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2:1 in der Ukraine : Deutscher Sieg im Corona-Risikogebiet

Der Gladbacher Matthias Ginter erzielte das erste deutsche Tor in Kiew. Bild: Reuters

Erstmals gelingt dem deutschen Fußball-Nationalteam ein Erfolg in der Nations League. In der Ukraine gibt es ein 2:1. Abwehrspieler Ginter trifft zur Führung, dann folgt ein kurioses Tor – vor erstaunlichen 17.500 Fans an einem Hotspot.

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          Der 2:1-Sieg in der Nations League in der Ukraine hat der deutschen Nationalelf eine lange vermisste Erfahrung beschert. Der verdiente Erfolg in einem mäßigen Spiel nach Toren durch Ginter (20. Minute) und Goretzka (48.) sowie von Malinowsky (76., Foulelfmeter) war der erste deutsche Sieg in diesem Jahr nach zuvor drei Unentschieden. Das 2:1 war gleichzeitig auch der erste deutsche Sieg in der Nations League überhaupt seit zwei Jahren.

          Nations League
          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          In den sechs Spielen zuvor hatte die Auswahl von Bundestrainer Löw seit September 2018 nicht gewinnen können. In der aktuellen Nations-League-Spielzeit brachte der Premierensieg das Team in der Tabelle mit nun fünf Punkten aus drei Spielen auf Platz zwei. Am Dienstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und in der ARD) haben die Deutschen in Köln gegen die Schweiz die nächste Gelegenheit, ihre Bilanz weiter zu verbessern. Der Tabellenletzte Schweiz verlor am Samstag bei Tabellenführer Spanien 0:1.

          Die deutsche Mannschaft präsentierte sich im Kiew als die routiniertere und abschlussstärkere Mannschaft, die sich diesmal ihre Führung zumindest nicht mehr vollständig nehmen ließ. Nach dem Treffer zum 1:2 konnten die Deutschen ihren Vorsprung halbwegs sicher verteidigen. Aber dieses Erfolgserlebnis in Kiew hatte gegen eine ukrainische Mannschaft, die wegen Corona-Infektionen und Verletzungen auf rund ein Dutzend Spieler verzichten mussten, darunter zahlreiche Stammkräfte, insgesamt auch damit zu tun, dass die junge und neuformierte Auswahl von Trainer Schewtschenko vor allem in der ersten Halbzeit zahlreiche deutsche Fehler im Aufbauspiel nicht nutzen konnte. Von einem starken und überzeugenden Gesamtauftritt waren die Deutschen ein gutes Stück entfernt. Und ein erstklassiger Maßstab konnte die Ukraine an diesem Abend nicht sein.

          Erstaunlich an diesem Pflichtspiel in Corona-Zeiten in Kiew war etwas ganz anderes: Dass es an einem Hotspot möglich war, dass 17.500 Zuschauer in ein Fußballstadion kamen und kommen durften. Die deutsche Mannschaft verließ nach ihrem Sieg das ukrainische Risikogebiet so schnell wie möglich, sie sparte sich eine eigentlich vorgesehene weitere Übernachtung in Kiew und flog direkt zurück in das deutsche Risikogebiet nach Köln, wo nur 300 Zuschauer gegen die Schweiz erlaubt sein werden.

          Rein sportlich hatte nach zuletzt enttäuschenden Auftritten etwas für den viermaligen Weltmeister auf dem Spiel gestanden: das Vertrauen in die Nationalelf und ihrer sportlichen Leitung. „Man kann sich nicht mehr hundertprozentig identifizieren mit der Nationalmannschaft. Das ist schade“, sagte der frühere Kapitän Schweinsteiger als ARD-Experte vor der Partie und brachte damit ein weitverbreitetes Gefühl unter deutschen Fußballfans auf den Punkt. An der Einsatzbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit der deutschen Spieler ließ sich diese Spannung zunächst allerdings nicht ablesen. Bis zur Führung durch Ginter nach zwanzig Minuten machte die Ukraine den stärkeren und entschlosseneren Eindruck. Aber es fehlt ihr an Qualität, die Vorteile aus dem Spielgeschehen in Tore umzusetzen.

