https://www.faz.net/-gtl-9og6z

Hitzeschlacht bei U-21-EM : Deutschland mit kühlem Kopf ins Finale

Nach Nadiem Amiris 4:2 war das Halbfinale der U-21-Em entschieden. Bild: Reuters

Die deutsche U 21 rafft sich nach schwacher erster Halbzeit auf und gewinnt das Halbfinale gegen Rumänien doch noch. Bei 40 Grad in Bologna ragen zwei Spieler der DFB-Auswahl heraus.

          Neunzig Minuten bei vierzig Grad sind ein gutes Rezept für zarte Braten im Niedrigtemperaturgaren. Am Donnerstag haben die deutschen Fußballjunioren bewiesen, dass man nach dieser Methode auch ein Fußballspiel bestreiten und gewinnen kann. Mit einem 4:2-Sieg über Rumänien haben sie sich im Halbfinale der U-21-Europameisterschaft in Bologna die Chance erkämpft, im Endspiel am Sonntag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur U-21-EM und in der ARD) gegen Spanien, das sich im anderen Halbfinale mit 4:1 gegen Frankreich durchsetzte, den vor zwei Jahren gewonnenen Titel erfolgreich zu verteidigen.

          U-21-EM 2019
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Mit dem 1:2-Rückstand zur Pause war das Team von Stefan Kuntz nach der Führung durch Nadiem Amiri (21. Minute) und den zwei Treffern von George Puscas (26./43.) noch gut bedient gewesen, nahm das Spiel aber nach dem Ausgleich durch einen von Luca Waldschmidt verwandelten Foulelfmeter (51.) in die Hand. Den Erfolg besiegelten in der Schlussphase Waldschmidt (90.) und Amiri (90+4.) jeweils mit Freistoßtoren. „Wir mussten in der zweiten Halbzeit ein anderes Gesicht zeigen“, sagte Waldschmidt, der mit seinem siebten Turniertor den EM-Rekord des Schweden Marcus Berg eingestellt hat. „Wir haben dann den Ball laufen lassen und die Rumänen müde gespielt.“ Amiri, den Kuntz „aus einem Bauchgefühl heraus“ für Marco Richter in die Startelf gebrachte hatte, zeigte sich „glücklich, dass ich dem Trainer das Vertrauen zurückzahlen konnte“. Kuntz sagte im ZDF, dass er angesichts der zweiten Halbzeit „nur den Hut vor meinen Jungs ziehen“ könne.

          Rumänien war nicht Kuntz’ Lieblingsgegner, wie er erklärt hatte. Man sah rasch, warum. Deutschland war nach 21 Minuten durch einen Konter über Amiri in Führung gegangen – der Hoffenheimer trieb den Ball über fünfzig Meter und vollendete flach ins linke Eck. Doch das hielt nur fünf Minuten. Nach Foul von Timo Baumgartl an Ianis Hagi traf Puscas den Pfosten, danach wurde per Videobeweis auf Elfmeter entscheiden – den vierten gegen Deutschland im vierten Spiel. Torwart Alexander Nübel erreichte den Elfmeter von Puscas mit der Hand, konnte den Ausgleich aber nicht verhindern.

          Danach dominierten die Rumänen die erste Halbzeit, zogen sich dann kurz vor der Pause einmal überraschend zurück und überließen den Deutschen den Ball, ohne sie groß zu stören. Die Folge war der längste deutsche Ballbesitz im ganzen Spiel, eine Stafette allerdings ohne Tempo, ohne Raumgewinn, 75 Sekunden mit 26 Stationen, ehe die Deutschen mit der 27. den Ball folgenreich herschenkten. Beim Versuch, den Ball in die eigene Hälfte zurückzuschlagen, schoss der für den gesperrten Benjamin Henrichs ins Team gekommene Maximilian Mittelstädt den Kollegen Maximilian Eggestein an, so dass der Ball Hagi vor die Füße viel.

