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3:2 in Schottland : Ein schweres Stück Arbeit

Vor allem Thomas Müller hatte beim Spiel in Schottland viel Spaß. Bild: Reuters

In der ersten Halbzeit liefern sich Deutschland und Schottland ein turbulentes Spiel mit vier Toren. Erst danach lässt der Weltmeister hinten nichts mehr anbrennen – und belohnt sich durch das Siegtor eines Dortmunders.

          Als Groundhopper hat Joachim Löw nach eigener Auskunft keine großen Ziele mehr. Auf den Hampden Park aber, so verriet er in Glasgow, habe er sich doch sehr gefreut. Er war noch nie dort gewesen, aber der Ruf des legendären Hampden Roar war natürlich auch bis zu ihm vorgedrungen. Leidenschaft und Herzblut – das schien der Bundestrainer mindestens in gleichem Maße von den Tribünen zu erwarten wie von Seiten der schottischen Fußballauswahl.

          Und von beidem bekamen die Deutschen am Montagabend mehr zu spüren, als ihnen lieb sein konnte. Weil die Schotten ihre verbliebene kleine Chance in der EM-Qualifikation nutzen wollten und zwei Mal eine deutsche Führung ausglichen, wurde es eine äußerst impulsive Angelegenheit in Glasgow – was sich auch in der Phonstärke auf den Rängen, eben jenem Hampden Roar, bemerkbar machte.

          Am Ende siegten die Deutschen, weil sie über einen Thomas Müller verfügen, der mehr denn je zu wissen scheint, wo das Tor steht. Seine beiden Treffer (18. und 34. Minute) waren Müllers Nummern sieben und acht in der laufenden Qualifikation, allein sechs davon gelangen dem Münchner in den jüngsten vier Spielen. Zudem legte er noch vor dem dritten deutschen Treffer für Ilkay Gündogan auf (54.). „Es ist schön, wenn die Bälle gut fallen und ich die richtigen Entscheidungen treffe. Die letzten Spiele habe ich gut getroffen, aber das kann man nicht immer planen“, sagte Müller und bekam von Joachim Löw ein Extra-Lob: „Thomas hat einen Lauf und steht da, wo ein Stürmer stehen muss. Er hat ein Näschen für solche Situationen.“

          Dass der verdiente, aber zähe 3:2-Sieg noch nicht für die finale Buchungsbestätigung für die EM im kommenden Jahr in Frankreich genügte, lag daran, dass die Iren den Deutschen nicht den Gefallen taten, zur selben Zeit gegen Georgien zu verlieren. Die nächste Gelegenheit zum Lösen des Tickets bietet sich am 8. Oktober in Dublin.

          Mehr als über die verschobene Entscheidung konnte sich die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag darüber ärgern, wie schwer sie sich das Leben gegen die kampfstarken Schotten gemacht hatten: durch eigene Ungeschicklichkeiten sowie Schwächen bei der Verteidigung von Standardsituationen. Das Eigentor von Mats Hummels zum 1:1 (28.) sowie der abermalige Ausgleich durch James McArthur (43.) waren die Konsequenz.

          Das 0:1 – Müller schießt, der Ball rutscht abgefälscht ins Tor. Bilderstrecke

          Dabei war es Löws Team von Beginn an anzumerken, dass es die Sache eigentlich mit betont kühlem Kopf angehen wollte. Sachlich, aber mit Autorität ließen die Deutschen den Ball zirkulieren und ließen sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, dass die Schotten bisweilen mutig Jagd auf sie machten. Richtung Tor allerdings tat sich zunächst nichts für die DFB-Auswahl.

          Sie probierte es mit einer Zuspitzung der Stilmittel aus dem Polen-Spiel: die Außenverteidiger Hector und Can waren bei eigenem Ballbesitz gar nicht mehr als solche zu erkennen, sondern kamen als heimliche Flügelstürmer daher. Die Schotten aber hielten mit einer eng geknüpften Kette von bis zu sechs Verteidigern dagegen, so dass ein zähes Ringen um Räume entstand. Müller war es dann, der mit einem beherzten Antritt eine Lücke fand und nutzte.

          Es sah eigentlich gar nicht nach Gefahr für das schottische Tor aus, doch sein Schuss au knapp 20 Metern wurde unhaltbar abgefälscht. Besser hätte es kaum laufen können für Löws Team, das im Vergleich zum 3:1 gegen Polen mit einer Änderung daherkam. Der Bundestrainer hatte Ilkay Gündogan vor dem Spiel derart positiv erwähnt, dass es eine Überraschung gewesen wäre, wenn der Dortmunder, der gegen Polen als Einwechselspieler rundum überzeugt hatte, nicht begonnen hätte. Bellarabi musste weichen, und Gündogan übernahm die Zehner-Position von Özil.

          Dort war er zwar umtriebig und oft anspielbar, im Prinzip also die Schaltstelle im deutschen Team. Doch besondere Momente gingen anders als am Freitag zunächst nicht hervor. Völlig unnötig gaben die Deutschen dann ein erstes Mal ihre Führung her. Hummels war der Pechvogel, weil er einen von Neuer bei einer Freistoßabwehr nach vorne abprallenden Ball ins eigene Tor beförderte, ärgerlich war es aber vor allem deshalb, weil ein ungeschicktes Zweikampfverhalten von Can vorausgegangen war.

          Nun tobte der Hampden Park – allerdings nur kurz, weil schon wieder Müller dort zur Stelle war, wo es etwas zu holen gab, diesmal per Kopf. Götze hatte mit viel Übersicht Can bedient, dessen Schuss konnten die Schotten noch abwehren, allerdings genau dorthin, wo Müller lauerte. Beruhigung? Von wegen. Wieder brachten es die Deutschen fertig, sich die Führung entreißen zu lassen, diesmal nach einem Eckball. McArthur kam nach einer ersten deutschen Abwehr aus dem Rückraum zum Schuss, Neuer war irritiert, weil Can und ein Schotte in die Nähe des Balles kamen, ihn aber nicht ablenkten – schon wieder lag er im deutschen Netz. Neuer wollte Abseits gesehen haben, doch Gündogan hatte es nahe der Grundlinie – was immer er da wollte – aufgehoben. „Wir hatten vorne nicht viele Räume und haben bei den Standards Fehler gemacht. Deshalb konnten die Schotten zweimal ausgleichen. Die beiden Gegentore ärgern uns. Trotzdem haben wir ein gutes Spiel gemacht“, sagte Neuer.

          Strukturiertes Spiel gab es in der zweiten Hälfte kaum noch zu sehen. Die Deutschen waren nicht mehr darauf angewiesen, weil Gündogan im Zusammenspiel mit Müller früh für den dritten Vorsprung gesorgt hatte, und den Schotten schien es nun doch an Kräften und auch spielerischen Mitteln zu fehlen, um sich noch einmal aufzulehnen. Einmal mussten die Deutschen noch bangen, dann war dieses schwere Stück Arbeit geschafft. „Schottland hat nichts für ein gutes, offensives Spiel getan hat. Wir haben das Spiel dominiert und aus dem Spiel heraus keine Chance zugelassen“, sagte Löw.

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