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2:1 gegen Schottland : Auf Thomas Müller ist weiter Verlass

Strahlemann: Thomas Müller sichert die ersten drei Punkte in der EM-Qualifikation Bild: dpa

Der Weltmeister startet mit einem Sieg in die Qualifikation für die EM 2016. Dank zweier Tore von Thomas Müller gewinnt die deutsche Nationalelf gegen Schottland. Der zwischenzeitliche Ausgleich der Schotten hat keine Folgen.

          Die erste Frage in der deutschen EM-Qualifikation war schon vor dem Anpfiff geklärt. Es handelte sich dabei natürlich nicht um eine sportliche, sondern um eine rein atmosphärische Frage. Wie würden die eingefleischten Borussen-Anhänger Mario Götze begrüßen, dem Spieler, in dem ein Teil des Dortmunder Publikums bis zuletzt nur einen nach München abgewanderten Verräter sehen konnte – während der Rest der deutschen Fans in Götze den Spieler ausmacht, der Deutschland den vierten Stern vom Fußballhimmel geholt hat.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Bundestrainer Joachim Löw und auch einige Spieler hatte daher vor dem Anpfiff ganz ausdrücklich an die Zuschauer appelliert, diesmal nicht auf den Spielern, sondern auf ihren Lokal-Fanatismus zu pfeifen. Und wie sich Trainer und Weltmeister-Team sich das gewünscht hatte, so geschah es. Götze wurde gegen Schottland ohne Misston begrüßt – aber ansonsten verlief die deutsche Pflichtspielpremiere nach dem Titelgewinn nicht gerade so, wie es sich für einen Weltmeister gehört. Die deutsche Mannschaft gewann zwar den Auftakt der Qualifikationsrunde zur Europameisterschaft 2016 gegen Schottland verdient mit 2:1, aber der Erfolg geriet doch weit wackeliger als erwartet.

          Immer wieder Müller

          Die deutsche Führung erzielte Thomas Müller in der 18. Minute mit einem Kopfball. Aber trotz langer optischer Überlegenheit gelang den Schotten der Ausgleich durch Ikechi Anya (66.), der sich abgezeichnet hatte. Es war jedoch wiederum Müller, der dem Weltmeister dann die erfolgreiche Richtung mit seinem zweiten Treffer in der 70. Minuten wies – der erste Antreiber der WM machte somit in Dortmund somit auch gleich wieder den Anfang in Richtung Europameisterschaft.

          Überraschend in der Startelf: Sebastian Rudy Bilderstrecke

          Das Länderspiel zur Tatort-Zeit war aber trotz weltmeisterlicher Besetzung kein echter Fußballkrimi. Der ganz große Spannungsbogen währte trotz schottischer Überraschungsmomente insgesamt nur vier Minuten – und die lagen exakt zwischen dem 1:1 und der abermaligen deutschen Führung durch Müller. Nach dem 2:1 hatte der große Favorit, wenn auch mit einigen Mühen gegen die widerspenstigen Schotten, seinen ersten Fall in der Gruppe D gelöst.

          Überraschungsverteidiger Rudy

          Schon in den ersten zwanzig Minuten war es WM-Torjäger Müller, der die besten deutschen Gelegenheiten auf sich vereinte. Bei seinem ersten Kopfball aus freistehender, aber als Abseitsstellung bewerteter Position (8.) verfehlte der Münchner zwar noch deutlich das Tor. Und man konnte nur ganz froh sein, dass diese Chance nicht Mario Gomez vergeben hatte, die Publikumsreizfigur zuletzt beim 2:4 gegen Argentinien. Der Bundestrainer hatte den Stürmer aus Florenz diesmal gar nicht ins Spiel gebracht.

          Seine dritte Gelegenheit, wiederum mit dem Kopf, nutzte Müller dann allerdings sehenswert. Eine Flanke des rechten Verteidigers Sebastian Rudy beförderte der Bayernprofi gefühlvoll über die Linie (18.).

          Rudy rechter Verteidiger? Der Bundestrainer hatte den Mittelfeldspieler schon vor dem Duell gegen Argentinien nachnominiert, aber als Verteidiger hatte man Rudy bis dahin eigentlich nicht auf der Rechnung. Der Hoffenheimer machte seine Sache aber zunächst recht ordentlich, und das lag daran, weil gegen die zunächst zurückhaltenden Schotten vor allem Rudys offensiven Qualitäten auf der Verteidigerposition gefragt waren. Auf der linken Seite vertraute Löw wiederum auf Erik Durm, der froh war, dass bei den Schotten kein Angel di Maria wirbelte. Der Dortmunder fühlte sich bei seinem Heimspiel weit wohler als zuletzt gegen Argentinien. Aber als sich der Druck erhöhte, wurde deutlich, dass Löw weiter an der defensiven Stabilität arbeiten muss.

          Mangel an Entschlossenheit

          Der deutschen Mannschaft mangelte es auch in der zweiten Halbzeit an der nötigen Entschlossenheit, um die Partie vorzeitig und eindeutig für sich zu entscheiden. Selbst eine Schrecksekunde kurz nach dem Wechsel, als sich der schottische Star Steven Naismith auch vom stärksten deutschen Verteidiger, Boateng, nicht bremsen ließ, und sein Schuss am Pfosten hauchzart am Pfosten vorbei strich (48.), beunruhigte die Deutschen zumindest nicht so sehr, um mit aller Macht den zweiten Treffer anzustreben.

          Nach knapp einer Stunde riskierten die Schotten etwas mehr, und brachten die deutsche Defensive damit gleich zweimal gehörig in Bedrängnis. Aber die Nummer 28 der Weltrangliste scheiterte zweimal knapp. Aber auch diese Warnungen ignorierten die Weltmeister. Und was die Zuschauer und sie wohl selbst kaum glauben konnten, passierte dann doch: dem Außenseiter gelang der Ausgleich in der 66. Minute. Nach einem Fehlpass von Götze schalteten die Schotten schnell um über die linke Seite, und Verteidiger Rudy kam nicht mehr rechtzeitig zurück. Anya hatte freie Bahn, ließ sich auch nicht von Manuel Neuer schrecken und erzielte das 1:1.

          Doch bevor auch nur die ersten Pfiffe durchs Stadion hallten, schalteten die Deutschen in den WM-Wettkampfmodus. Schon ein Tick mehr Ernsthaftigkeit genügte, um die Lage wieder zu beruhigen. Erst scheiterte Götze mit einem Schuss an Torhüter Marschall, doch die anschließende Ecke nutzte Müller in Torjägermanier zum 2:1 (70.). Danach kehrte zwar immer noch keine endgültige Abwehrsicherheit ins deutsche Spiel zurück, aber für einen erfolgreichen, wenn auch glanzlosen Start reichte es für die Weltmeister. In der Nachspielzeit traf Müller noch einmal den Pfosten und die Schotten handelte sich eine Gelb-Rote Karte ein. Dass Marco Reus nach einem Foul von Charlie Mulgrew verletzt vom Platz humpelte, sorgte allerdings für Schrecken. Immerhin gab der Bundestrainer nach dem Spiel ein wenig Entwarnung: „Es scheint nicht ganz so schlimm zu sein“, sagte Löw im TV-Sender RTL. Eine genaue Diagnose soll am Montag feststehen.

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