https://www.faz.net/-gtl-6k28k

Deutschland gegen Uruguay : Mäßiger Zulauf auf heißen Fanmeilen

  • Aktualisiert am

Es ist heiß in Deutschland - auch auf den Fanmeilen wie hier in Berlin Bild: REUTERS

Das „kleine“ Finale lockt die Massen kaum mehr an: Bei extremen Temperaturen sind die Fanmeilen in Deutschland lange nicht so gut besucht wie noch am Mittwoch beim Halbfinale gegen Spanien. Und die Gesamtbilanz fällt nicht so gut aus wie 2006.

          2 Min.

          Das Orakel aus Oberhausen bleibt unfehlbar: Auch beim siebten Deutschland-Spiel hat Tintenfisch Paul den Sieg gegen Uruguay (3:2) um den dritten WM-Platz korrekt vorausgesagt. Sollte an diesem Sonntag auch Spanien das Finale gegen Holland bestehen, hätte das Weichtier aus dem Sea Life Aquarium der Ruhr-Stadt für jedes seiner acht Fangarme einen richtigen Tipp abgegeben.

          Doch trotz der guten Aussichten für Jogi Löws Team war am Samstag die Luft auf den Fanmeilen raus - und sie war sehr heiß. Bei Temperaturen von bis zu 35 Grad kamen in Berlin etwa 100.000 Zuschauer auf die größte Fanmeile Deutschlands - nur ein Drittel des früheren Andrangs bei Partien der Nationalmannschaft. Bezeichnend war dort vor allem der erleichterte Jubel, als Sami Khedira die Entscheidung für Deutschland mit einem Kopfball erzwang und damit eine quälende Verlängerung vermied.

          Auch in anderen deutschen Städten war das Bild ähnlich - am vorletzten WM-Tag zogen die Party-Zonen kaum mehr die Massen an. Am Rande sorgte der Verzicht des Teams auf eine Abschlussparty in Berlin für Misstöne. Franz Beckenbauer kritisierte, dass sich die Mannschaft nach der WM nicht von den Fans feiern lassen möchte. Zum Feiern zumute ist aber auch nicht den Händlern auf der Berliner Fanmeile. Das einzige offizielle Fifa-Fest hatte hohe Standmieten gefordert. Doch nur bei den Deutschland-Spielen klingelte die Kasse. Viele Geschäftsleute werden wohl auf hohen Verlusten sitzen bleiben.

          „Eine Katastrophe, eine Unverschämtheit“

          Tropenhitze zum Trostspiel - auch in anderen Städten drückte das Thermometer auf die Stimmung. Eher verloren wirkten da die etwa 5000 Fans auf dem Hamburger Heiligengeistfeld vor der Riesenleinwand - Platz war dort für 70.000 Menschen. Auch im Westen der Republik hatten viele wohl ein besseres Programm. So waren in der klimatisierten Kölner Lanxess Arena 4500 Menschen - die rund 18.000 Zuschauern Platz bietet. „Ob es am Wetter liegt? Es sind jedenfalls erstaunlich wenig im Vergleich zu den Spielen davor“, sagte ein Sprecher.

          Ähnlich die Dortmunder Westfalenhalle: dort saßen nur noch 2500 Fans - bei 7500 Plätzen freie Auswahl. Im Südwesten sah es nicht besser aus. Unter den Händlern auf der Berliner Fanmeile wächst unterdessen die Unzufriedenheit mit der organisierten Party-Zone auf der Straße des 17. Juni. „Eine Katastrophe, eine Unverschämtheit“, sagte etwa Bader Omairat, der einen Falafel- und Dönerstand für 12.000 Euro aufstellen durfte. Er werde etwa 8000 Euro Miese machen.

          Auch bei den Getränken war die Lage nicht besser. „Mal ein Wasser, mal eine Cola“, beschrieb der Betreiber eines Stands seine Durststrecke. Die Miete von 20.000 Euro werde er wohl nicht decken können. Die Geschäfte seien nicht gut, sondern „mehr schlecht als recht“ gelaufen, gab auch eine Sprecherin der Veranstalter in der „Berliner Zeitung“ (Samstag) zu. Zwar kamen nach Angaben der Fifa knapp 1,5 Millionen Menschen zu den Live-Übertragungen der WM-Spiele.

          Beckenbauer: „Ich halte die Entscheidung für falsch“

          Vor vier Jahren bei der Weltmeisterschaft in Deutschland waren es aber 9 Millionen, sechsmal so viel Besucher wie in diesem Sommer. Darauf hatten diesmal auch die Stadt Berlin und die kommerziellen Veranstalter gehofft. 2006 war die Fanmeile direkt am Brandenburger Tor deutlich länger und hatte an viel mehr Tagen geöffnet. Dieses Mal stand die Hauptbühne weiter entfernt an der Siegessäule. Nun hofften die Veranstalter für das Spiel am Samstagabend sowie für das Endspiel am Sonntag zwischen Niederlande und Spanien (20.30 Uhr) noch einmal auf Hunderttausende Besucher.

          In einem Beitrag für die „Bild“-Zeitung (Samstag) schrieb Beckenbauer: „Ich halte die Entscheidung für falsch.“ Er bedauere, dass sich die Mannschaft nicht in Deutschland bei ihren Fans bedankt. Ein für kommenden Montag oder Dienstag nach der Rückkehr von der WM geplantes Dankesfest auf der Straße des 17. Juni wie nach der WM 2006 im eigenen Land hatte das Team am vergangenen Donnerstag abgesagt. Kapitän Philipp Lahm hatte es als „unpassend“ bezeichnet, sich zwei Tage nach dem Spiel um Platz drei gegen Uruguay feiern zu lassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sergej Lawrow auf einem Wahlplakat von Einiges Russland in Simferopol im September

          Duma-Wahl : Die zweite Familie des Sergej Lawrow

          Der russische Außenminister hat sich in den Wahlkampf eingemischt. Unter anderem wegen seines Drucks ist eine App des Oppositionellen Nawalnyj nicht mehr erreichbar. Doch er hat mit privaten Enthüllungen zu kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.