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2:0 für DFB-Frauen : Deutschland gewinnt das Schicksalsspiel auf Island

Frau des Tages: Svenja Huth erzielt die beiden deutschen Tore auf Island Bild: dpa

Die deutschen Fußballfrauen ebnen den Weg zur WM im kommenden Jahr: Durch einen 2:0-Sieg auf Island übernimmt das Team von Trainer Hrubesch die Tabellenführung in ihrer Gruppe. Nun steht nur noch ein Pflichtsieg aus.

          Die deutschen Fußballfrauen haben die große Bewährungsprobe auf Island bestanden und die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Frankreich so gut wie sicher. Durch einen 2:0-Sieg gegen Island in Reykjavik nach zwei Treffern von Svenja Huth (42./74. Minute) haben die bis zum Ende der QM-Qualifikation interimsweise von Horst Hrubesch betreuten deutschen Frauen die Tabellenführung in WM-Qualifikationsgruppe 5 übernommen und können nun am Dienstag mit einem Sieg auf den Färöer das Ticket für das Endturnier im kommenden Sommer sichern und somit das befürchtete erste Fehlen bei einer WM vermeiden. Ein solches Szenario hätte einen Tiefschlag bedeutet für den deutschen Frauenfußball, der in den vergangenen beiden Jahren an Stellenwert im internationalen Vergleich verloren hat.

          Nun aber dürfte sich Optimismus breitmachen, da viele auf die von Oktober an verantwortliche Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und den von ihr erwarteten neuen Schwung hoffen.

          Spielplan der Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich

          „Wir sind sehr froh, dass wir die drei Punkte mitnehmen. Das haben wir uns fest vorgenommen, das hat man von der ersten Sekunde an gesehen. Jetzt können wir zuversichtlich auf die Färöer fliegen“, sagte Huth. „Wir wussten, dass wir unter schwierigen Bedingungen gewinnen müssen, haben uns aber darauf gut eingestellt.“ Trainer Horst Hrubesch bemängelte lediglich den fahrlässigen Umgang mit Torchancen. „Wir haben das umgesetzt, was wir wollen. Wir hatten die Kontrolle über das Spiel, obwohl auch Island für seine Verhältnisse genial aufgetreten ist. Großes Lob auch an den Gegner“, sagte der Interims-Bundestrainer. Dafür lobte er seine Torjägerin für ihren vorblidlichen Eifer. Ihre nun insgesamt sechs Tore in der WM-Qualifikation haben zum Zuwachs an Ansehen in der Mannschaft beigetragen.

          Die Torjägerin Huth ist eine Jones-Entdeckung

          Huths Aufstieg begann freilich schon unter Hrubeschs Vorgängerin. Steffi Jones hatte die Stürmerin zur Überraschung der meisten Beobachter vor der EM 2017 zu ihrer Torjägerin erkoren, obwohl die beim FFC Frankfurt ausgebildete Spielerin als „Chancentod“ in zuvor 27 Länderspielen kein einziges Tor erzielt hatte. Die fehlende Kaltschnäuzigkeit hatte dazu beigetragen, dass sie zur Rechtsverteidigerin umgeschult wurde. Erst bei ihrem neuen Klub Turbine Potsdam durfte Huth wieder ihrem Offensivstreben nachgeben. Es mag im Nachhinein für die im März suspendierte Jones entlastend wirken, dass Huths Ausfall zu EM-Beginn ein für das Desaster wichtiger Grund gewesen sein mag.

          Steffi Jones ist Vergangenheit, ihre Prophezeiung bezüglich der Olympiasiegerin von 2016 aber ist wahr geworden. In Reykjavík wurde Huth zur Frau des Spiels. Den Grund für den Wesenswandel vor des Gegners Tor sieht sie in ihrem Wechsel nach Potsdam begründet, für den sie ihre vertraute Umgebung im Rhein-Main-Gebiet 2015 verlassen hatte. „Ich habe mich dort auf und neben dem Platz weiterentwickelt, musste mein Leben neu organisieren und habe auch auf dem Platz viel mehr Verantwortung übernommen“, sagte sie schon im vergangenen Jahr.

