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FAZ.NET-Regelecke : „Die Nummer eins sind nicht mehr wir!“

Gehen nun die Deutschen so? Bild: dpa

Ein Jahr nach dem Gewinn des WM-Titels hält die Fifa die Deutschen nicht mehr für die beste Fußball-Nation der Welt. In der aktuellen Weltrangliste muss der Weltmeister ausgerechnet dem Verlierer von Rio den Vortritt lassen. Wieso eigentlich?

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          Was soll das, Fifa? Da erinnert sich ganz Deutschland in diesen Tagen nicht nur an seinen dritten WM-Titel vor 25 Jahren in Italien, sondern auch an das die Fußball-Welt für immer verändernde 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale vor einem Jahr – und dann erklärt der Weltverband, dass die Deutschen nicht mehr das allerbeste Fußballvolk auf der ganzen Welt sind. Nicht einmal ein Jahr ist vergangen, seit Schweinsteiger, Neuer und Co. auf dem Rasen von Rio „Die Nummer eins der Welt sind wir“ sangen, da lässt die Fifa den aktuellen Weltmeister in ihrer an diesem Donnerstag neu veröffentlichten Weltrangliste schon auf den zweiten Platz abrutschen.

          Sebastian Reuter
          (sreu.), Online-Redakteur/in vom Dienst

          Und aus welchem Land sollen stattdessen die besten Fußballspieler der Welt kommen? Richtig, aus Argentinien! Aus jenem Land also, dass vor einem Vierteljahrhundert durch Andy Brehmes Elfmetertreffer unterlag, im vergangenen Jahr durch Mario Götzes goldenes Tor verlor und erst vor wenigen Tagen auch noch im Endspiel um die Copa América gegen Chile im Elfmeterschießen scheiterte.

          Letzter Titel vor 22 Jahren

          Vor 22 Jahren haben die Argentinier zum letzten Mal die Südamerika-Meisterschaft gewonnen, ihr letzter Weltmeistertitel liegt sogar 29 Jahre zurück. Und mit Lionel Messi wirkt selbst einer der zwei besten Fußballspieler des Planeten zwischen alternden Stars wie Mascherano, Higuain und Tevez nicht mehr ganz taufrisch.

          Der Grund für diesen Führungswechsel liegt in der zuweilen etwas seltsam anmutenden Berechnung der Fifa-Rangliste versteckt: Darin werden von jedem Team die Ergebnisse der letzten 48 Monate berücksichtigt und mit einer speziellen Formel verrechnet. Diese bezieht sich sowohl auf den Ausgang der einzelnen Partien, als auch auf die Bedeutung des Spiels, die Stärke des Gegners sowie der Stärke des Kontinentalverbandes der beiden Mannschaften.

          Wieder kein Titel: Mit Argentinien hat Lionel Messi noch nicht viel gewonnen
          Wieder kein Titel: Mit Argentinien hat Lionel Messi noch nicht viel gewonnen : Bild: AP

          Das bedeutet, dass ein regulärer Sieg mehr Wert ist, als ein Triumph im Elfmeterschießen; ein 1:0 im WM-Viertelfinale gegen Frankreich mehr Punkte bringt, als ein 2:1 im Freundschaftsspiel gegen dasselbe Team und Siege gegen Brasilien generell mehr Punkte einbringen als Siege gegen Gibraltar. Das wiederum hat zur Folge, dass die Argentinier mit ihrem Finaleinzug bei der Copa América deutlich mehr Weltranglistenpunkte sammeln konnten, als es dem deutschen Team mit den gerade einmal zwei WM-Qualifikationsspielen (gegen Georgien und Gibralter) und den beiden Freundschaftsspielen (gegen Australien und Amerika) in diesem Jahr jemals möglich gewesen wäre. Dass die Deutschen nun also „Die Nummer eins der Welt sind nicht mehr wir“ singen müssten, ist, auch bei den zuletzt nicht wirklich glamourösen Auftritten, nicht ihre Schuld.

          Doch auch die schlechten Plazierungen anderer Teams könnte den Deutschen bald Probleme bereiten: Trotz des Verlustes des ersten Platzes bleibt das Team von Trainer Joachim Löw bei der Auslosung für die Qualifikation zur WM 2018 in Russland zwar in Topf 1 gesetzt – es könnte es aber in den Gruppenspielen schon mit Frankreich oder Italien zu tun bekommen. Denn beim Blick auf die Fifa-Rangliste erklärt sich zwar nicht wirklich eindeutig, warum Rumänien (8. Platz) nun deutlich vor den Italienern (17.) und den Franzosen (22.) rangiert, aber weil es eben so ist, schaffen es die großen Namen nur noch in den zweiten Lostopf.

          Auch warum Wales (10.) deutlich besser als Schottland (29.) sein soll und die Amerikaner (34.) hinter den Tunesiern (32.) plaziert sind, erschließt sich nicht direkt. Wenigstens tummeln sich immer noch Fußball-Nationen wie Dschibuti, die Cook-Inseln und Anguilla auf den hintersten Plätzen 207 bis 209 - irgendwie beruhigend für Fußballfans.

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