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Der Nationalmannschaftskommentar : 3:3 zwischen Energie und Konfusion

  • -Aktualisiert am

Zwischen Mittelfeld und Abwehr stimmte die Abstimmung nicht: die deutschen Verteidiger Clemens Fritz (h.l.), Heiko Westermann (h.m.) und Mittelfeldspieler Piotr Trochowski gehen ihrer Wege - und glückliche Finnen jubeln Bild: REUTERS

Ein Sieg, ein Unentschieden: der Start der Nationalmannschaft in die WM-Qualifikation ist geglückt. Doch das 3:3 gegen Finnland zeigte, dass die Abwehr bis zum Spiel gegen Russland elementare Schwächen beseitigen muss.

          Der Start der deutschen Nationalmannschaft in die WM-Qualifikation ist geglückt. Der Sieg in Liechtenstein durfte als Selbstverständlichkeit hingenommen werden, das Unentschieden in Finnland nicht. Der Hinweis mag mittlerweile ein gequältes Aufstöhnen hervorrufen, wie es die ständigen Ermahnungen tun, Sicherheitsgurte anzulegen. Aber durch das Wiederholen wird die Feststellung nicht falsch: Im Zuge der Fußball-Globalisierung verschwimmen die Unterschiede zwischen Groß- und Mittelmächten immer mehr.

          Und auch die Zwergstaaten wachsen, wenn sie sich professionelle Strukturen leisten können, wie Luxemburg und Liechtenstein beweisen (siehe: WM-Qualifikation: Schweizer Blamage, Portugals Drama, Englands Gala). Die Liste der Vereine, bei denen die finnischen Nationalspieler ihr Geld verdienen, legt Zeugnis für deren Qualität ab: FC Liverpool, Bolton Wanderers, FC Fulham, PSV Eindhoven, NEC Breda, Dinamo Kiew, Werder Bremen, Hannover 96, FC Zürich, Rapid Wien, Malmö FF.

          Das deutsche Team spielte nicht wie ein Favorit

          Natürlich besitzt die deutsche Mannschaft in der Breite mehr spielerische Substanz, aber die Unterschiede sind nicht mehr so gewaltig, dass sie sich durchsetzen muss in einem Spiel, das für sie eines wie viele andere, für den Gegner aber das Match des Jahres bedeutet. Das deutsche Team agierte in Helsinki nicht wie ein Favorit, es war nicht in der Lage, die Partie zu kontrollieren (siehe: 3:3 in Finnland - Kloses Dreierpack rettet deutsche Mannschaft).

          Doch Miroslav Klose durfte nach den 90 Minuten unwidersprochen feststellen: „Die Mannschaft ist intakt.“ Der überragende Bayernstürmer hatte dreimal den Rückstand ausgeglichen, doch seine Kollegen erst versetzten ihn in die Lage dazu. Nach keinem der vielen Nackenschläge ließen sie sich hängen, sondern drängten nur umso energischer auf den Ausgleich (siehe: Die Stimmen zum Spiel: „Wir haben hier eine Riesenmoral gezeigt“).

          Die Abwehr erinnerte an die Phase unmittelbar vor der WM 2006

          Dabei wechselten in der Offensive Licht und Schatten (siehe: Einzelkritik: Klose überragend - Podolski kaum zu sehen), doch mit der Schlussoffensive verdienten sich die Deutschen das Unentschieden redlich, sogar ein Sieg war in den letzten Minuten noch möglich. So weit zum Positiven. Das Negative funkelte an diesem kühlen Abend in Helsinki genauso hell.

          Katastrophale Fehler in der Abwehr brachten die Mannschaft an den Rand der Niederlage. Dabei gewannen die unerfahrenen Innenverteidiger Westermann und Tasci viele Zweikämpfe. Aber die Abstimmung zwischen Mittelfeld und Abwehr funktionierte zeitweise überhaupt nicht. Wie in der Phase unmittelbar vor der Weltmeisterschaft 2006 und im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica konnten die ballführenden Gegner in aller Ruhe den richtigen Moment für das Zuspiel in die Spitze auswählen, sei es durch Steilpässe, sei es durch Flanken.

          Freuen wir uns weiter auf gute Unterhaltung

          Der sonst so stabile Westermann wirkte am Ende reichlich konfus. In dieser Verfassung bildet der deutsche Sicherheitsdienst für die russische Offensive eine Barriere wie aus Zeitungspapier. Doch vor der nächsten Aufgabe in der WM-Qualifikation gegen den EM-Halbfinalisten sollten die Sorgen nicht ins Unermessliche wachsen.

          Die jungen Spieler sind lernwillig und lernfähig und mit Mertesacker, Ballack und Frings kann Löw dann wieder auf erfahrene Spieler zurück greifen, die in Normalform wie Klebstoff für den Abwehrverbund wirken. Freuen wir uns lieber auf weiter gute Unterhaltung in dieser WM-Qualifikation mit einer engagierten deutschen Mannschaft, die munter nach vorne spielt. Die Hoffnung ist nicht unbegründet, dass die Horrorelemente der kurzweiligen Show weniger werden.

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