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DFB-Krise nach WM-2006-Affäre : Fußball-Behörde braucht Klinsmann-Moment

Führt sein Weg wirklich nach oben? Reinhard Grindel soll nach dem Willen der Amateure DFB-Präsident werden Bild: dpa

Nach der Revolution auf dem Platz wäre es Zeit für eine Wende des Verbandes. Dafür aber fehlt dem DFB das Personal. Zur Verfügung steht nur Reinhard Grindel – aber das ist nicht sein Fehler.

          Nachdem er sich in der vergangenen Woche der Anwaltskanzlei Freshfields für ein mehrstündiges, aber nicht weiter erhellendes Gespräch wegen seiner Verwicklungen um das Sommermärchen zur Verfügung gestellt hatte, sagte Franz Beckenbauer, er habe seine Schuldigkeit getan. Aus Beckenbauers Worten sprach aber auch tiefe Enttäuschung. Darüber, dass er nicht mehr weiter den Dank von seinem Fußballvolk empfangen kann. Denn in diesen Tagen springt kaum noch jemand im deutschen Fußball dem Kaiser bei.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es gibt keinen DFB-Präsidenten mehr, der ihn preist und verehrt. Auch aus der Deutschen Fußball Liga ist kein einziges freundliches Wort mehr über ihn zu vernehmen. Und die „Bild“-Zeitung, sein Mitteilungsblatt seit Ewigkeiten, schweigt. Das große Reich des Kaisers, das über Jahrzehnte die Richtung im deutschen Fußball bestimmte, existiert nicht mehr. Nur der FC Bayern mahnt über seinen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, die großen Leistungen von Beckenbauer weiter anzuerkennen. Aber selbst diese Solidaritätsadresse klingt mittlerweile defensiv.

          Mit der Macht des Kaisers löst sich auch eine Welt auf, die alte Welt des Fußballs. Die darauf gründet, dass diejenigen, die besser Fußball spielen konnten als andere, sich auch mehr erlauben dürfen. Selbst dann, wenn sie nicht mehr mit dem Fußball, sondern mit Millionen spielten. Aber wegen der Tricksereien rund um die WM 2006 in Deutschland mit Beckenbauer als Chef des Organisationskomitees droht dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein Verlust von weit mehr als zwanzig Millionen Euro, falls dem Verband die Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 aberkannt werden sollte.

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          Wolfgang Niersbach ist als DFB-Präsident schon über die Affäre gestürzt. Dem hauptamtlichen, stellvertretenden Generalsekretär Stefan Hans wurde, so die Begründung, wegen schwerer Pflichtverletzung gekündigt. Der dramatische Ansehensverlust der Top-Sportfunktionäre und damit der ihnen anvertrauten Institutionen, der sich auch in der Olympia-Ablehnung der Hamburger Bürger spiegelte, ist ein weiterer Kollateralschaden.

          Jetzt gibt es keinen Klinsmann – nur Grindel

          Der steinreiche Fußball hat abgewirtschaftet. Zumindest seine Führung, ob nun bei Fifa, Uefa oder dem DFB. Und wann, wenn nicht jetzt, wäre im deutschen Fußball die Zeit gekommen für den Klinsmann-Moment, für eine radikale Wende? Für einen glaubwürdigen, auch unbequemen Mann an der Spitze, der ein deutliches Ziel verfolgt (an Frauen ist im Fußball ja lange noch nicht zu denken).

          „Beim DFB muss man jeden Stein umdrehen, notfalls den ganzen Laden auseinandernehmen“, hatte Jürgen Klinsmann gefordert, nachdem die Nationalelf den internationalen Anschluss verloren hatte. Das war 2004. Dann meldete er seinen Anspruch auf den Posten des Bundestrainers an, stellte einen ausgereiften Plan vor – und kam ins Amt. Durch konsequente Reformen, auch gegen große Widerstände, bereitete Klinsmann den Weg für die sportliche Erneuerung, die zehn Jahre später schließlich mit dem Weltmeister-Titel belohnt wurde. Nun wäre der Zeitpunkt da, um nach der fußballerischen auch die verbandsinterne Wende im DFB zu vollziehen. Aber diesmal geht nur die alte Fußballfunktionärs-Welt unter – und eine neue ist weit und breit nicht in Sicht. Es steht kein Klinsmann zur Verfügung. Sondern Reinhard Grindel.

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