          Die Deutschen nutzten, nachdem Gnabry mit einem Schuss direkt auf Torwart Buschchan keinen Erfolg hatte (5.), ihre erste richtige Chance. Nach einem Eckstoß landete der Ball etwas glücklich bei Rüdiger, der mit Geschwindigkeit und Entschlossenheit in die Tiefe ging und den Ball scharf in den Strafraum brachte. Gnabry verpasste den Ball, was Ginter, der hinter ihm stand, wenige Meter vor dem Tor freie Bahn zum 1:0 verschaffte. Nur eine Minute nach seinem Führungstreffer konnte Ginter von Glück sagen, dass er nicht den Ausgleich verschuldete. Seinen haarsträubenden Fehlpass kurz vor dem Strafraum hätte ein besserer Stürmer als Yaremchuk zu einem Treffer genutzt.

          Vor der Pause machten aus deutscher Sicht noch Kimmich mit einem Fernschuss (31.) und Gnabry mit einem Flugkopfball (35.) in der Offensive auf sich aufmerksam, doch der Torhüter war jeweils zur Stelle. Aber immer wieder schlichen sich Abspiel- und Aufbaufehler ins deutsche Spiel, so dass von einer durchgängigen Dominanz keine Rede sein konnte, wohl aber, was die Torchancen anging, von einer verdienten Führung.

          Den zweiten Treffer bekamen die Deutschen fast schon geschenkt. Der nominelle Ersatztorhüter Buschchan bekam den Ball nach einer harmlosen Flanke von Halstenberg nicht zu fassen und beförderte ihn auf den Kopf von Goretzka, der keine Mühe hatte, daraus das 2:0 zu machen (48.). Die ukrainische Mannschaft wirkte verunsichert – und hätte sich nicht beschweren können, wenn sie gleich den nächsten Rückschlag hätte hinnehmen müssen. Doch Julian Draxler vergab nach einer schönen Kombination die große Chance zum dritten Tor leichtfertig (51).

          Niklas Süle foult seinen Gegenspieler Roman Jaremschuk ungeschickt.
          Niklas Süle foult seinen Gegenspieler Roman Jaremschuk ungeschickt. : Bild: AFP

          In der Defensive gerieten die Deutschen in der zweiten Halbzeit zunächst nicht weiter in Gefahr. Sie kontrollierten die Partie, ohne aber selbst entschlossen die Entscheidung zu suchen. Wie aus dem Nichts mussten sie dann aber auch in diesem Spiel wieder bangen. Süle verursachte nach dem ersten schnellen Konter nach dem Wechsel einen Foulelfmeter, den Malinowsky zum 2:1 nutzte (76.). Weitere gravierende Schwächen und größere Diskussionen ersparte sich das DFB-Team in der letzten Viertelstunde.

          „Ich bin zufrieden, dass wir das Spiel gewonnen haben“, sagte Bundestrainer Löw in der ARD. „Wir hätten schon vor dem Gegentor 3:0 oder 4:0 führen können. Der Elfmeter war unnötig. Aus dem Spiel heraus haben wir den Ukrainern kaum eine Torchance zugestanden. In manchen Phasen haben wir die Bälle zu einfach hergegeben. Aber insgesamt waren wir defensiv schon sehr stabil.“ Auch Torschütze Ginter war halbwegs zufrieden. „Wir sind froh, dass wir gewonnen haben, das war wichtig. Auf unserem weiteren Weg helfen nur Siege, aber wir wissen auch, dass wir nicht die Sterne vom Himmel gespielt haben. Wir hatten gerade in der ersten Halbzeit sehr viele einfache Ballverluste“, sagte der Gladbacher.

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