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0:3 in den Niederlanden : Deutschland ist in Abstiegsgefahr

Der Negativtrend hält an: Jonas Hector und die deutsche Nationalmannschaft nach der Niederlage in Amsterdam. Bild: EPA

Rückschlag für die deutsche Nationalmannschaft: In Amsterdam verliert das Team von Bundestrainer Löw gegen die Niederlande deutlich. Zur Halbzeit der Gruppenphase in der Nations League ist Deutschland Tabellenschlusslicht.

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          Die von vielen belächelte Nations League als Reiz und Chance - so hatte Joachim Löw das in dieser Oktoberwoche noch einmal aufs Neue propagiert. Man könnte auch sagen: Der Bundestrainer liebte die Herausforderung, zumindest versuchte er, diesen Eindruck nach außen zu vermitteln. Was das anging, barg der Samstagabend aber eben auch eine erhebliche Fallhöhe. Alles schön und gut, das hatte sich nach den September-Länderspielen gegen Frankreich (0:0) und Peru (2:1) vielleicht sagen lassen, aber es war auch klar, dass erst der Oktober ein belastbares Bild davon zeigen würde, in welche Richtung die Reise geht für die gefallenen Weltmeister.

          Und weil gleich die erste Prüfung im emotional aufgeladenen Nachbarschaftsduell mit den Niederlanden in der ausverkauften Johan-Cruijff-Arena nicht nur danebenging, sondern mit 0:3 in einen regelrechten Untergang mündete, muss man feststellen: abwärts. Nach dem Absturz in Russland heißt die bittere Realität im Herbst 2018 nun: Abstiegsgefahr. Die am Dienstag in Paris (20.45 Uhr/ live im F.A.Z.-Länderspiel-Liveticker) akut werden könnte, wenn der Weltmeister Frankreich vor eigenem Publikum gegen den entthronten sein wahres Gesicht zeigt.

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          Die Niederlage in Amsterdam schienen die Spieler nicht wirklich wahrhaben zu wollen. „Wir werden jetzt in die Fresse kriegen“, sagte Innenverteidiger Mats Hummels. „Aber wir haben ein Spiel 3:0 verloren, das wir eigentlich gewinnen müssen.“ Auch Kapitän Manuel Neuer verteidigte sein Team mit den Worten, dass „das Spiel auch hätte anders laufen können“.

          Bundestrainer Joachim Löw gestand unterdessen ein, dass die Niederlage durchaus auch Gründe im Spiel des deutschen Teams hatte. „Es war nicht alleine unsere mangelnde Chancenverwertung der Grund für die Niederlage“, sagte Löw. „Nach dem 0:1 haben wir gemerkt, dass uns das Selbstvertrauen fehlt. Bis zum 0:1 haben wir das Spiel kontrolliert. Wir haben gute Chancen gehabt, schaffen es aber nicht, den Ball im Tor unterzubringen, was gut für das Selbstvertrauen wäre. Dass wir am Ende so auseinanderbrechen, ist schlecht."

          Ratlos, gelähmt

          In Amsterdam begann Löws Team zwar solide, wirkte aber nach dem 0:1 durch Virgil van Dijk in der 30. Minute mit zunehmender Spieldauer ratlos phasenweise wie gelähmt. Erst am Schluss, mit frischen Kräften, regte sich etwas. Aber weil Memphis Depay (87.) und Georginio Wijnaldum (90.+3) noch zwei Konter abschlossen, wird die Reise nach Paris für den Bundestrainer und sein Team eine äußerst heikle – auch angesichts des mittlerweile erschreckenden Mangels an Schärfe vor des Gegners Tor. Es war das fünfte von zehn Spielen dieses Jahres, in dem Löws Team ohne Treffer blieb. Karge acht waren es insgesamt. Das ist, gemessen an den deutschen Ansprüchen, unterirdisch.