          Island war gerüstet, aber chancenlos

          Island, das dank des überraschenden 3:2-Hinspielsiegs in Wiesbaden als Tabellenführer in die Partie gegangen war, hatte sich gerüstet für das Endspiel um die direkte Qualifikation für die WM: Erstmals in der Geschichte des Inselstaats war das Nationalstadion Laugardalsvöllur bei einem Frauenfußallspiel mit 15.000 Zuschauern ausverkauft. Die Isländer kamen in der Hoffnung, dass nach ihren Männern auch die Frauen mit einer ersten, sensationellen WM-Qualifikation Grund für ein stolzes „Hu!“ bieten könnten. Ihr Trainer Freyr Alexanderson schickte sein Team um die in der Bundesliga für den deutschen Meister VfL Wolfsburg spielende Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir mit der Maßgabe ins Spiel, dass zwei von drei möglichen Ausgängen perfekt seien für sein Team, ein Unentschieden hätte seinem Team schließlich genügt. Entsprechend defensiv agierten die Gastgeberinnen, Alexanderson zog einen dichten Abwehrriegel vor dem eigenen Tor auf.

          Die Deutschen, bei denen Kristin Demann für die wegen einer Lungenembolie fehlende Dzsenifer Marozsan die Spielführerinnenbinde trug, mussten in ihrem Bemühen um einen Sieg nicht nur dem Gegner, sondern auch den widrigen äußeren Bedingungen trotzen: Immer wieder zogen Regenschauer über Reykjavik hinweg, starker Wind erschwerte das Spiel zusätzlich. Merkwürdigerweise versuchten es die Deutschen anfangs trotzdem mit vielen langen Bällen und Flanken, einem gerade gegen die körperlich robusten Isländerinnen wenig adäquaten Mittel. Chancen blieben deshalb lange Mangelware. Nur Sara Däbritz kam einmal aussichtsreich zum Abschluss, ihr Schuss landete jedoch an der Latte (12. Minute). Zudem leisteten sich die DFB-Frauen vor den Augen des wegen der Bedeutsamkeit des Spiels eigens angereisten DFB-Präsidenten Reinhard Grindel wie in den letzten Jahren gewohnt teils groteske Abspielfehler im Spielaufbau, die allerdings unbestraft blieben.

          Dominante Deutsche

          Der erlösende Führungstreffer fiel in der 42. Minute, nachdem sich die Deutschen ihrer spielerischen Qualitäten besannen und mit mutigerem Passspiel zunehmend in der isländischen Hälfte festgesetzt hatten. Die isländische Torhüterin Gunnarsdottir konnte einen Distanzschuss von Melanie Leupolz nur nach vorne abklatschen, Svenja Huth schoss im Nachschuss aus vier Metern ein.

          Kurz nach der Pause verweigerte die schwedische Schiedsrichterin Pernilla Larsson dem deutschen Team zunächst einen Treffer, weil sie einen Luftzweikampf zwischen Torhüterin Gunnarsdottir und der deutschen Stürmerin Lea Schüller als irregulär bewertete. Kurz zuvor hatte Alexandra Popp den Ball aus nur einem Meter Entfernung über das Tor geschossen. Mit zunehmender Spieldauer erwies sich das Team des zweifachen Weltmeisters nun körperlich überlegen, obgleich aufgrund des späten Bundesligabeginns erst Mitte September die Spielpraxis und die letzte Fitness fehlen. Island, das vor gut einem Jahr in Wiesbaden Deutschland fast nach Belieben ausgekontert hatte, kam gegen die aufmerksame deutsche Defensive im gesamten Spiel zu keiner ernsthaften Torchance. Es musste dennoch bis zur 74. Minute warten, ehe abermals die Potsdamerin Huth nach einer feinen Kombination aus elf Metern das 2:0 erzielte. „Es war das erwartet schwere Spiel, das wir verdient gewonnen haben“, sagte Spielmacherin Sara Däbritz. „Nun wollen wir auf den Färöer noch einen Sieg einfahren.“

          Das abschließende Gruppenspiel auf den Färöer am Dienstag (17 Uhr, MESZ) dürfte nun nur noch Formsache sein. Die Gegnerinnen von der noch kleineren Insel im Nordatlantik sind anders als die Isländerinnen noch lange nicht konkurrenzfähig, das Hinspiel endete mit 11:0 für die deutschen Frauen, denen zudem dank des besseren Torverhältnisses im Direktvergleich mit Island ein Unentschieden reichen würde. Für die Zukunft sieht Hrubesch nun wieder alle Möglichkeiten für die deutschen Frauen unter seiner Nachfolgerin. „Martina wird das in die richtige Richtung bringen. Die Mannschaft spielt noch lange nicht, was sie wirklich kann. Bis zur WM werden Trainingsmaßnahmen Sicherheit zurückbringen.“

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