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3:2 gegen Niederlande : Deutschland siegt mit Schulz’ Schlusspointe

Torschützen unter sich: Leroy Sané (links) und Nico Schulz Bild: Reuters

Zum Auftakt der EM-Qualifikation sieht es für das DFB-Team lange nach einem souveränen Sieg aus. Doch dann drehen die Niederländer auf. Am Ende aber jubelt dennoch die deutsche Mannschaft.

          Am Ende wurde noch einmal das schwarz-weiße Trikot ausgerollt im deutschen Block – und nach Kräften gesungen. Bis kurz vor Schluss hatte es nach einem 2:2 ausgesehen in Amsterdam. Ein Ergebnis, das ganz gut gepasst hätte zu diesem Spiel mit zwei völlig verschiedenen Halbzeiten. Doch in der 90 .Minute traf Nico Schulz doch noch zum 3:2 für die Mannschaft von Joachim Löw, die sich fünfeinhalb Monate nach der Demütigung an selber Stelle über einen beachtlichen Erfolg freuen durfte.

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          Dieser Sieg zum Auftakt der EM-Qualifikation fühlte sich ausgesprochen süß und wertvoll an, auch mit Blick auf den Erneuerungsprozess, der im November vergangenen Jahren, nach dem 0:3, Fahrt aufgenommen hatte. 45 Minuten spielte die deutsche Mannschaft am Sonntagabend so frei und frech auf, wie das kaum jemand für möglich gehalten hätte – auch nicht die Niederländer offenbar, die beinahe überrumpelt wirkten vom stürmischen Besuch dieses Nachbarn. „Die erste Halbzeit war klasse“, sagte dann auch Löw bei RTL. „Wir hatten das Spiel absolut unter Kontrolle.“

          Doch weil der bemerkenswerten ersten Hälfte der Deutschen eine sehr viel schwächere zweite folgte, glichen Matthijs de Ligt (47.) und Memphis Depay (63.), der schon während der Woche beim 4:0 der Niederländer gegen Weißrussland zwei Tore und zwei Vorlagen beigesteuert hatte, die deutsche Führung durch Leroy Sané (15.) und Serge Gnabry (34.) aus. Dann aber sorgte Schulz noch für die Schlusspointe. Im Juni geht es für die Deutschen in der Qualifikation weiter, dann in Weißrussland und gegen Estland. „Wir haben den Glauben nicht verloren, dass wir das Spiel gewinnen können und haben dann mit einem guten Angriff die Entscheidung herbeigeführt“, lobte Löw seine Mannschaft. „Nach dem 2:2 war es echt schwierig, aber wir haben den Mut nicht verloren und alles versucht und zum Glück noch das Siegtor erzielt“, sagte Kapitän Manuel Neuer.

          Löw hatte gleich sieben Änderungen in der Startelf vorgenommen. Die größte Überraschung bestand darin, dass Marco Reus, der Raumöffner am Mittwoch in Wolfsburg, zunächst auf der Bank blieb. Der Bundestrainer erklärte das vor dem Anpfiff mit Oberschenkelproblemen, die den Dortmunder plagten. So fand sich neben Sané und Gnabry auch ein Platz für Leon Goretzka, den Torschützen gegen Serbien. Die Komposition des Teams erinnerte stark an das 2:2 gegen die Niederlande im vergangenen November, als die Deutschen bis kurz vor Schluss ein sehr gutes Spiel gemacht hatten, ehe sie den Sieg noch aus der Hand gaben. Goretzka statt Reus (und seinerzeit Werner) – auf dem Papier sah das zwar nach einer vorsichtigen Version mit zusätzlicher Sicherung aus, tatsächlich störte Goretzka oft und wirkungsvoll die Kreise von Frenkie de Jong, dem Oranje-Jungstar im Mittelfeld, insgesamt aber bewegte er sich oft auf einer Linie mit Sané und Gnabry.