          Der rumänische Regisseur schlug einen Fünfzig-Meter-Steilpass diagonal auf Linksaußen Andrei Ivan, der Puskas mit einer präzisen Flanke bediente. Der Mittelstürmer drückte seinen Kopfball unbedrängt zum 2:1 ins rechte Eck – und hätte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit mit einer fast identischen Aktion um ein Haar einen Hattrick komplettiert. Doch Nübel verhinderte das dritte Gegentor mit einer Parade, die auch seinen Vorbildern Neuer und ter Stegen zur Ehre gereicht hätte, und rettete sein Team dank seiner Blitzreaktion mit einem noch überschaubaren Rückstand in die Kabine.

          Ihre erste Ecke gewann das deutsche Team erst nach fünfzig Minuten. Sie führte prompt zur Wende. Der Ball kam flach in den Rückraum auf Mohamed Dahoud, dessen Schusschance schon vertan schien, doch Hagi zog ihn am Trikot, Dahoud fiel – Elfmeter. Amiri überließ die Ausführung Waldschmidt, und der traf mit etwas Glück. Ionut Radu brachte die Hand an den Ball, doch es stand 2:2.

          Von da an dominierten die Deutschen gegen die körperlich angegriffener wirkenden Rumänen. Doch vergaben sie ihre Chancen zunächst zu freigiebig. Waldschmidt scheiterte aus kurzer Entfernung an Radu (54.), verfehlte dann, nach starkem Diagonallauf von Amiri und Rückpass von Levin Öztunali mit einem Schlenzer aus zwölf Metern den oberen Winkel des langen Torecks (70.) – und verfehlte das Ziel aus sechs Metern nach einem Abpraller (83.).

          Noch besser schien die Gelegenheit für den eingewechselten Lukas Nmecha, der nach 86 Minuten bei einem langen Pass von Kapitän Jonathan Tah von einem rumänischen Stellungsfehler profitierte, den Ball mit der Brust annahm, dann aber völlig frei aus zwölf Metern weit über das Tor schoss. Und doch war es der bullige, in England aufgewachsene Mittelstürmer, der die entscheidende Szene einleitete. Wieder bediente ihn Tah mit einem langen Ball, Verteidiger Alexandru Pascanu foulte ihn, und Waldschmidt schoss den daraus resultierenden Freistoß aus 17 Metern flach durch die rumänische Mauer zum 3:2. Ein Tor als Maßarbeit – erst zwischen den Beinen eines Abwehrspielers, dann zwischen der Hand des Torwart und dem Innenpfosten flutschte der Ball ins Netz.

          Drei Minuten später musste Pascanu dann vom Platz, weil er Nmecha bei einer Konterchance abermals kurz vor dem Strafraum festhielt – und abermals bestraften das die Deutschen. Amiri drehte den Ball über die Mauer zum Endstand ins Netz. Er krönte damit die Leistung einer Mannschaft, die sich mit kühlem Kopf im Glutofen ein finales Filetstück bereitet hat.

          U-21-EM 2019

          Weitere Themen

          Kältekammer für müde Pferdebeine Video-Seite öffnen

          Cryotherapie : Kältekammer für müde Pferdebeine

          Auch Rennpferde sind Hochleistungssportler. Was bei den Menschen das Eisbad nach einem harten Training ist, ist für Pferde neuerdings die Cryokammer. Die Tiere werden in einen Behälter geführt, in dem die Temperatur auf -140 C° heruntergekühlt wird.

          Abschied eines Werbegags

          Basketball-Bundesliga : Abschied eines Werbegags

          Der mit viel Wirbel verpflichtete einstige Basketball-Nationalspieler Andrej Mangold, eher bekannt aus der RTL-Show „Der Bachelor“, erhält keinen neuen Vertrag bei den Skyliners Frankfurt.

          Topmeldungen

          Wegen Amazonas-Bränden : Europa droht Bolsonaro mit Blockade

          Der Streit mit Brasilien um die Waldbrände eskaliert: Finnland prüft ein Einfuhrverbot für brasilianisches Rindfleisch in die EU. Irland und Frankreich drohen, ein Handelsabkommen zu blockieren. Politiker aus Europa schießen gegen Präsident Bolsonaro.
          Empfindet Schäubles Äußerungen als „wohltuend“: der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Streit über Maaßen : Nach der Attacke ist vor der Attacke

          Mit einer gezielt gesetzten Äußerung heizt Wolfgang Schäuble den Streit um einen möglichen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen weiter an. Wieso macht er das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.