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Deutsche Fußball Liga : Vakuum und wackelige Konstruktion

  • -Aktualisiert am

Die DFL bewegt sich - Wer kommt nach Straub? Bild: dpa

Wilfried Straubs Vertrag als Nummer eins der DFL-Geschäftsführer ist bis 2005 verlängert worden. Wolfgang Holzhäuser wird voraussichtlich sein Nachfolger. Holzhäuser beobachtet nicht ohne Skepsis, wie sich das Personaltableau bei der DFL langsam zu verändern beginnt.

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          Wilfried Straub ist sich über all die Jahre, ob als Ligadirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) oder als Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL), treu geblieben. Schlagzeilen und öffentlichkeitswirksame Auftritte überläßt er lieber den Meinungsmachern des Profifußballs. "Die anderen treten die Themen los", sagt der 64 Jahre alte Hesse, der die Kunst des Schweigens und Abwartens wie sonst niemand in den Räumlichkeiten an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise beherrscht.

          Straub pflegt in der Regel erst dann zu antworten, wenn sich die Aufgeregtheiten "der anderen" zu legen beginnen. Der Herr und Diener seiner Sache wird nicht mehr allzu lange seine unbestrittene Kompetenz an vorderster Stelle geltend machen können: Bis zum 31. März 2005 ist der Vertrag der Nummer eins unter den DFL-Geschäftsführern noch einmal verlängert worden; dann wird Straub voraussichtlich der jetzt noch für den Bundesliga-Zweiten Bayer 04 Leverkusen als Finanzgeschäftsführer tätige Wolfgang Holzhäuser (siehe Link: "Dann soll Infront eben in Insolvenz gehen") nachfolgen.

          Michael Pfad geht

          Holzhäuser, zehn Jahre lang als Ligasekretär Straubs bester Mitarbeiter, beobachtet nicht ohne Skepsis, wie sich das Personaltableau bei der DFL langsam zu verändern beginnt. Derzeit stehen die Verträge der Geschäftsführer, die allesamt im ersten Halbjahr 2004 auslaufen, zur Verlängerung an. Christian Müller, der Geschäftsführer Finanzen, bleibt, das steht schon schwarz auf weiß fest. Michael Pfad, der Geschäftsführer Kommunikation, geht im kommenden Jahr, auch daran kann kein Zweifel mehr sein. Der frühere Sportchef bei den Fernsehsendern Premiere und tm 3 ist nie so recht heimisch geworden in Frankfurt, auch weil er mit Straub seine Kommunikationsprobleme hatte. Andererseits kennt der mal kühle Hamburger, mal zuvorkommende Hanseat die DFL eher von oben, den DFB ebenso. Damit war eine Verankerung an der Basis seines Schaffens ausgeschlossen. Der Bildermacher von gestern blieb aber eine Persönlichkeit, die Ideen produzierte. Und damit belebte Pfad an seinen guten, präsenten Tagen den DFL-Betrieb.

          "Er wird ein Vakuum hinterlassen", prophezeit Heribert Bruchhagen, der Geschäftsführer Spielbetrieb. Ob er für ein weiteres Jahr zu reduzierten Bezügen der DFL treu bleibt - deren leitende Angestellte bekommen in Zukunft angesichts der spärlicher fließenden Fernseheinnahmen zehn Prozent weniger ausbezahlt -, ist die Frage. Bruchhagen, ein positiver, aber streitbarer Geist, ist ein Praktiker und sehnt sich manchmal zurück zu einem Bundesligaklub. Der Ostwestfale sammelte als Manager des Hamburger SV, des FC Schalke 04 und des DSC Arminia Bielefeld einschlägige Erfahrungen. Sollte auch er gehen, stünden Straub und Hackmann vor schwierigen Neubesetzungsfragen. Pfad will der Deutschen Fußball Liga immerhin als freier Mitarbeiter weiter zuarbeiten.

          Eine Konstruktion, die nicht tragfest anmutet

          Straub, jetzt schon zuständig für Rechte, Lizenzen und Marketing, zeichnet demnächst - soviel Ironie des Schicksals muß sein - als Pfads Erbe auch für die vielfältigen Kommunikationsaufgaben verantwortlich. Damit ist keineswegs gesagt, daß der Mann fürs große Ganze demnächst zur wöchentlichen Talkshow in Form von DFL-Pressekonferenzen bittet. Den alltäglichen kurzen Draht zu den Medien sollen nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wie bisher Tom Bender und dazu Straubs Abteilungsleiter Jörg Daubitzer für den Bereich Fernsehen unterhalten. Eine Konstruktion, die noch nicht so tragfest anmutet wie die vielen Brücken, die den Main in Frankfurt überspannen.

          Wenn es darauf ankommt, wird sich Straub dezent aus dem Hintergrund in die laufenden Debatten einschalten. "Es ist schon wichtig, welche Sprachregelung rausgeht", sagt der multifunktional orientierte DFL-Vormann, "denn bisher ist bei dem einen oder anderen Thema schon mal zuerst A und dann B gesagt worden." Diese Gefahr besteht bei Straub nicht. Der Mann weiß, wovon er spricht - vorausgesetzt, er will überhaupt reden.

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