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Deutsche Junioren bei U21-EM : Über Österreich zu Olympia

Trainer Kuntz, hier mit Arne Maier, mag die Idee nicht, auf Ergebnis zu spielen Bild: dpa

Ein Punkt gegen Österreich genügt den deutschen Fußball-Junioren für das Erreichen des EM-Halbfinales und die Olympiaqualifikation. Doch der Turniermodus hat seine Tücken. Und Trainer Kuntz warnt.

          Der Bundestrainer findet seine U 21 schon „sehr erwachsen“. Das muss sie auch sein an diesem Sonntag. Nie war jugendlicher Überschwang so fehl am Platze wie bei dieser Europameisterschaft – dabei läge er doch so nahe nach zwei überzeugenden Siegen. „Das, was man sich als U 21 vornimmt, auch die Leute zu Hause stolz zu machen und zu begeistern, ist super aufgegangen“, sagte Stefan Kuntz nach dem furiosen 6:1 gegen Serbien. „Aber wir wissen auch, dass es mit diesen Schlagzeilen schnell vorbei ist, wenn am Sonntag nicht das Ergebnis kommt, das uns ins Halbfinale bringt.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Welches Ergebnis das ist, scheint auf den ersten Blick simpel. Ein Sieg gegen Österreich an diesem Sonntag (21 Uhr / F.A.Z.-Liveticker zur U-21-Europameisterschaft und im ZDF) genügt für den Gruppensieg, also für das Erreichen des EM-Halbfinales und damit für die Olympiaqualifikation. Ein Unentschieden täte es auch, aber Kuntz mag die Idee nicht, auf dieses Ergebnis hin zu spielen: „Erstens können wir das nicht, zweitens würde es nicht unseren Genen entsprechen.“

          Und drittens wäre es gefährlich. Der Modus dieses Turniers, der aus zwölf Teams vier machen muss, steckt voller Tücken. Deutschland könnte zwar auch bei einer Niederlage noch Gruppensieger werden, aber nur, wenn sie nicht zu hoch ausfiele und zugleich auch Dänemark sein letztes Spiel gegen Serbien gewänne – weil in diesem Fall der Direktvergleich von dann drei punktgleichen Teams entscheidend würde, wohl mit Vorteil Deutschland. Sollte man gegen Österreich verlieren und Dänemark im Parallelspiel nicht gewinnen, käme nur der Direktvergleich mit Österreich zur Geltung – dann wäre Deutschland nur noch Zweiter der Gruppe B.

          Zwar kommt auch der beste der drei Gruppenzweiten weiter. Doch weil in der Gruppe C Rumänien und Frankreich am Freitag auch ihr jeweils zweites Spiel gewannen und schon vor dem letzten Spieltag auf je sechs Punkte kommen, wird beiden am Montag im direkten Duell ein Unentschieden reichen, den Rumänen als Gruppensieger, den Franzosen als bester Gruppenzweiter mit dann sieben Punkten, um das Halbfinale zu erreichen. Ihr großer Vorteil: sie werden wissen, was nötig ist.

          Das macht das letzte Gruppenspiel für die Deutschen zu einem K.-o.-Spiel, einer Nervenprobe, wie sie die junge Mannschaft erst noch bestehen muss. Mittelfeldspieler Florian Neuhaus ist von Marco Rose, seinem neuen Trainer bei Borussia Mönchengladbach, der zuvor bei Red Bull Salzburg gearbeitet hat, schon telefonisch „gewarnt worden“ vor Österreich. „Für uns steht am Sonntag viel auf dem Spiel“, sagt auch Verteidiger Lukas Klostermann. Man müsse „noch einmal absolut Vollgas geben“.

          Lukas Klostermann war schon mal bei Olympia: „Extrem geile Erfahrung“

          Klostermann war als Einziger im Kader schon bei den Olympischen Spielen in Rio dabei, wo das Team mit Trainer Horst Hrubesch 2016 begeisterte, die Goldmedaille im Finale gegen Neymar & Co. erst im Elfmeterschießen unglücklich verpasste. Den anderen hat er schon erzählt, „dass es eine extrem geile Erfahrung ist, bei so einem Ereignis, von dem jeder Sportler träumt, dabei zu sein, im Olympischen Dorf, mit all den Topstars“. Schon dafür lohne es sich, gegen Österreich alles zu geben.

          In der ersten Woche der EM glänzten vor allem die Angreifer Luka Waldschmidt und Marco Richter mit sieben Toren, doch für Kuntz ist das Hervorstechende in seinem Team vor allem „die Mixtur“. Jede Position ist stark besetzt, und manche blühen geradezu auf gegenüber ihren Rollen im Klubteam, wie etwa der Mainzer Levin Öztunali. „Es ist toll, wenn du elf Mal individuelle Qualität hast“, sagt Kuntz. „Aber der Klebstoff zwischen allem ist der Teamspirit. Und da haben wir den Vorteil, dass wir schon relativ lange zusammenarbeiten.“

          Waldschmidt wollte nach seinen drei Treffern gegen Serbien nicht groß über sich selbst reden. „Ich glaube, man sieht von außen, dass wir Freude haben am Fußballspielen, dass wir zusammen Fußball spielen, dass jeder für den anderen da ist.“ Aus Sicht von Kapitän Jonathan Tah war das ein Gewöhnungsprozess, ein Finden von gegenseitigem Vertrauen. „Anfänglich haben viele sich nicht so getraut, haben auch neben dem Platz nicht so viel miteinander gesprochen“, sagt der Innenverteidiger. „Das ist jetzt ganz anders und hilft uns brutal, auch auf dem Platz den Teamgeist zu erleben. Das ist das A und O. Um solch ein Turnier zu gewinnen, brauchst du das einfach.“ Und vorher, nicht vergessen: auch einen Punkt gegen Österreich.

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