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Krise beim FCK : Mitten im Existenzkampf – sportlich und finanziell

Düstere Gegenwart: Der traditionsreiche FCK (im Bild im DFB-Pokalspiel gegen Hoffenheim) kämpft nun in der dritten Liga ums Überleben. Bild: EPA

0:5-Niederlage, Entlassung von Trainer Frontzeck: Beim 1. FCK läuft es auch in der Dritten Liga nicht. Im Klub klafft eine enorme Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Dabei ist das Sportliche bei Weitem nicht das einzige Problem.

  • -Aktualisiert am

          Der Zerfall des traditionsreichen Fritz-Walter-Klubs 1. FC Kaiserslautern schreitet weiter fort. Der Fußball-Drittligaklub droht, seine Saisonziele zu verpassen – vor allem sportlich, aber auch finanziell befindet er sich im Existenzkampf. Und vor der Mitgliederversammlung am 16. Dezember brodelt es im Verein. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich die von den Vereinsbossen geschürten Erwartungen der Fans an einer Position in der Bundesliga orientieren. In wohl nur wenig anderen Vereinen klafft eine so große Lücke zwischen dem eigenen Anspruchsdenken und der Realität wie beim deutschen Meister von 1998.

          „Ich glaube, dass wir uns mehr mit dieser Liga identifizieren und die alten Erfolge hinter uns lassen müssen“, sagte der am Samstag entlassene Trainer Michael Frontzeck kurz vor seiner Demission. Es war eine durchaus zutreffende Erkenntnis, die allerdings in Internetforen die Häme der Fans für den Coach nach sich zog. Nach der 0:5-Niederlage gegen die Spielvereinigung Unterhaching am Freitagabend war Frontzeck nicht mehr zu halten. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Zwischenzeitlich übernimmt ein Team um den bisherigen Ko-Trainer Alexander Bugera und Torwarttrainer Gerald Ehrmann das Training. Ohnehin ist fraglich, wem das Kunststück überhaupt gelingen soll, die Wende in der Pfalz zu schaffen.

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          Aktuell belegt der FCK den zwölften Platz in der Dritten Liga und befindet sich näher an den Abstiegsplätzen als an den Aufstiegsrängen. Die Klubbosse selbst gaben jedoch den direkten Wiederaufstieg als Ziel aus. Aufsichtsratschef Patrick Banf sprach vor Rundenbeginn sogar von dem Ziel, in fünf Jahren auf Augenhöhe mit Vereinen wie Werder Bremen zu sein. So wirft die derzeit missliche Lage auch kein gutes Licht auf ihn und Sport-Geschäftsführer Martin Bader, in den große Erwartungen gesetzt wurden, als er – wie Frontzeck auch – vor nicht ganz einem Jahr auf den Betzenberg kam.

          Verlieren die Fans wegen einer Leihe ihr Geld?

          Nicht nur wegen der Ergebnis-Krise birgt die anstehende Jahreshauptversammlung Brisanz, sondern auch, weil der FCK gleichzeitig um seine wirtschaftliche Existenz ringt. Der heutige U-21-Nationaltrainer und langjährige FCK-Vorstandsvorsitzende, Stefan Kuntz, der von den Klubmitgliedern nicht entlastet wurde, ließ den Verein 2016 in einer finanziell brüchigen Situation zurück. Besonders eine Fananleihe, mit der Kuntz über sechs Millionen Euro für den Bau eines Nachwuchszentrums eingesammelt hatte, die aber größtenteils im operativen Geschäft „versandet“ sind, bedroht den Verein. Im August 2019 ist die Rückzahlung des Geldes fällig. Viele Mitglieder fragen sich, wie das gelingen soll.

          Entlassen: Michael Frontzeck weist beim FCK nicht mehr den Weg.

          Schon die aktuelle Saison sei „größtenteils auf Pump“ finanziert, so Banf. Man habe dafür eine Finanzlücke von rund acht Millionen Euro schließen müssen. Die Saison 2017/18 endete mit einem Fehlbetrag von zwei Millionen Euro. Für 2018/19 prognostizierte man ursprünglich ein Minus von fünf Millionen Euro. Der 1. FC Kaiserslautern könnte angesichts solcher Zahlen nach dem FSV Zwickau der nächste Drittligaverein werden, dessen Finanzkrise sich gefährlich zuspitzt. Um die Millionen der Anleihe zurückzahlen zu können, setzt die neue Klubführung primär auf eine Ausgliederung des Profibetriebs in eine Kapitalgesellschaft. Damit wollen die Vereinsbosse in den nächsten fünf Jahren „frisches Geld“ in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro generieren. Das Vorhaben hinkt aber seinem anfangs verlautbarten Zeitplan stellenweise schon hinterher. Ohnehin ist noch kein großer Investor bekannt, der bereit wäre, Millionensummen in die marode Fußballunternehmung FCK zu pumpen.

          Halbherzige Aufklärung

          Dass die Kuntz-Nachfolger bisher nur eine höchstens halbherzige Aufklärung von dessen Hinterlassenschaften erkennen lassen, sorgt ebenfalls nicht für zusätzliches Vertrauen in die Führung. Nach wie vor sind Funktionäre aus Kuntz’ Zeiten in wichtigen Vereinsgremien. Das Thema hat längst die Politik erreicht, schließlich kommt die Stadt Kaiserslautern dem 1. FCK in Sachen Stadionmiete immer wieder um Millionen zulasten des Steuerzahlers entgegen. Oberbürgermeister Klaus Weichel erwartete vom FCK-Aufsichtsrat die Ergebnisse einer „eingeleiteten Prüfung aller Geschäftsvorfälle seit 2008, einschließlich der Spielertransfers“. Der Stadtrat forderte sogar vom FCK, etwaige Regressforderungen gegenüber ehemals verantwortlichen Funktionsträgern an die Stadt abzutreten.

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          Der Klub äußerte sich auf Nachfrage nicht zu den Themen und verwies auf die Mitgliederversammlung, bei der man darüber sprechen wolle. Dabei keimte vor wenigen Wochen noch die Hoffnung auf bessere Zeiten: Mehr als 40.000 Zuschauer bejubelten den 1:0-Sieg beim Drittliga-Auftakt gegen 1860 München im Fritz-Walter-Stadion. Schon jetzt hat der FCK inklusive der Dauerkarten seinen geplanten Zuschauerschnitt von 16.500 für die Saison übertroffen. Der sportliche Einbruch machte die Aufbruchsstimmung aber zunichte.

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