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Deutscher Fußball-Bund : „Blaue Flecken“ durch Corona

DFB-Präsident Fritz Keller erhält für seine Tätigkeit an der Verbandsspitze pro Jahr 246.000 Euro. Bild: dpa

Der DFB legt Verdienstgrenzen für Spitzenfunktionäre fest und veröffentlicht erstmals die einzelnen Zahlungen im Finanzbericht fürs Jahr 2019. Covid-19 führt zu einem Fehlbetrag von 16 Millionen für den Verband.

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          Der neu eingerichtete Vergütungsausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Verdienstgrenzen für die Arbeit seiner gewählten Spitzenfunktionäre festgesetzt. Erstmals sind die für die einzelnen Positionen vorgesehenen Zahlungen in dem am Freitag bekanntgegebenen aktuellsten Finanzbericht fürs Jahr 2019 veröffentlicht worden.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Demnach beträgt die jährliche Aufwandsentschädigung für den DFB-Präsidenten Fritz Keller 246.000 Euro – das sind 20.500 Euro im Monat. Schatzmeister Stephan Osnabrügge erhält 16.6800 Euro im Jahr, Vizepräsident Rainer Koch (Vertreter der Landes- und Regionalverbände) 144.000 Euro und der andere Stellvertreter, Peter Peters (Bundesliga), 78.000 Euro. Der ebenfalls im DFB-Präsidium vertretene Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert, bekommt 63.600 Euro. Die weiteren stimmberechtigten Mitglieder des DFB-Präsidiums erhalten eine Jahresentschädigung von 51.600 Euro.

          Bisher hatten alle Präsidiumsmitglieder eine Vergütung von 3600 Euro im Monat erhalten (Präsident 7200 Euro), konnten allerdings zusätzlich einen Ausgleich für den Verdienstausfall in ihren anderen Berufen geltend machen. Diese Regelung galt Kritikern als intransparent und überholt. Der Vergütungsausschuss wird vom langjährigen Volkswagen-Manager Wolfgang Hotze geleitet. Auch der frühere Vorstandschef von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen, gehört der Runde an. Festgelegt wurde auch, dass Präsidiumsmitglieder, die wie Vizepräsident Koch zugleich Mitglied in Gremien des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa) oder der Europäischen Fußball-Union (Uefa) sind und weitere Zuwendungen erhalten, aus allen Engagements nicht mehr als 246.000 Euro im Jahr ziehen können. Überstiege die Gesamtvergütung diese Summe, würde die DFB-Aufwandsentschädigung entsprechend gekürzt werden.

          Der Verband sieht sich trotz der Coronakrise finanziell stabil aufgestellt. „Der DFB ist wirtschaftlich gesund“, sagte Schatzmeister Osnabrügge zur Vorstellung des Finanzberichts. Auch der derzeit laufende Bau der Akademie mit der neuen Verbandszentrale auf der alten Galopprennbahn in Frankfurt liege im Zeit- und Finanzplan. Ende 2021 könne eingezogen werden. Die Investition beträgt 150 Millionen Euro. Dafür hat der DFB erstmals Kredite in Höhe von knapp 53 Millionen Euro aufgenommen.

          So hat der Verband im vergangenen Jahr einen Gewinn von 19,5 Millionen Euro nach Steuern erzielt. Die Einnahmen stiegen von 351 Millionen auf 405 Millionen Euro – vor allem aufgrund von Neuabschlüssen mit Sponsoren wie zum Beispiel VW. Die Eigenkapitalquote beträgt 45 Prozent. Angesichts der Pandemie wird für dieses Jahr aufgrund von Mindereinnahmen wegen ausfallender Länderspiele und fehlender Ticketeinnahmen aus DFB-Pokalrunden mit einem Fehlbetrag in Höhe von 16 Millionen Euro gerechnet.

          Im Aufwind: DFB-Flagge.
          Im Aufwind: DFB-Flagge. : Bild: dpa

          Osnabrügge sprach von „blauen Flecken“. Würden allerdings weitere Coronawellen die Austragung von DFB-Veranstaltungen bis zum Jahresende unmöglich machen, könnte der Fehlbetrag bei 77 Millionen Euro liegen, besagen die internen Berechnungen. Dann müssten die Rücklagen, welche auch für den Neubau der Akademie verwendet werden, zum großen Teil aufgebraucht werden. Sie betragen derzeit 139 Millionen Euro. Finanzdirektor Markus Holzherr sprach von einer sparsamen Mittelverwendung, die angesagt sei. Der Schatzmeister hob hervor, dass die Landesverbände statt acht Millionen Euro nun zwölf Millionen Euro im Jahr erhielten. Das komme vor allem den 25.000 Vereinen an der Basis zu Gute.

          Wichtigste Einnahmequelle bleibt das Sponsoring mit knapp 126 Millionen Euro im Jahr. Der DFB-Pokal bringt Erlöse von rund 96 Millionen Euro, die Nationalmannschaft 70 Millionen. Nach der im Streit erfolgten Kündigung der Verträge mit dem langjährigen Agenturpartner Infront aus der Schweiz will der DFB die Vermarktung seiner Veranstaltungen und Mannschaften zukünftig selbst übernehmen.

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