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Deutsch-Kurde Deniz Naki : Der Gegen-Spieler

Politisch engagiert: Naki spielt mit Flüchtlingen Fußball Bild: facebook.com/deniznaki62

Azadi ist kurdisch und heißt Freiheit - und brachte dem deutschen U-19-Europameister Deniz Naki die längste Sperre ein, die der türkische Verband je verhängt hat. In der Türkei ist Krieg. Im türkischen Fußball auch.

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          Deniz Naki war mit St. Pauli in die erste Bundesliga aufgestiegen, er könnte in Europa Tore schießen, und doch spielt der U-19-Europameister in der Türkei für den Drittligaklub Amedspor - wo er es zu einem der bekanntesten und umstrittensten Spieler des Landes gebracht hat. Denn seit seinem Siegtor am 31. Januar im Pokalspiel beim Erstligaverein Bursaspor ist der 1989 in Düren geborene Kurde für zwölf Spiele gesperrt. Der Grund: Er widmete den Achtelfinalsieg „den Menschen, die in 50 Tagen Unterdrückung getötet oder verletzt wurden“.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Seit 50 Tagen hatte zu jenem Zeitpunkt die türkische Armee eine Ausgangssperre über die Altstadt von Diyarbakir und andere kurdische Orte verhängt. In Cizre hatte Naki Leichen getöteter Kurden gesehen, und er wollte nicht mehr schweigen. Dazu postete er auf Facebook das kurdische Tattoo auf seinem linken Unterarm. „Azadi“ steht dort, was Freiheit heißt. „Das war nach fünf Minuten überall in den Medien“, sagt Naki. Und gleich ging der Shitstorm los.

          Trotz allem will er aufsteigen

          Er wurde als Terrorist beschimpft, als einer, der für die verbotene PKK Propaganda mache und der gegen den türkischen Staat sei. Selbst Leute des Mafiabosses Sedat Peker bedrohten ihn. Nie hatte der türkische Verband eine längere Sperre verhängt, zudem eine Geldstrafe von 19.500 türkischen Lira. Seit er gesperrt ist, hat Amedspor kein Spiel mehr gewonnen.

          Es drängt ihn zurück auf das Spielfeld. Schließlich will er mit dem Verein aufsteigen. Das sei ihm wichtiger, als in Europa gutes Geld zu verdienen.

          „Jeder Reporter soll den Namen Amedspor aussprechen“, sagt er. Denn bei dem Spiel in Bursa sprach der Fernsehreporter immer nur von „dem Gegner“ und von „denen“. Amed ist der bereits im Altertum gebrauchte, aber auch kurdische Name für Diyarbakir. Nationalistische Türken würden sich eher mit Weihwasser in einer Kirche bekreuzigen als den kurdischen Namen Amed aussprechen.

          Türkei gegen Kurdistan

          Als Deniz Naki im vergangenen Sommer das Angebot von Amedspor annahm und nach Diyarbakir kam, habe das kurdische Volk „zu 80 Prozent“ den Ausschlag für die Entscheidung gegeben, sagt er. Amedspor repräsentiere das kurdische Volk. Angebote aus Europa habe er ausgeschlagen, weil er etwas für die Kurden tun wolle, weil man in einem Land, in dem viel Unrecht geschehe, mit Erfolgen wie jenem Sieg in Bursa die Menschen glücklich machen könne. Tausende feierten danach in den Straßen in Diyarbakir. „Und es wären mehr geworden, hätte die Polizei die Menschen nicht mit Tränengas auseinandergetrieben.“

          Europameister mit der U17: Deniz Naki feierte Erfolge im deutschen Nationaltrikot

          In das Stadion von Bursa waren die Fans aus Diyarbakir, angeblich aus Sicherheitsgründen, erst gar nicht zugelassen - wie bei allen Auswärtsspielen des Vereins. „Krass“ sei es gewesen - ein Wort, das Naki gerne benutzt. Vor dem Spiel wurden die Gäste aus Diyarbakir mit rassistischen Parolen beleidigt, während des Spiels schwenkten die Fans von Bursa nicht die Vereinsflagge, sondern die türkische Fahne.

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