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Deutschland gegen Italien 1970 : Das „Jahrhundertspiel“ und der Rausch einer Nacht

Das Ende des „Jahrhundertspiels“: Uwe Seeler (links) und Gianni Rivera tauschen die Trikots. Bild: Picture-Alliance

Das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien 1970 war das „Spiel des Jahrhunderts“. Der Blick zurück auf das äußere Geschehen und das innere Empfinden dieser epochalen Partie ist seltsam verzerrt.

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          Seit der Verschiebung der Europameisterschaft um ein Jahr steht es fest: Nach dem Winter, der keiner war, und dem Frühling, den wir als Stubenhocker erleben, fällt auch der Sommer aus. Na ja, zumindest als Fußballsommer, so, wie wir ihn kannten. Seit einem halben Jahrhundert war es der Deutsche gewohnt, von seiner Nationalmannschaft in den runden Jahren große Dramen geboten zu kommen. Wie bei keinem anderen Ereignis kam die Nation für alle drei, vier Tage für neunzig Minuten oder mehr und für endlose Debatten danach in Wohnzimmern, Lokalen, Public-Viewing-Zonen zusammen. Um den Phantomschmerz zu betäuben, den dieser Verlust auslösen wird, erzählen wir in fünf Beiträgen noch einmal von den großen Nuller-Jahren 1970 bis 2010.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die deutsche Einheit wurde damals noch klein geschrieben. Und nahm doch an diesem 17. Juni 1970, dem „Tag der deutschen Einheit“, auf unsichtbare Weise schon Gestalt an. An diesem Mittwochabend vereinte der Fußball die geteilte Nation in ihren Wohnzimmern. Mehr als dreißig Millionen Bewohner der Bundesrepublik saßen vor den Fernsehern, aber auch ungezählte Millionen in der DDR – um getrennt und doch gemeinsam Deutschland ins Finale der Fußball-Weltmeisterschaft einziehen zu sehen.

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