          Dabei hatte der Bundestrainer es in Amsterdam auch im Sturm mit einer Überraschung versucht. Mark Uth durfte als hundertster Debütant seiner Amtszeit beginnen. Der nachnominierte Emre Can wurde mit einem Startplatz im Mittelfeld bedacht. Dort galt es, die Kreise von Frenkie de Jong zu stören, des vielleicht größten Talents der unter Bondscoach Ronald Koeman wieder aufstrebenden Niederländer. Der deutsche Blick war aber auch auf das gerichtet, was der Bundestrainer gern als seine „Achse“ bezeichnet: die Gruppe der arrivierten Kräfte vor allem aus den Reihen des FC Bayern: Neuer, Boateng, Hummels, Müller, die Weltmeister-Generation also, dazu Kimmich, der wieder als „Sechser“ gefragt war.

          Ein Fehler führt zum Rückstand: Das 0:1 geht auf Neuers Kappe. Bilderstrecke

          Eine halbe Stunde lang brachte das noch ein passables Ergebnis. Vor allem Uth rechtfertigte den Einsatz durch großes Engagement und einige griffige Aktionen. Zwei Mal kurz nacheinander kam er in aussichtsreiche Abschluss-Situationen (19. und 20.). Doch in letzter Konsequenz vermochte er daraus ebenso wenig etwas zu machen wie beim FC Schalke in bislang zehn Pflichtspielen. Weil das auch für Werner galt, nach Vorarbeit von Müller (15.), sowie für Müller selbst (18.), stand die Null. Es war längst kein überwältigender Auftritt der Deutschen. Aber bis dahin zumindest ein solider, Und es gelang ihnen, die orange Gefahr auf ein annehmbares Maß herunterzudimmen.

          Das änderte sich schlagartig, als nach einem Eckball von rechts Babel zum Kopfball hochstieg, ein Stückchen höher als Hector. Der Ball sprang zwar an die Unterkante der Latte, doch das war nur ein Sekundenglück für die Deutschen, weil Kapitän van Dijk goldrichtig für den Abpraller stand. Nun war Deutschland in Not, Oranje wollte mehr und kam dem ein, zwei Mal nahe – vor allem vier Minuten nach der Führung, als Ginter nach einer Hereingabe von rechts seinen Fuß im allerletzten Moment noch vor Babel an den Ball bekam. Auch Löws Team bekam vor der Pause noch seine Chance, und hätte die in Person von Müller besser nutzen müssen, doch der Münchner, von Can exzellent freigespielt, traf aus zwölf Metern nur das Außennetz.

          Draxler und Sané sollten es richten

          Was würde Löw unternehmen? Personell zunächst einmal nichts. Unverändert kamen die Deutschen aus der Pause und versuchten sich gegen die Niederlage zu stemmen. Es waren nun russische Reminiszenzen in Amsterdam: eine deutsche Mannschaft, die das Risiko erhöhte und dem Tor näherkam, wiederum durch Müller (48.) und einen Kopfball von Hummels (53.). Doch auch wenn der Wille zu erkennen war: Es blieb zu uninspiriert und zu schwerfällig, um wirklich etwas in Bewegung zu bringen.

          Und es hatte natürlich den Preis, dass sich den Niederländern Räume zum Kontern auftaten. In der 57. Minute brachte der Bundestrainer Leroy Sané für Müller und Julian Draxler für Can. Zwei Hochbegabte sollten also retten, was zu retten war. Die Gelegenheit bot sich schnell, Kimmich setzte Sané perfekt in Szene, doch auch der Mann von Manchester City fügte sich mit einem unplatzierten Schuss ein in die quälende deutsche Misere vor dem Tor. Wie es besser geht – das war am Ende in Oranje zu studieren.

          „Jetzt müssen wir in Frankreich Charakter beweisen nach einer herben Niederlage“, sagte Löw mit Blick auf das bevorstehende Duell mit dem Weltmeister in Paris.

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