „Wir haben darüber gesprochen, ob wir uns als Mannschaft so von diesem Turnier verabschieden möchten.“

          Nach seiner Sprunggelenkverletzung wurde Amiri gerade rechtzeitig zur EM fit, kam in den drei Gruppenspielen jeweils als Joker zum Einsatz. Gegen Rumänien stand er dann erstmals in der Startelf und wurde direkt zum entscheidenden Mann. „Unser Plan war ja auch, dass wir mich fit kriegen in der Gruppe fürs Halbfinale und das hat gut geklappt“, berichtete der 22-Jährige grinsend.

          Luca Waldschmidt trifft und trifft und trifft und wurde zum Rekordmann. Mit sieben Toren ist der Freiburger auf dem besten Weg zum EM-Torschützenkönig. Er hat schon jetzt genauso viele Tore auf dem Konto wie der bisherige EM-Rekordhalter Marcus Berg 2009 erzielt hatte. „Er hat natürlich eine gute Leistung gezeigt“, lobte Kuntz seinen Stürmer. „Er ist sehr spielintelligent, geht in die Räume, die wir besetzen wollen.“

          Waldschmidt zeigte auch Qualitäten vom Elfmeterpunkt – musste sich aber zuvor gegen einen Teamkollegen durchsetzen. „Nadiem wollte schießen“, verriet Waldschmidt mit Bezug auf den Hoffenheimer Amiri. „Aber ich fühle mich gut. Ich habe gesagt: „Ich nehme den und mache ihn rein“. Das hat gut geklappt.“ Mit seinem verwandelten Strafstoß zum 2:2 gab Sieben-Tore-Mann Waldschmidt der Partie eine neue Wendung. So freute sich auch Amiri, Streit muss Waldschmidt nicht befürchten. „Alles gut, wir sind ein Team, scheißegal“, kommentierte Amiri lächelnd die Aktion.

          Vor zwei Jahren gewann der deutsche Nachwuchs mit einem 1:0-Finalsieg gegen Spanien seinen zweiten U-21-Titel. Dieses Jahr soll sich der Coup wiederholen. Es wäre das erste Mal, dass einer deutschen U 21 die Titelverteidigung gelingt. Und der Gegner im Finale am Sonntag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur U-21-EM und in der ARD) in Udine heißt abermals Spanien. „Die ganze Mannschaft ist heute einfach happy“, sagte Levin Öztunali. „Aber es wird auf jeden Fall noch ein sehr, sehr schwieriges Finale.“

          Bundestrainer Joachim Löw schickte Glückwünsche zum Einzug ins Endspiel an Kuntz und seiner Auswahl. „Ich gratuliere Stefan mit seinem ganzen Trainer- und Betreuerteam. Und natürlich auch allen Spielern zum Einzug ins Finale, auf das sich nun alle freuen“, wird Löw in einem Statement des Deutschen Fußball-Bundes zitiert. „Es ist beeindruckend, wie diese jungen Spieler die Vorgaben umsetzen, wie diszipliniert sie sind, wie sie – wie auch gegen Rumänien – kämpfen und wie viel Spielfreude sie zeigen“, sagte Löw.

           „An so manchem Spieler werden wir bestimmt auch über die U 21 hinaus noch unsere Freude haben“, sagte Löw. DFB-Direktor Oliver Bierhoff meinte: „Die U 21 hat den deutschen Fußball bei der EM in Italien bisher bestens repräsentiert und eine hervorragende Visitenkarte abgegeben.“ Der 51-Jährige ergänzte mit Blick auf den EM-Triumph 2017: „Das Sahnehäubchen wäre jetzt der wiederholte Titelgewinn.“

          Auch DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball zeigte sich begeistert und zog positive Rückschlüsse auf die Situation im deutschen Fußball. „Unsere Mannschaft hat das überragend gemacht“, sagte Rauball. „An allen Ecken und Enden hört man, dass es nicht gut bestellt sei um den deutschen Nachwuchs. Diese Mannschaft hat das heute widerlegt“, sagte Rauball. Der 72-Jährige, der beim Spiel in Bologna dabei war, ergänzte: „Ich habe keine Sorgen um den deutschen Fußball, denn diese Generation hat nicht nur super gespielt, sondern auch gekämpft. Den ein oder anderen Spieler werden wir sicher in der A-Nationalmannschaft wiedersehen.“

          U-21-EM 2019

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