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3:2 n.V. gegen Hoffenheim : Der Pokal bleibt dem BVB zur Ehrenrettung

  • -Aktualisiert am

Matchwinner: Sebstian Kehl schießt den BVB ins Pokalhalbfinale Bild: dpa

Borussia Dortmund steht im Halbfinale des DFB-Pokals. Nach dem 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen Hoffenheim ist die Rettung einer missratenen Saison möglich. Oldie Sebastian Kehl ist kurz vor Karriereende der Matchwinner.

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          Die Fans von Borussia Dortmund hatten in drei aufeinanderfolgenden Heimspielen, in der Bundesliga und in der Champions League vergeblich auf einen Treffer ihrer Lieblingsmannschaft gehofft. Und Trainer Jürgen Klopp war ein wenig in Grübeln gekommen. „Das Problem ist uns bekannt“, sagte er. „Wir machen uns darüber keine Sorgen, aber Gedanken.“

          Im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen die TSG Hoffenheim schoss der BVB wieder Tore. Und vertrieb mit dem 3:2 nach Verlängerung in einer hoch spannenden Partie vorerst die düsteren Gedanken, die in dieser Saison immer wieder hochkommen. Den entscheidenden Treffer setzte der eingewechselte Mittelfeldspieler Sebastian Kehl in der zweiten Hälfte der Verlängerung mit einem Schuss aus zwanzig Metern, der vom Pfosten ins Netz sprang (107. Minute). In der regulären Spielzeit hatten Neven Subotic (19.) und Pierre-Emerick Aubameyang (57.) das Toreschießen für Dortmund wiederentdeckt. Kevin Volland (21.) und Roberto Firmino (28.) hatten für Hoffenheim getroffen.

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          Unfassbar: Auch Kevin Kampl (l.) hat Sebastian Kehl den Traumschuss wohl nicht zugetraut :

          Die Westfalen wussten zwar nicht zu brillieren, verfolgten aber gegen zeitweise starken Widerstand mit Nachdruck das nächste Etappenziel auf dem Weg zum Endspielort Berlin, den sie in den vergangenen drei Jahren erreicht hatten. „Eine Runde weiter, war geil“, kommentierte Matchwinner Kehl den Sieg, den er mit seinem ersten Pokaltreffer für den BVB im 15. Dienstjahr sicherte. „Wir haben ja eine schwerige Saison, deswegen war es gut, dass wir heute ein Erfolgserlebnis haben. Natürlich habe ich diesen Traum, zum Ende meiner Karriere den Pott hochzuhalten“, sagte Kehl, der zuletzt
          vor 15 Jahren noch für den SC Freiburg im Pokal traf. „Im Herbst meiner Karriere ist das eine schöne Anekdote, die ich mitnehme.“

          Vor dem Anpfiff hatte es schlechte Nachrichten für die Anhänger des BVB gegeben. Kapitän Mats Hummels und Ideengeber Marco Reus fielen verletzt aus. Für Hummels rückte Sokratis ins Abwehrzentrum, dessen Defensivaufgaben im Außendienst übernahm Erik Durm, der zum ersten Mal in diesem (Kalender-)Jahr fit genug war für einen Pflichtspieleinsatz. Anstelle von Reus besetzte Shinji Kagawa das zentrale offensive Mittelfeld. Dazu änderte Trainer Jürgen Klopp seine Startelf auf zwei weiteren Positionen: Mitch Langerak stand, wie im DFB-Pokal üblich, zwischen den Pfosten, Henrich Mchitarjan ersetzte Kevin Kampl.

          Zunächst hatte es den Anschein, als sollten die BVB-Profis die Ausfälle und Umstellungen mühelos verkraften. An diesem milden Abend hatten sie ihre Betriebstemperatur schnell erreicht und verschafften sich mit einem ersten Warnschuss von Mchitarjan zunächst Respekt. Und niemand war überrascht, als Subotic Dortmund nach einem Eckstoß von Blaszczykowski in Führung schoss. Doch das böse Erwachen kam schneller, als die Borussen sich hätten träumen lassen. Schon zwei Minuten nach dem 1:0 traf Volland – auch er profitierte von einer Ecke – zum 1:1.

          Der Ausgleich flößte den Hoffenheimern, jüngst in der Liga Gladbach klar unterlegen, eine Menge Mut ein; die Dortmunder dagegen wirkten zunehmend verunsichert. Dieser Zustand spiegelte sich beispielhaft in der Entstehung des zweiten Gegentores. Subotic, gerade noch umjubelter Torschütze, stand exemplarisch für den um sich greifenden Mangel an Sorgfalt. Wie von allen guten Geistern verlassen, schlug der aufgerückte Verteidiger im Mittelfeld über den Ball und ermöglichte so Firmino, der geistesgegenwärtig reagierte, einen Sololauf Richtung Strafraum. Dort angekommen hob der Filigrantechniker die Kugel mit Gefühl über den hinauseilenden Langerak hinweg ins Netz.

          Schaden repariert

          Die Borussen versuchten pflichtschuldig, den Schaden zu reparieren, doch ihre Vorstöße fielen zunächst eher in die Kategorie „Sie haben sich bemüht“ – und zwar vergeblich wie so häufig in den vergangenen Wochen. Gegen Ende der ersten Hälfte hätte Hoffenheim den Vorsprung fast ausgebaut, der Ball landete nach einem gediegen vorgetragenen Angriff im Tor, doch Schiedsrichter Deniz Aytekin sah Volland knapp im Abseits.

          Die Pause kam den Dortmundern gelegen. Offenbar gelang Jürgen Klopp in der Kabine, die Lebensgeister seiner Spieler wieder zu wecken und sie zu einem Neustart zu animieren. Sie versuchten es jetzt mit mehr Biss, erzeugten viel Druck und zwangen die Hoffenheimer, die nicht mehr so ballsicher wirkten wie anfangs, zu Fehlern. Die ersten beiden Chancen ließen Aubameyang und Gündogan noch ungenutzt, doch dann brach sich der Dortmunder Wille Bahn, als Aubameyang sich in der Luft gegen Strobl durchsetzte und mit dem Kopf wieder ausgeglichene Verhältnisse herstellte.

          Danach waren die Dortmunder dem dritten Tor näher als der Gegner, dessen Angriffe über das Stadium des Versuchs längere Zeit nicht mehr hinauskamen. Der umtriebige Aubameyang und Subotic verpassten es, die Heimelf wieder in Führung zu bringen; beide fanden in Torhüter Baumann ihren Meister. Doch in der Schlussphase verspürte auch Hoffenheim wieder mehr Angriffslust. Gute Chancen für Polanski und Firmino lieferten den Beleg dafür, dass auch sie das Tagesziel nicht vollends aus den Augen verloren hatten. Dann nahm das Drama mit Überlänge seinen Lauf und endete schließlich mit Kehls Volltreffer, der den BVB in der bis dahin ereignislosen Verlängerung doch noch ins Halbfinale schoss.

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