https://www.faz.net/-gtl-93dyk

Traditionsklub : Kaiserslautern am Abgrund

  • -Aktualisiert am

Bei den „Roten Teufeln“ in Kaiserslautern gibt es nicht nur sportliche Sorgen. Bild: Reuters

Der 1. FC Kaiserslautern kämpft in der zweiten Liga um seine Existenz im deutschen Profifußball. Die Stimmung im Umfeld des Klubs ist am Tiefpunkt und weitere Zerwürfnisse deuten sich an.

          4 Min.

          Ich habe hier Real Madrid verlieren sehen, ich habe hier Barcelona verlieren sehen. Ich habe hier Bayern München oft verlieren sehen.“ Thomas Gries sparte nicht mit großen Namen des internationalen Fußballs, als er vor anderthalb Jahren seinen Job als Vorstandschef beim 1. FC Kaiserslautern antrat. Er wollte „Aufbruchsstimmung“ erzeugen. Als großes Ziel wurde die Rückkehr in die Bundesliga ausgerufen. Heute steht der FCK auf dem letzten Tabellenplatz in der zweiten Liga und kämpft um seine Existenz im deutschen Profifußball.

          Unlängst haben die Lauterer mit Jeff Strasser einen neuen Trainer verpflichtet, der als ehemaliger Spieler noch große Sympathien beim Publikum genießt. Es geht wohl auch um eine emotionale Mobilisierung. „Das Ziel Nichtabstieg ist erreichbar“, sagt Strasser optimistisch. Vor dem Heimspiel an diesem Freitag gegen den VfL Bochum haben die Spieler über die Vereinswebsite einen Brief an die Fans veröffentlicht, in dem sie „versprechen, alles zu investieren, damit wir unsere Ziele erreichen“.

          Doch der Schwur trifft auf geteilte Resonanz. „Im Augenblick helfen gut gemeinte Schreiben wenig – im Fußball liegt die Wahrheit auf dem Platz und nicht im Schriftverkehr. Wie oft sollen die Fans noch in Vorleistung treten?“, fragt Bruno Otter. Der Banker ist ein langjähriges FCK-Mitglied. Die Stimmung im Umfeld des Klubs sei an einem „Tiefpunkt“. Gründe sieht der FCK-Enthusiast darin, dass sich der Verein von seiner Basis entfernt habe. Dies zeige sich an rückläufigen Zuschauerzahlen. „Das Wir-Gefühl ist verlorengegangen.“ Ebenso fehle die Bindung an Unternehmen in der Region. Zahlreiche Spielerwechsel erschwerten die Identifikation mit der Mannschaft.

          Vier Trainer habe der FCK seit 2016 verschlissen. „Der Mangel an Kontinuität weckt Zweifel an der sportlichen Kompetenz handelnder Akteure“, sagt Otter. Geschuldet ist der sportliche Abstieg auch der Finanzlage des FCK. Seit Jahren schon können Finanzlöcher nur durch Sondereffekte, Transferüberschüsse und den Verkauf hoffnungsvoller Talente gestopft werden. Zu Saisonbeginn wurde etwa die komplette Abwehrkette ausgewechselt, die zuletzt ein Stabilitätsfaktor gewesen war. Immer wieder warnten Vereinsmitglieder vor einem solchen Szenario, vor einem Ausverkauf der Kaderqualität. Aber offenbar ignorierten Vorstände und Aufsichtsräte das.

          Stattdessen wurden auf hitzigen Mitgliederversammlungen von der alten Vereinsführung um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und heutigen U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz einige Kritiker als Feinde des FCK geschmäht. Die in Wahrheit bedrohliche Entwicklung vernebelten sie mit Darstellungen von „ligaunabhängiger wirtschaftlicher Stabilität“.

          Seit Jahren gibt es Vorhaltungen der Misswirtschaft und das Verlangen der Mitglieder nach der Klärung offener Fragen. Bis dato fehlt aber eine erkennbare Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit. Dieses Vakuum prägt die derzeitige Stimmung und sorgt für Differenzen, was die Deutungshoheit über die Ereignisse betrifft. Nach Informationen dieser Zeitung hat gerade der Kaiserslauterer Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) in einem Schreiben die Vereinsführung aufgefordert, Geschäftsvorfälle aus der Zeit von Kuntz unverzüglich zu untersuchen. Hier deutet sich ein Zerwürfnis an. Denn während der Oberbürgermeister bereits seit Monaten auf Antworten dringt, spricht man beim FCK auf Nachfrage von „professioneller Zusammenarbeit und vertrauensvollem Umgang“ mit dem Stadtoberhaupt.

          Weitere Themen

          St. Pauli muss aufpassen

          Zweite Bundesliga : St. Pauli muss aufpassen

          Es herrscht weiter Bewegung in der zweiten Bundesliga: Bochum und Sandhausen setzen ihre guten Serien fort. St. Pauli muss noch einmal nach unten schauen.

          Topmeldungen

          Die Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters Wirecard im bayrischen Aschheim.

          Marktmanipulation : Bafin zeigt Wirecard an

          Nach den Vorwürfen wegen Marktmanipulation gegen den Zahlungsdienstleister hat nun die Finanzaufsicht Bafin Anzeige erstattet. Die Geschäftsräume des Unternehmens in Bayern wurden untersucht. Die Vorwürfe richten sich gegen Vorstände.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.