          Diese beiden waren es, die im Spiel nach vorne den Ton angaben – und wie. Es war eine Fortsetzung dessen, was Sané gegen Serbien gezeigt hat, nur diesmal in doppelter Ausführung. Mit ihrem Tempo und ihrer Spiellaune setzten sie gleich zu Beginn ein Zeichen – auch wenn das nicht sofort belohnt wurde. Gnabry schloss ein Zusammenspiel mit Sané nach zwei Minuten nicht präzise genug ab. Aber ein Anfang war gemacht, und auch danach machte das deutsche Team einen höchst aufgeweckten und tatendurstigen Eindruck.

          In der Abwehr hatte die Dreierkette mit Niklas Süle als Chef im Zentrum die Lage im Griff, auf den Außenpositionen wurde sie von Thilo Kehrer und Nico Schulz zu einem Fünferriegel ergänzt. Das Zentrum bildeten Toni Kroos und Joshua Kimmich, ein Gespann, um das herum Löw seine Mannschaft bauen will, wie im Lauf der Woche noch einmal deutlich gewordenen war: Dem Münchner sicherte er bis auf Weiteres die Rolle vor der Abwehr zu, die dieser auch am Sonntag sehr sorgfältig und intelligent ausfüllte. Als er einen Ball von de Jong abfing und nach vorn eilte, schien er schon auf dem Weg zur Führung, doch bei allen Qualitäten – ein Klose ist Kimmich nicht. Für Kroos hatte Löw in Amsterdam sogar das Prädikat „unverzichtbar“ gewählt. Aus Madrid wird in dieser schweren Saison für Real immer wieder berichtet, dass Kroos für den königlichen Schlamassel mitverantwortlich sei, zum Nationalteam aber war er wie gewohnt mit royalem Selbstvertrauen angereist. Sein scharfer Pass, der links Schulz auf die Reise schickte, leitete die Führung ein. Schulz bediente Sané, und wie der am Strafraumeck in kürzester Zeit den Ball umsetzte – Annahme, Linksschuss ins lange Eck – war nicht nur ein Volltreffer, sondern ein echter Hingucker.

          Bis dahin hatten die Niederländer noch nichts Nennenswertes Richtung deutsches Tor zustande gebracht, das aber änderte sich nun: Zwei Mal bot sich Ryan Babel die Gelegenheit zum Direktschuss, einmal aus der Halbdistanz, einmal aus der Nähe, aber beide Male reagierte Neuer meisterhaft (25. und 27.). Es waren Schreckmomente, die erst einmal folgenlos blieben. Als Gnabry dann nach 34 Minuten einen herrlichen Schlenzer in den rechten Torwinkel setzte, sah es schon nach rundum einem wunderbaren Abend für Löws Team aus, zumal die Deutschen bis zur Pause noch hätten erhöhen können, bei einem Kopfball von Kehrer (39.) und einem Schuss von Sané (40.), der ihm allerdings nicht rundum glückte.

          Nach der Pause aber wollten es die Niederländer noch einmal wissen, sie gingen nun ganz anders zu Werke und schafften es schnell, einen Treffer zu setzen. Nach einem Eckball klärte die deutsche Defensive nicht entschlossen genug, Depay bediente de Ligt, und gegen dessen Kopfball war Neuer machtlos. Vom deutschen Elan und Selbstvertrauen der ersten 45 Minuten war nun nichts mehr zu sehen. Wo gerade noch Kontrolle war, lief Löws Team nun überall hinterher, von Entlastung konnte keine Rede sein. Unter dem wachsenden Druck erwies sich die bisherige Stabilität als brüchig, so dass sich weiteres Unheil schon ankündigte. Auch Depay profitierte davon, dass die deutsche Abwehr den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekam, viel zu frei kam er zum Schuss – der Ball war im Tor und Neuer sauer. Danach drängte die Niederlande, ohne aber zu Großchancen zu kommen. Die bot sich überraschend Schulz auf Zuspiel des gerade erst eingewechselten Reus.

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