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Finale der U-21-EM : Dieser Titel geht nicht an Deutschland

Diesmal sollte es nicht klappen: Die deutsche U 21 unterliegt Spanien. Bild: Reuters

2017 gewann die U 21 des DFB das Finale gegen Spanien, nun verlieren sie das EM-Endspiel gegen den gleichen Gegner. Entscheidend sind der Start und ein Torwart-Fehler. Doch das Auftreten ist ein Fingerzeig für die Zukunft.

          Es war wieder Spanien, es war wieder ein 30. Juni – so wie vor zwei Jahren im Finale in Krakau. Doch damit endet die Parallele für die deutsche U-21-Auswahl, die damals den EM-Titel nach einem 1:0-Sieg hatte feiern könnten, an diesem Sonntag aber dem Gegner den Pokal und die Party überlassen musste. Mit einem 2:1 gegen Deutschland nach Toren von Fabian (7. Minute) und Dani Olmo (69.) und dem späten Anschlusstreffer durch Nadiem Amiri (88.) ist Spanien zum fünften Mal Europameister in der höchsten Juniorenklasse geworden. „Klar ist es jetzt enttäuschend, aber es geht weiter. Wir konnten viel mitnehmen aus dem Turnier“, sagte der deutsche Kapitän Jonathan Tah in der ARD. „Jeder kann sagen, dass er alles reingehauen hat. Wir haben bis zum Ende alles gegeben, haben es aber leider nicht mehr geschafft.“

          U-21-EM 2019
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Es sei ihm weniger um eine Revanche für 2017 gegangen als darum, „durch einen Erfolg zu bestätigen, dass wir hier eine äußerst brillante Generation beisammen haben“, so der spanische Trainer Luis de la Fuente, der vor einem Jahr Europameister mit der U 19 geworden und danach befördert worden war. Aber auch die Arbeit seines Gegenübers Stefan Kuntz kann sich sehen lassen. Indem er mit seiner Elf abermals bei der U-21-EM bis ins Finale gekommen war, hatte Stefan Kuntz selbst die prominentesten deutschen Trainerkollegen in Bewegung gebracht. Jürgen Klopp hatte aus dem Urlaub eine Videobotschaft geschickt: „Herz schlägt Qualität. Ihr seid die perfekte Mischung aus Herz, einer sensationellen Einstellung, einem phantastischen Teamspirit und riesigem Potential“, schwärmte der sonnengerötete Trainer der „Reds“ aus Liverpool. „Ihr habt ein sensationelles Bild abgegeben und könnt jetzt schon stolz darauf sein, was ihr erreicht habt“. Und Joachim Löw war persönlich nach Udine gekommen. Lukas Klostermann, Rechtsverteidiger sowohl in der Auswahl von Kuntz als auch in der von Löw, hatte dazu vorhergesagt: „Die Anwesenheit des Bundestrainers pusht einen zusätzlich.“

          Doch die beflügelnde Wirkung durch den hohen Besuch ließ zunächst auf sich warten. Es waren die Spanier, die als Erste ihr Spiel aufzogen. Schon nach sieben Minuten hatte ihr Pass- und Bewegungsspiel eine Präzision erreicht, die die deutsche Defensive überforderte. Mittelstürmer Mikel Oyarzabal spurtete weit ins Mittelfeld zurück, verfolgt von Gegenspieler Timo Baumgartl, bekam den Ball, den er zur Seite in den Lauf von Fabian prallen ließ, und dem eröffnete sich nun, von keinem Deutschen verfolgt, der Raum im Zentrum, den der deutsche Innenverteidiger preisgegeben hatte. Aus zwanzig Metern traf der Spanier wuchtig und unhaltbar für Torwart Alexander Nübel.

          Es dauerte eine Viertelstunde, bis die Deutschen einige Sicherheit im Spielaufbau gewannen und nun ihrerseits erste Angriffe zustande brachten – begünstigt davon, dass die Spanier ihnen nun zunehmend das Feld überließen. Es kam zu ersten Torannäherungen, Nadiem Amiri gab scharf von rechts herein, Mahmoud Dahoud fehlten zwei Meter (17.). Dann ein abgefälschter Schuss von Levin Öztunali, gefangen von Torwart Antonio Sivera (24.). Und kurz vor der Pause eine Serie von vier Ecken hintereinander. Die Deutschen waren bemüht, zeigten Zug zum Tor, doch richtige Torchancen sprangen bis zur Pause nicht heraus in der höchst fairen Partie, in der es bis zum ersten Foul, von Spielmacher Dahoud an Spielmacher Ceballos, 27 Minuten, dauerte.

          Hitzige Ausnahmen waren eine Schubserei zwischen Amiri und Fabian, geschlichtet vom serbischen Schiedsrichter Jovanovic, und ein rüdes Foul des früheren Frankfurters Jesus Vallejo, der mit der Sohle voraus das Schienbein von Waldschmidt traf und mit Gelb davonkam. Gleich nach der Pause entfachte ein Torwartfehler die bis dahin größte Gefahr vor dem spanischen Tor, als Sivera einen harten, aber unplazierten Schuss Amiris aus den Händen gleiten ließ, Vallejo aber vor Waldschmidt den Abpraller wegschlagen konnte. Dann versuchte es der Freiburger, dessen sieben Turniertore, Einstellung des EM-Rekordes, der Spanier Ceballos vor dem Spiel „beängstigend“ gefunden hatte, vergeblich aus der Distanz. Die „kleine Welle“, auf der der frühere Torjäger Kuntz seinen aktuellen Torjäger in diesem Turnier gesehen hatte, trug Waldschmidt im Finale nicht mehr.

          Die Niederlage tat Luca Waldschmidt und die deutsche U 21 noch mehr weh als der Tritt eines Spaniers.

          Nach einer Stunde machte Kuntz den Wechsel von Florian Neuhaus zu Suat Serdar, den er in der Startelf vorgenommen hatte, wieder rückgängig. Doch der entscheidende Durchbruch aus dem Mittelfeld wollte nicht gelingen. Neuhaus wurde hart, aber fair im spanischen Strafraum von Vallejo gestoppt, und daraus entwickelte sich ein Konter der Spanier, der durch die zurückgeeilte Abwehr schon gestoppt schien. Doch dann schoss Fabian hart, aber unplaziert aus zwanzig Metern, Torwart Nübel ließ den Ball nach vorn prallen, und der glänzende Techniker Olmo lupfte den Ball elegant über den herausstürzenden Nübel.

          Den Deutschen wurden die Beine und die Köpfe schwer, und die Spanier bekamen nun viele Chancen, die sie im Gefühl des sicheren Sieges vergaben. Fabian verzog um Zentimeter, Soler traf die Latte. So mussten sie noch einmal zittern, als Amiri mit einem abgefälschten Distanzschuss der späte Anschlusstreffer gelang, der ein letztes Aufbäumen der Deutschen einleitete. Es blieb ohne Ertrag. „Wir können insgesamt sagen, dass es eine tolle U 21 ist“, sagte Kuntz nach dem Finale in der ARD: „Es gibt so viele Spieler, die so viele Schritte gemacht haben. Klar, es ist leider ein Abschluss.“ Es war das unglückliche, aber nicht unrühmliche Ende einer Spielergeneration, aus der man manchen vielleicht im A-Nationalteam wiedersehen wird. „Hier steckt sehr viel Potential drin“, hatte Kuntz schon vor dem Finale bilanziert. „Unsere Jungs haben bewiesen, dass sie sich in ihrem Alter hinter niemandem in Europa verstecken müssen.“

          U-21-EM 2019

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