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1:2 in Frankreich : Es funkelt wieder etwas im deutschen Spiel


So wie in dieser Szene wirkte das deutsche Spiel öfter an diesem Abend in Paris: noch ein wenig ungeschliffen, aber man sah schon etwas funkeln. Und so stellte sich natürlich die Frage, ob man davon nicht viel früher etwas hätte freilegen können – uns sich damit manchen Verdruss erspart hätte. Der Bundestrainer war bemüht, das alles eher als Teil eines organischen Prozesses zu schildern, über den selbstverständlich er Herr ist. „Ich treffe meine Entscheidungen immer aus Überzeugung“, sagte er. „Manchmal sind Aufstellungen falsch in einer Trainerkarriere. Bei mir waren sie häufig richtig, manchmal nicht. Daraus muss man dann die Lehren ziehen.“ Er lobte die jungen Spieler, sprach von der „Entwicklung“, aber eben auch von den „Schwankungen“, denen diese noch unterworfen seien, und dass man nun „von Spieltag zu Spieltag“ sehen müsse. Der Blick sei darauf ausgerichtet, in zwei Jahren bei der Europameisterschaft erfolgreich zu sein.

Zugleich aber ließ sich der Eindruck nicht vermeiden, dass Löw sich erst unter dem immensen Innovationsdruck von außen, den der fortschreitende Verfall des Weltmeisters von 2014 erzeugt hatte, in diese Richtung begeben hat. In jedem Fall erscheint nach diesem Vorgeschmack auf die Zukunft schwer vorstellbar, dass es einen Weg zurück geben könnte, auch wenn Löw noch einmal die Bedeutung der „richtigen Mischung“ und den Wert der erfahrenen Spieler hervorhob – speziell im Fall von Thomas Müller, der erst in der 88. Minute für Gnabry eingewechselt wurde. „Thomas Müller hat sich vielleicht zuletzt nicht so gezeigt. Aber er ist ein Antreiber, der mit den jungen Spielern spricht. Von daher ist Thomas weiter absolut wichtig.“ Beinahe hätte Müller sogar noch den Ausgleich erzielt, als er eine Kopfballchance nicht richtig nutzen konnte, so aber blieb es bei der am letztlich unglücklichen Niederlage.

Doppeltorschütze: Antoine Griezmann trifft nach dem Kopfballtor noch per Elfmeter. Bilderstrecke

In der zweiten Hälfte war Verschiedenes zusammengekommen für das deutsche Team: eine Straffung des zuvor zum Laissez-faire neigenden Weltmeisters, dazu ging ein wenig vom eigenen Mut verloren, und dann war es, nach dem 1:1 durch Antoine Griezmanns Kopfball (62.) auch noch Pech, dass es bei einem Zweikampf zwischen Hummels und Matuidi Elfmeter gab – dabei war Matuidi beim Tritt auf Hummels‘ Fuß zu Fall gekommen und nicht umgekehrt. Die Chance jedenfalls ließ sich Griezmann nicht entgehen und sorgte in der 80. Minute nicht nur für das Siegtor, sondern auch für ein unangenehmes Déjà-vu – er hatte schon im EM-Halbfinale 2016 beide Treffer für die Equipe Tricolore erzielt. Es war aber immerhin eines mit einer Perspektive für die Deutschen, auch wenn sich noch zeigen muss, was sie und vor allen der Bundestrainer daraus machen.

Wie schon in Amsterdam schob Löw die Fragen zu seiner eigenen Job-Perspektive beiseite. „Zwischen zwei solchen Spielen denke ich an anderes“, sagte er. Am Sonntag hatte es noch einmal ein Gespräch mit Reinhard Grindel gegeben. Darin soll Löw Unterstützung vom DFB-Präsidenten erhalten haben. Sicher ist, dass auch Grindel erleichtert darüber war, wie sich das neuformierte am Dienstag präsentierte. „Ich finde, dass wir ein Stück Umbruch gesehen haben, der Mut macht für die Zukunft. Was diese junge Mannschaft heute gezeigt hat, darauf lässt sich aufbauen.“ Am Samstag hatten er und Oliver Bierhoff noch wortlos das Stadion in Amsterdam verlassen. Auch der Nationalmannschaft-Direktor wertete die Leistung in Paris nun als „wichtiges, gutes Zeichen“ – nicht zuletzt pro Löw. „Es ist ein Umbruch da“, bekräftigte Bierhoff. Blieb nur die Frage, warum von dem die ganze Zeit so wenig zu sehen war.

Nations League

Der Abstiegskampf in der deutschen Nations-League-Gruppe

Nach dem 1:2 in der Nations League am Dienstag in Frankreich kann die deutsche Fußball-Nationalmannschaft den Klassenverbleib in der Nations League nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw ist auf Hilfe der Franzosen angewiesen, die selbst nicht mehr aus der Liga A des neuen Uefa-Wettbewerbs absteigen können. Die Ausgangslage für die DFB-Auswahl:

Deutschland steigt aus der Liga A der Nations League ab...,

... wenn die Niederlande am 16. November gegen Frankreich gewinnt.

... wenn die Niederlande am 16. November gegen Frankreich unentschieden spielt und man selbst drei Tage später gegen Oranje nicht mit mindestens vier Toren Vorsprung gewinnt.

... wenn man am 19. November gegen die Niederlande nicht gewinnt. (dpa)

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