https://www.faz.net/-gtl-13ql1

Derby in Manchester : Old Trafford wird bei Uniteds 4:3 zum Vulkan

Unglaubliche Emotionen: Michael Owen schoss United ziemlich spät zum Derbysieg Bild: AP

Das „blaue Wunder“ konnten die Roten abwenden - so eben noch. In einem dramatischen Stadtderby in Manchester gewann United gegen City mit 4:3. Das Siegtor fiel erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit - und das Stadion „explodierte“.

          Manchester United hat das „blaue Wunder“ in einem der spannendsten Derbys der Klubgeschichte abgewendet. Am Sonntag Nachmittag besiegte der englische Fußball-Meister den Herausforderer Manchester City 4:3. Dreimal hatte das Gast-Team einen Rückstand aufholen können - musste dann aber kapitulieren, als Michael Owen, spät für Dimitar Berbatow eingewechselt, in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Noch nie war das Manchester-Derby eine so große Sache wie diesmal“, hatte Peter Schmeichel, die Torwart-Legende von United, prophezeit. City hat seit dem Kauf durch die arabischen Geldgeber aus Abu Dhabi vor einem Jahr mehr als 200 Millionen Euro für elf neue Spieler ausgegeben, und nach dem makellosen Saisonstart mit vier Siegen in vier Spielen kündigte der frühere Hamburger Nigel de Jong an, nun gebe es „zwei große Klubs in der Stadt“. Kollege Stephen Ireland hatte sogar „Furcht“ im United-Lager ausgemacht und Trainer Mark Hughes den Meister „schwächer als zuvor“ genannt - was Kollege Alex Ferguson mit dem Vorwurf konterte, City sei „hochnäsig“.

          Die verbalen Zutaten waren also vorhanden, und das Spiel hielt mit Tempo und Leidenschaft allen Erwartungen an ein großes, nervenaufreibendes Derby stand. Schon in der zweiten Minute „explodierte“ Old Trafford zum ersten Mal. Die City-Abwehr ließ sich von einem rasch ausgeführten Einwurf düpieren, Patrice Evra bediente Wayne Rooney, und der bullige Stürmer ließ sich auch von zwei Abwehrspielern nicht daran hindern, den Ball ins kurze Eck zu wuchten.

          Das Old Trafford „explodierte” - und die Fernsehzuschauer waren ganz nah dran

          Tevez wurde wegen seines Wechsels dauerhaft ausgebuht

          City schien geschockt, doch blieb bemüht - und wurde beschenkt, von Torwart Ben Foster. Der Engländer, der den Weltklassemann Edgar van der Sar vertreten muss, seit sich der Niederländer im Elfmeterschießen gegen Bayern München beim „Audi-Cup“ Ende Juli einen Finger brach, schien zeigen zu wollen, dass er schon lange beherrscht, was Jens Lehmann kann – wie beim 0:2 der Stuttgarter gegen den 1. FC Köln eindrucksvoll zu sehen war.

          Einen ungenauen Steilpass nahm er in der 16. Minute allzu lässig auf, versuchte dann, statt den Ball wegzudreschen, den heranstürmenden Carlos Tevez auch noch zu umspielen - und verlor die Kontrolle über die Situation. Tevez, wegen seines Wechsels von United zu City bei jedem Ballkontakt ausgebuht, legte quer auf Gareth Barry, und der schob ins leere Tor.

          Die zweite Halbzeit begann wie die erste - mit einem Tor fürs Heimteam nach wenigen Minuten. Eine scharf angedrehte Flanke des Veteranen Ryan Giggs drückte Darren Fletcher in der 49. Minute mit dem Kopf ins Eck. Diesmal hielt die Führung aber nicht vierzehn, sondern nur vier Minuten.

          Owen kam, traf in der 96. Minute - und machte Old Trafford zum Vulkan

          Craig Bellamy, der bei City nach der fast hundert Millionen Euro teuren Stürmer-Einkaufstour des Sommers eigentlich nur noch Ersatz ist, durch die Verletzungen von Robinho und Santa Cruz und die Sperre von Emmanuel Adebayor aber ins Team gerutscht war, betrieb beste Werbung in eigener Sache und schoss ein Traumtor. Vom linken Strafraumeck schoss er den Ball diagonal, mit großer Wucht steigend, ins obere rechte Toreck.

          Manchester United erhöhte den Druck, drängte City immer weiter zurück, und Torwart Shay Given wurde mit mehreren Glanzparaden der überragende Mann seines Teams. Doch dann war auch er machtlos - abermals traf Fletcher, abermals mit einem Kopfball nach präziser Flanke von Giggs. Und wieder ließ City es trotz spielerischer Unterlegenheit dabei nicht bewenden. Nach einem Fehler von Verteidiger Rio Ferdinand konnte abermals Bellamy in der 88. Minute zum 3:3 ausgleichen. Dann kam Owen, traf in der 96. Minute - und machte Old Trafford zum Vulkan.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Miet- und Kaufpreise in Europa : Schlimmer geht immer

          Deutschland ächzt unter hohen Mieten und teuren Immobilien. Doch anderswo in Europa ist die Lage weitaus dramatischer – kein gutes Zeichen.

          Ich und das Klima : Du sollst verzichten

          Die Deutschen müssen ihr Leben ändern, sagen die einen. Was die Deutschen machen, ist der Welt egal, behaupten die anderen. Was kann der Einzelne wirklich bewirken?

          Umstrittener Backstop : Was will Boris Johnson?

          In einem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk kritisiert der britische Premierminister die „Backstop“-Regelung zur irischen Grenze und schlägt „alternative Vereinbarungen“ vor. Er stößt jedoch auf wenig Gegenliebe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.