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FK Krumkatschi : Der abenteuerliche Flug der Minsker Raben

  • -Aktualisiert am

Rabenschwarze Party: Fans und Spieler des FK Krumkatschi. Bild: Anna Sankowitsch

Sport ist Chefsache in Weißrussland, private Initiativen sind nicht gern gesehen. Umso märchenhafter ist die Geschichte des Fußballklubs Krumkatschi: Vor zwei Jahren als „großer Spaß“ von Fans für Fans gegründet, spielt der Verein nun in der ersten Liga.

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          Noch vor zweieinhalb Jahren war Fußball für den Minsker Kleinunternehmer Denis Schunto ein Hobby, Denis Schunto ein ganz gewöhnlicher Fan. Im Internet-Forum von „Pressbol“, einer weißrussischen Sportzeitung, diskutierte er die Situation im nationalen Fußball, ärgerte sich über die anhaltende sportliche Krise von Dinamo Minsk. Jahrzehntelang galt Dinamo als Flaggschiff des weißrussischen Fußballs, doch die glorreichen Zeiten sind Geschichte.

          Seit 2006 entscheidet Bate Baryssau jede Meisterschaft für sich, für Dinamo bleibt höchstens Platz zwei. In der am 2. April beginnenden Saison der weißrussischen Liga kann aber Schunto sowohl Dinamo als auch Bate selbst herausfordern - mit dem eigenen Verein. Denn Schunto schreibt seinen Namen nicht mehr ins Fan-Forum, Denis Schunto hat inzwischen weißrussische Fußball-Geschichte geschrieben.

          Ein Verein von Fans für Fans

          Was dem 33-Jährigen in nur zwei Jahren gelang, ist einmalig, zumal in Weißrussland. Seit 2011 spielte Schunto mit seinen Mitstreitern aus dem Pressbol-Forum in einer weißrussischen Amateurliga, 2014 kam ihnen die Idee, aus ihrer Spaßmannschaft einen echten Fußballverein zu machen. „Wir haben diskutiert, welches Amateurturnier in Weißrussland am stärksten ist. Jemand scherzte, es sei die dritte weißrussische Liga“, erzählt Schunto über jenen Tag im Spätherbst 2013, an dem die Geschichte des FK Krumkatschi Minsk so richtig begann. „Als Denis anrief und von der Idee erzählte, ein Team für die dritte Liga zu gründen, dachte ich, er sei verrückt“, sagt Wassilij Glesow, der zusammen mit Generaldirektor Schunto und Wladislaw Majorowskij an der Spitze des jungen Vereins steht.

          Glesow, Majorowskij und Schunto sind kleine Unternehmer: Glesow hat ein Reisebüro, während Majorowskij ein paar Restaurants in Minsk besitzt. Großes Geld haben die drei nicht, doch sie sind erstens begeisterte Fans und wollten zweitens den Weißrussen etwas bieten, was es im von Aleksandr Lukaschenka regierten Staat noch nicht gab: einen Verein von Fans für Fans, privat organisiert. Die Erfolgsgeschichte des FK Krumkatschi - zu Deutsch: FC Raben - nahm ihren Lauf.

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          „Wir sind der erste private Fußballverein Weißrusslands“, sagt Schunto mit Stolz in der Stimme. Weit mehr als in Russland und der Ukraine ist das Sportsystem in Weißrussland immer noch dem sowjetischen ähnlich, fast alle Sportvereine werden vom Staat finanziert. Dass der Staat die Verantwortung für die Entwicklung des Sports übernimmt, hängt vor allem mit der Sportbegeisterung des Aleksandr Lukaschenka zusammen. Der autokratisch regierende Präsident, im Oktober 2015 in die fünfte Amtszeit wiedergewählt, spielt Eishockey und dreht jede Woche auf der neuen Radrennbahn in Minsk seine Runden.

          Sportförderung gilt als eine der wichtigsten Staatsaufgaben in Lukaschenkas Republik. Die Wirtschaft dagegen stagniert seit Jahren, auch wegen der Hindernisse, die privaten Unternehmern in den Weg gelegt werden. Das Durchschnittsgehalt liegt bei umgerechnet etwa 300 Euro, für 50 Euro gibt es derzeit mehr als eine Million Rubel. Im Sommer wird sich das ändern, dann werden die Nullen einfach gestrichen. Die Rahmenbedingungen für den privaten Einstieg ins weißrussische Fußballgeschäft waren entsprechend ungünstig. „Wir haben keine finanzielle Unterstützung, auch gesetzlich müssen wir mit vielen Nachteilen rechnen.

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