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Ein Serbe für Kosovo : „Die Bombe ist geplatzt“

Er will Fußball spielen und keine Politik machen: Ilija Ivic gerät zwischen sportpolitische Fronten. Bild: @kosovanfooty_EN

Ilija Ivic ist ein junger serbischer Fußballspieler. Nun entscheidet er sich für das Kosovo zu spielen. Die Empörung ist immens. Doch nicht nur über den jungen Mann bricht die Hölle herein. Auch seine Familie ist betroffen.

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          In Südosteuropa sind Fußball und Politik noch enger miteinander verflochten als anderswo. Wer in Belgrad dieser Tage vor einem Kiosk stehen blieb, um die neuesten Schlagzeilen der serbischen Krawallpresse zu studieren, konnte die schon auf den Titelseiten in fingerdicken Majuskeln angepriesene Geschichte über Ilija Ivic kaum übersehen. Der ist nämlich, glaubt man den mit reichlich Ausrufungszeichen bewehrten Schlagzeilen des Belgrader Boulevards, ein Verräter an Serbien und dem serbischen Volk, der größte vielleicht seit Vuk Brankovic, dessen Treuebruch im Jahr 1389 die Niederlage der Serben gegen die Osmanen in der Schlacht auf dem Amselfeld eingeleitet haben soll. Kaum mehr als 630 Jahre sind vergangen seither, und schon wieder droht nun Verrat am Serbentum: Ilija Ivic hat nämlich, horribile dictu, ein Angebot des kosovarischen Fußballverbands angenommen, für ihn zu spielen. Und das, obwohl er Kosovo-Serbe ist.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          „Die Bombe ist geplatzt – der erste Serbe in der Auswahl des Kosovos“ lautete eine Schlagzeile, von einer „Schande“ war an anderer Stelle neben dem Foto des Spielers zu lesen, und in einem weiteren Blatt hieß es: „Was für ein Schock: Serbe akzeptierte Angebot, für die Auswahl des sogenannten Kosovos zu spielen!“ Dabei ist für das sogenannte Serbien noch nicht alles verloren, denn das Angebot an den 2003 in Prishtina geborenen Ivic kam von der kosovarischen U-19-Mannschaft, was dem Spieler immer noch die Wahl ließe, später einmal für das Nationalteam Serbiens aufzulaufen.

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